Selten hat mich ein Film so zwiegespalten zurückgelassen. Auf dem Papier klingt alles nach einem satten Katastrophenfilm: eine gigantische Flut, eine bedrohte Metropole, Menschen am Rand des Zusammenbruchs. Genau das liefert der Film zunächst auch. Die ersten rund vierzig Minuten sind stark. Die Bilder haben Wucht, das Wasser fühlt sich bedrohlich an, und man spürt echtes Chaos. Das ist technisch sauber umgesetzt und atmosphärisch dicht.
Doch dann beginnt der Film, sich selbst ein Bein zu stellen. Statt die Katastrophe weiter auszuspielen und die Figuren emotional zu vertiefen, biegt die Geschichte immer stärker in eine science-fictionhafte Richtung ab. Plötzlich stehen technologische Experimente, moralische Gedankenspiele und große abstrakte Ideen im Vordergrund. Das ist grundsätzlich spannend, aber hier wirkt es unfokussiert. Der Film will zu viel auf einmal und verliert dabei seine eigene Grundlage aus den Augen.
Inhaltlich geht es um Klimawandel, menschliche Hybris, wissenschaftliche Verantwortung und die Frage, ob der Mensch glaubt, Natur kontrollieren zu können. Das sind starke Themen, keine Frage. Aber sie werden eher angerissen als wirklich durchdacht. Szenen, die Gewicht haben könnten, werden schnell abgehandelt, während andere unnötig erklärt werden. Statt Bilder sprechen zu lassen, greift der Film zu oft auf Dialoge zurück, die mehr erklären als fühlen lassen.
Die Figuren leiden darunter besonders. Einige werden interessant eingeführt, bekommen Konflikte, Entscheidungen, emotionale Ansätze. Doch je weiter der Film voranschreitet, desto mehr werden sie zu Trägern von Ideen statt zu echten Menschen. Gerade in der zweiten Hälfte fehlt mir die emotionale Bindung. Wenn etwas Dramatisches passiert, weiß ich, dass es wichtig sein soll, aber ich fühle es nicht immer.
Schauspielerisch ist das alles ordentlich. Niemand fällt negativ auf, und in ruhigeren Momenten blitzt echtes Können auf. Gerade wenn der Film kurz innehält und den Figuren Raum gibt, funktioniert er am besten. Leider sind diese Momente zu selten. Die Regie setzt stark auf Bilder und Konzepte, weniger auf zwischenmenschliche Nähe.
Was man ihm zugutehalten muss: Der Film ist mutig. Er nimmt kein einfaches Genre-Rezept, sondern versucht, Katastrophenkino mit philosophischer Science-Fiction zu verbinden. Das gelingt stellenweise, scheitert aber an der eigenen Ambition. Die visuelle Seite bleibt bis zum Schluss beeindruckend, doch erzählerisch fehlt ein klarer Fokus.
Am Ende lande ich bei einer mittelmäßigen Bewertung. Für mich ist The Great Flood ein Film mit starken Ansätzen, beeindruckender Optik und interessanten Ideen, der sich jedoch selbst überlädt. Wer offen für ungewöhnliche Genre-Mischungen ist und bereit ist, erzählerische Schwächen zu akzeptieren, kann hier etwas finden. Wer jedoch einen stringenten, emotional packenden Katastrophenfilm erwartet, wird eher ernüchtert zurückbleiben.
