FILMKRITIKEN & ENTDECKUNGEN / 77 zweisprachige Artikel · 258 Videos zum Entdecken
← Zurück zu den SerienSERIENKRITIK / 2025

Adolescence (2025): Kritik

Adolescence ist eine vierteilige Miniserie.

13 Jahre alt, verhaftet 😶 was steckt wirklich dahinter? ADOLESCENCE
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Adolescence ist eine vierteilige Miniserie. Die Serie startet mit einem Moment, der Eltern das Herz in die Hose rutschen lässt: Ein bewaffnetes Einsatzkommando stürmt frühmorgens das Haus der Familie Miller und verhaftet den 13-jährigen Jamie unter dem Verdacht, eine Mitschülerin ermordet zu haben. Von da an entfaltet sich ein intensives Drama, das nicht nur die Schuldfrage stellt, sondern auch tief in gesellschaftliche Themen eintaucht.

Im Mittelpunkt steht die Familie Miller, die durch die Anschuldigungen komplett aus der Bahn geworfen wird. Vor allem Eddie, Jamies Vater, gespielt von Stephen Graham, kämpft mit dem Gedanken, dass sein eigener Sohn zu einer solchen Tat fähig sein könnte. Die Serie thematisiert den Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche, die Verbreitung von Hassideologien im Netz und die Frage, wie gut Eltern ihre eigenen Kinder wirklich kennen. Jamie, ein vermeintlich normaler Teenager, bewegt sich in dunklen Online-Kreisen, die seine Ansichten schleichend verändern. Genau dieser Aspekt macht die Serie so verstörend aktuell.

Besonders herausragend ist die schauspielerische Leistung von Owen Cooper, der Jamie mit einer beeindruckenden Mischung aus Unschuld und unterschwelliger Unruhe verkörpert. Stephen Graham liefert als verzweifelter Vater eine seiner besten Performances ab. Die Dynamik zwischen den beiden treibt die Serie maßgeblich voran. Auch Christine Tremarco als Jamies Mutter und Faye Marsay als ermittelnde Polizistin Misha Frank bringen starke, facettenreiche Darstellungen.

Ein echtes Highlight ist die technische Umsetzung. Jede Episode wurde in einer einzigen, ununterbrochenen Einstellung gedreht. Das verstärkt das Gefühl der Unmittelbarkeit und zieht einen direkt ins Geschehen. Diese Inszenierung, die schon in „Boiling Point“ beeindruckend funktioniert hat, bringt hier noch mehr Intensität. Es fühlt sich an, als wäre man selbst Teil der Szenerie – ohne Schnitt, ohne Atempause.

Inhaltlich nimmt die Serie keine Gefangenen. Sie zeigt ungeschönt, wie schnell sich Jugendliche in toxischen Online-Kreisen verlieren können. Dabei wird keine platte Schuldzuweisung vorgenommen, sondern ein komplexes Bild gezeichnet. Man fragt sich unweigerlich: Wessen Verantwortung ist es, Kinder vor solchen Einflüssen zu schützen?

„Adolescence“ ist mehr als nur ein Krimidrama – es ist eine beunruhigend realistische Bestandsaufnahme unserer Zeit. Die Serie ist intensiv, mitreißend und erschreckend relevant. Wer auf der Suche nach packendem, herausforderndem Fernsehen ist, sollte sich diese 4 Episoden nicht entgehen lassen.

Die Kritik auf YouTubeDu schaust lieber zu? Dieser Artikel gehört zur veröffentlichten filmbuZZer-Kritik.Kritik auf YouTube ansehen