Lost in Starlight ist ein animiertes Science-Fiction-Drama aus Südkorea, das auf den ersten Blick alles mitbringt, was ein großer, emotionaler Streaming-Hit braucht: eine starke Prämisse, ein interessantes Setting, tolle Musik und eine visuell ganz eigene Sprache. Und tatsächlich, einiges davon funktioniert wirklich gut. Doch nicht alles hebt ab wie geplant.
Die Geschichte spielt im Jahr zweitausendfünfzig, in einem futuristischen Seoul voller Neonlichter, holografischer Projektionen und elegant designten Raumfahrtprogrammen. Im Mittelpunkt steht Nan-young, eine ehrgeizige junge Frau, die unbedingt Astronautin werden will. Ihr Traum: Teil einer Mars-Expedition zu sein. Doch sie fällt durch die Aufnahmeprüfung – ein Rückschlag, der sie nicht nur beruflich, sondern auch persönlich aus der Bahn wirft.
In dieser Phase ihres Lebens trifft sie Jay, einen Musiker, der seine Karriere an den Nagel gehängt hat und heute einen kleinen Laden für analoge Audiogeräte betreibt. Alte Schallplatten, Kassettenrekorder, Röhrenverstärker – ein starker Kontrast zur hochdigitalisierten Welt um ihn herum. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Beziehung. Es sind leise, nachdenkliche Momente, die ihren Weg zueinander ebnen – getragen von Musik, Gesprächen über verpasste Chancen und dem Wunsch, etwas Echtes zu spüren in einer Welt, die immer schneller, technischer und entmenschlichter wird.
Doch natürlich bleibt es nicht einfach. Nan-young bekommt eine zweite Chance auf die Mars-Mission. Und damit stehen beide vor der Frage: Was ist wichtiger – ein Traum, der vielleicht ein Leben lang hält, oder eine Liebe, die im Hier und Jetzt verwurzelt ist?
Was den Film wirklich besonders macht, ist sein Look. Die Animationen sind unglaublich detailliert, stilisiert, aber nie überzeichnet. Seoul wirkt wie ein Ort zwischen Blade Runner und einem Ghibli-Film – futuristisch, aber trotzdem warm, fast greifbar. Vor allem die Lichtstimmungen, die Kombination aus kaltem Neon und nostalgischem Sepia, erzeugen eine Atmosphäre, die man selten so stimmig sieht.
Auch musikalisch liefert der Film stark ab. Jay als Musiker ist nicht nur eine Figur mit einem Job – seine Musik zieht sich durch den ganzen Film, treibt Szenen voran, vertieft emotionale Spannungen. Der Soundtrack mit Beiträgen von CIFIKA, Meego und Kim Daniel trifft genau den Ton zwischen Melancholie und Hoffnung. Man spürt, dass Musik hier nicht nur Untermalung ist, sondern Teil der Erzählung.
Was mir allerdings nicht ganz rund erscheint, ist die Erzählstruktur. Die Geschichte wirkt in Teilen vorhersehbar, vor allem im Mittelteil verliert der Film an Tempo. Die großen Konflikte – Liebe oder Karriere, Nähe oder Fernweh – werden zwar schön bebildert, aber nicht immer mit der Tiefe verhandelt, die sie verdient hätten. Gerade bei einer so emotional aufgeladenen Geschichte hätte ich mir mehr Reibung, mehr Ecken und Kanten gewünscht. Nan-young bleibt trotz allem etwas blass, Jay wirkt manchmal eher wie ein Symbol denn ein Mensch aus Fleisch und Blut.
Trotzdem: Lost in Starlight hat Stil, Gefühl und eine Handschrift, die im Einheitsbrei vieler Netflix-Produktionen auffällt. Es ist ein Film, der sich Zeit nimmt – für Blicke, für Musik, für Zwischenräume. Und auch wenn er nicht alle erzählerischen Möglichkeiten ausreizt, bleibt er hängen. Vielleicht nicht als Meisterwerk, aber definitiv als eine berührende, schön anzusehende Erfahrung.
Ich gebe dem Film drei von fünf Sternen. Nicht perfekt, aber sehenswert – vor allem für alle, die romantische Geschichten mögen, die sich mal etwas anders anfühlen sollen.
