Gold und Gier erzählt eine dieser Geschichten, bei der man erstmal googeln muss, ob das wirklich so passiert ist. Ist es. Forrest Fenn, ein exzentrischer Kunst- und Antiquitätenhändler, hat im Jahr zweitausendzehn angeblich eine Schatztruhe voller Gold und Juwelen irgendwo in der Wildnis versteckt und Hinweise in einem selbst verfassten Gedicht hinterlassen. Was folgte, war eine dekadenlange Schatzsuche, die für manche zu einem Lebensinhalt wurde – und für andere zum Verhängnis.
Die dreiteilige Dokuserie rollt dieses absurde, aber faszinierende Kapitel amerikanischer Popkultur angenehm unaufgeregt auf. Was mir dabei besonders gut gefallen hat: Der Fokus liegt nicht auf dem Schatz an sich, sondern auf den Menschen, die ihm hinterherjagen. Wir begleiten ganz unterschiedliche Charaktere – von Träumern über Abenteurer bis hin zu Leuten, die ganz offensichtlich am Rand der Realität unterwegs sind. Sie erzählen von ihren Theorien, ihrer Motivation und davon, was sie bereit waren zu opfern. Manche haben Beziehungen verloren, andere fast ihr Leben – und trotzdem sagen viele: Ich würde es wieder tun.
Die Serie bleibt dabei erstaunlich neutral. Sie wertet nicht, sie zeigt. Und genau das macht die Faszination dieser Geschichte aus. Man sieht Menschen, die sich so sehr in etwas hineinsteigern, dass alles andere nebensächlich wird. Gleichzeitig versteht man sie irgendwie. Die Idee, dass irgendwo da draußen ein echter Schatz liegt – das spricht etwas Ursprüngliches im Menschen an.
Optisch macht die Serie einiges her. Die Landschaftsaufnahmen aus den Rocky Mountains sind atemberaubend. Aber sie sind nicht nur Kulisse. Die Kamera fängt auch das Gefühl der Einsamkeit, der Gefahr und der Größe der Natur ein. Es ist diese Mischung aus Romantik und Bedrohung, die sich durch alle Episoden zieht.
Was Gold und Gier allerdings nicht ganz schafft: die große Einordnung. Warum glauben Menschen so fest an eine Idee? Wie funktioniert kollektive Obsession? Warum ist diese Suche für viele mehr als nur ein Abenteuer? Solche Fragen werden angerissen, aber nicht wirklich erforscht. Auch der wahre Finder des Schatzes bleibt eher eine Randnotiz, obwohl seine Identität und das Drumherum eine eigene Episode wert gewesen wären.
Trotzdem: Die Serie unterhält, sie lässt einen dranbleiben, und sie macht Lust, danach selbst ein bisschen zu recherchieren. Sie ist nicht revolutionär erzählt, aber sie weiß, dass sie eine gute Story hat – und die reicht in diesem Fall.
