Der Gärtner bietet sechs Folgen lang Auftragsmord, Familienkoller und ein Hauch von Romantik. Klingt wild? Ist es auch. Die Grundidee ist ziemlich schräg, aber gerade das macht neugierig: Ein emotionsloser Killer namens Elmer, der gemeinsam mit seiner überdominanten Mutter von einem unscheinbaren Gartencenter aus Morde plant und durchführt. Und dann verliebt er sich plötzlich in sein nächstes Ziel – eine Kindergärtnerin namens Violeta. Klar, das klingt erstmal nach trashigem Stoff, aber genau da liegt auch ein gewisser Reiz.
Die Serie geht ziemlich direkt rein: Ohne viel Vorgeplänkel lernen wir Elmer kennen – still, kalt, effizient. Seine Mutter La China dagegen ist das komplette Gegenteil: kontrollierend, laut, manipulativ. Und obwohl man anfangs denkt, sie wäre bloß eine klischeehafte Drahtzieherin im Hintergrund, bekommt sie mehr Raum und Tiefe als erwartet. Nicht immer glaubwürdig, aber immerhin so überzogen, dass es schon wieder Spaß macht.
Was die Serie gut kann, ist Stimmung erzeugen. Die Bildsprache ist stark, fast schon überstilisiert, aber nie langweilig. Farben, Perspektiven und Musik schaffen eine Atmosphäre, die zwischen düsterem Noir und schrägem Familiendrama pendelt. Leider wird dieser starke visuelle Stil nicht von einer ebenso durchdachten Handlung begleitet. Die Serie kratzt inhaltlich oft nur an der Oberfläche. Gerade wenn es darum geht, Elmers Wandel vom Killer zum Verliebten greifbar zu machen, bleibt vieles zu vage oder wirkt plötzlich überhastet.
Violeta ist dabei die einzige Figur, die im Verlauf wirklich an Profil gewinnt. Man merkt, dass hier mehr Hintergrund und Motivation eingebaut wurde – was hilft, um sich emotional zu binden. Elmer dagegen bleibt lange Zeit ein Fragezeichen mit Stirnrunzeln. Als Zuschauer soll man mitfiebern, ob er nun seiner Mutter die Stirn bietet oder der Liebe folgt – aber dafür müsste man mehr fühlen als bloß Unbehagen. Und das passiert leider nicht.
Die Dialoge? Manchmal pointiert, manchmal eher mechanisch. Einige Szenen wirken fast wie Theater – steif, auf Wirkung bedacht, aber ohne echtes Leben. Und das ist schade, weil das Grundkonzept eigentlich so viel hergeben würde. Stattdessen hangelt sich „Der Gärtner“ von spannenden Momenten zu überdrehten Familienpsychodramen, ohne dass beides je wirklich zusammenfindet.
Unterm Strich bleibt eine Serie, die mehr Stil als Substanz bietet. Man kann sie durchbingen, keine Frage. Sie hat schräge Figuren, eine seltsame, teils fesselnde Stimmung und ist definitiv anders als das, was man sonst so bei Netflix serviert bekommt. Aber wer mehr als eine leicht skurrile Unterhaltung sucht, wird hier eher enttäuscht. „Der Gärtner“ ist ein Experiment – mutig, aber mit Luft nach oben.
