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WWE: Unreal: Hinter den Kulissen, mit angezogener Handbremse

Die fünfteilige erste Staffel wird bei John Cena und WrestleMania 41 besonders interessant. WWE behält den Blick hinter die Kulissen allerdings unter Kontrolle.

WWE: Unreal 🔍 Hinter den Kulissen von RAW bis WrestleMania
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Diese Kritik bespricht die fünf Folgen der ersten Staffel von WWE: Unreal. Als jemand, der seit Jahrzehnten Wrestling nicht nur schaut, sondern auch hinter die Kulissen blickt, war ich ziemlich gespannt. Wird hier wirklich mal gezeigt, wie es im Creative Team abgeht? Oder ist das alles wieder nur ein Hochglanzprodukt für’s breite Publikum? Spoiler: Es ist irgendwo dazwischen.

Die Serie besteht aus fünf Episoden und will zeigen, wie Storylines bei WWE entstehen – vom ersten Brainstorming bis zur Umsetzung im Ring. Und genau da liegt auch schon die Stärke, aber gleichzeitig die Schwäche. Die ersten drei Folgen sind solide produziert, aber inhaltlich eher Basic-Kost. Wer sich schon länger mit WWE beschäftigt, weiß, wie der Hase läuft. Da überrascht wenig. Viel Fokus liegt auf etablierten Namen wie Cody Rhodes, CM Punk, Rhea Ripley oder Jey Uso. Es gibt nette Einblicke in deren Tagesabläufe und Gedankenwelt, aber das wirkt oft wie bekanntes Material in neuem Gewand. Cody mit seiner Tochter, Rhea zu Hause, Jey als Rumble-Gewinner – das ist alles nett, aber eben nicht neu.

So richtig interessant wird es erst ab Folge vier. Da geht es um John Cenas plötzlichen Heel-Turn beim Elimination Chamber im März. Ich habe das live gesehen und mich gefragt: Wer hatte da die Eier, das durchzuziehen? Die Serie gibt da wirklich spannende Einblicke. Es wird klar, dass es intern Zweifel gab, ob das der richtige Move war. Cena selbst ist reflektiert, ernst und erstaunlich offen. Man spürt, dass hier was auf dem Spiel stand. Und das macht die Episode auch so stark – endlich echtes Risiko, echte Spannung.

Die fünfte Folge behandelt dann WrestleMania einundvierzig – und die ist nochmal ein kleiner Höhepunkt. Vor allem, weil sie zeigt, wie viele alternative Szenarien auf dem Tisch lagen. Es gab Gespräche über einen ganz anderen Main Event. Es war nie alles so in Stein gemeißelt, wie es von außen aussieht. Auch das Timing, wie Promos verändert wurden oder Matches umgestellt wurden, bringt etwas Tiefe. Aber es bleibt leider oft beim Andeuten. Gerade wenn es brenzlig wird – zum Beispiel bei internen Konflikten oder politischen Spielchen hinter den Kulissen – wird zurückgezogen. Man merkt, dass WWE hier die Kontrolle behält. Es gibt keine echten Skandale, keine harten Kontroversen. Es fühlt sich mehr nach kontrolliertem Behind-the-Scenes an, als nach ungeschöntem Blick hinter die Fassade.

Ein echtes Highlight für mich war die Dynamik zwischen CM Punk und Triple H. Die beiden hatten über ein Jahrzehnt Stress, und hier sehen wir sie bei gemeinsamen Meetings, Gesprächen, sogar fast schon versöhnlich. Man spürt da was Echtes, was Unausgesprochenes. Für mich fühlt sich dieser Moment roh und menschlich an. Auch William Regal bleibt mir positiv im Kopf. Wie er in heiklen Momenten vermittelt, beruhigt, reflektiert – das ist die Art Führungspersönlichkeit, die im Wrestling oft untergeht.

Optisch ist die Serie stark. Klare Bilder, ruhiger Schnitt, kein wilder Reality-TV-Stil. Aber auch das wirkt manchmal zu poliert. Man merkt: Das hier ist nicht fürs Wrestling-Internet gemacht, sondern für ein breiteres Netflix-Publikum. Und so bleibt am Ende ein bisschen der Eindruck, dass hier eine gute Idee nur zur Hälfte durchgezogen wurde. Ich hätte mir mehr Ecken, mehr Kanten gewünscht. Mehr Mut, auch mal unangenehme Wahrheiten zu zeigen.

Unterm Strich? WWE Unreal ist solide, manchmal packend, aber nie kompromisslos. Für Neulinge ist das ein spannender Einstieg in die kreative Welt der WWE. Für langjährige Fans wie mich ist es eher ein hübsch verpackter Rückblick mit ein paar Goldstücken – besonders in Folge vier und fünf. Ich gebe sechs von zehn Punkten. Sehenswert, aber mit angezogener Handbremse.

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