Eine gute Idee mit echtem Gesprächspotenzial
Die gemeinsame Wohnung schafft Situationen, in denen verschiedene Überzeugungen nicht nur abstrakt aufeinanderprallen. Es geht um alltägliches Zusammenleben, aber auch um Sex, Tod und die Fragen, die Menschen an ihren Glauben stellen. Gerade diese Mischung macht den Ansatz interessant.
Die Diskussionen sind am stärksten, wenn die Beteiligten ihre Gewissheiten nicht einfach aufsagen. Dann werden Vorurteile und persönliche Unsicherheiten sichtbar. Unterschiedliche Positionen müssen dabei nicht künstlich in einen Sieger und einen Verlierer aufgeteilt werden.
Den Menschen fehlt manchmal Raum
So überzeugend die Gesprächsidee ist, so gern hätte ich einzelne persönliche Entwicklungen genauer verfolgt. Die Serie zeigt interessante Reaktionen, springt aber gelegentlich weiter, bevor deren innere Folgen wirklich greifbar werden. Ein spannendes Thema ersetzt nicht automatisch die Vertiefung einer Figur.
Die persönlichen Gespräche mit der Kamera schaffen zusätzliche Nähe. Auch die ruhigen Bilder helfen: Berlin und die WG werden nicht zum überdrehten Reality-Schauplatz. Das passt zu einer Sendung, deren Reiz im Zuhören und im Aushalten von Unterschieden liegt.
Fazit
Die erste Staffel von Against All Gods besitzt eine starke Grundidee und genügend echte Reibung, um daraus interessante Begegnungen zu machen. Besonders die offenen Gespräche rechtfertigen das Anschauen.
Für ein noch stärkeres Ergebnis müsste die Serie mehr Zeit für die Veränderungen ihrer Teilnehmer finden. Schon so ist sie ein respektvoller Blick darauf, wie Menschen mit verschiedenen Überzeugungen einen gemeinsamen Alltag gestalten.
