Mit "Es sind die kleinen Dinge", der im Original Les Petites Victoires heißt, präsentiert Mélanie Auffret eine herzliche und humorvolle Geschichte aus der malerischen Bretagne. Der Film folgt der engagierten Lehrerin und Bürgermeisterin Alice, gespielt von Julia Piaton, deren Alltag eine unerwartete Wendung nimmt, als der störrische Émile, meisterhaft verkörpert von Michel Blanc, beschließt, im hohen Alter das Lesen und Schreiben zu erlernen und sich in ihre Klasse setzt. Was als persönliche Herausforderung beginnt, entwickelt sich bald zu einer größeren Gemeinschaftsangelegenheit, als die Schließung der Dorfschule droht und das gesamte Dorfleben auf dem Spiel steht.
Auffrets Regiearbeit zeichnet sich durch eine liebevolle Darstellung des Dorflebens aus, das trotz seiner Herausforderungen von Solidarität und Zusammenhalt geprägt ist. Die Inszenierung balanciert gekonnt zwischen Komödie und Drama, ohne dabei in Klischees abzudriften. Stattdessen bietet der Film authentische Einblicke in die ländliche Gemeinschaft der Bretagne, wobei die Schönheit der Landschaft und die Eigenheiten seiner Bewohner gekonnt eingefangen werden.
Die Chemie zwischen Julia Piaton und Michel Blanc ist einer der größten Stärken des Films. Piatons Darstellung der Alice ist gleichermaßen herzlich wie entschlossen, während Blancs Émile eine beeindruckende Charakterentwicklung durchläuft, von einem einsamen Eigenbrötler zu einem geschätzten Mitglied der Gemeinschaft. Ihre ungewöhnliche Lehrer-Schüler-Beziehung bietet nicht nur zahlreiche humorvolle Momente, sondern auch tiefgreifende Einsichten in die Bedeutung von Bildung und persönlichem Wachstum, unabhängig vom Alter.
"Es sind die kleinen Dinge" greift zudem wichtige soziale Themen auf, wie den Analphabetismus unter Erwachsenen und die Herausforderungen des ländlichen Lebens im Angesicht der Modernisierung. Diese Themen werden mit einer Leichtigkeit behandelt, die zum Nachdenken anregt, ohne die Geschichte mit zu viel Schwere zu beladen. Der Film feiert die kleinen Siege des Alltags und erinnert uns daran, dass Veränderung oft mit gemeinsamen Anstrengungen beginnt.
Visuell besticht der Film durch die malerische Kulisse der Bretagne, die sowohl die Schönheit als auch die Abgeschiedenheit des ländlichen Frankreichs einfängt. Laurent Daillands Kameraarbeit unterstreicht die intime Atmosphäre des Dorflebens und verleiht dem Film eine warme und einladende Ästhetik.
"Es sind die kleinen Dinge" ist ein charmantes filmisches Kleinod, das durch seine authentischen Charaktere, den feinsinnigen Humor und die tiefgreifenden menschlichen Geschichten überzeugt. Mélanie Auffret hat eine erfrischende Komödie geschaffen, die das Herz erwärmt und zugleich wichtige gesellschaftliche Themen berührt. Ein Film, der sicherlich sein Publikum findet und lange nach dem Kinobesuch im Gedächtnis bleibt.
