Nähe ohne Verständigung
Nina ist als Dirigentin daran gewöhnt, Aufmerksamkeit und Abläufe zu kontrollieren. Im Umgang mit ihrem Sohn Lars hilft ihr das wenig. Nach einem Vorfall an seiner Schule und einer Verletzung ziehen sich die beiden auf eine französische Insel zurück. Die Distanz zwischen ihnen nehmen sie allerdings mit.
Hanna Slak macht aus dieser Ausgangslage ein vielschichtiges Drama über Elternschaft und die Schwierigkeit, einander wirklich zuzuhören. Der Ortswechsel löst die Probleme nicht bequem auf. Gerade diese Zurückhaltung lässt die Beziehung glaubwürdig wirken.
Zwei überzeugende Gegenüber
Maren Eggert trägt Ninas Mischung aus beruflicher Sicherheit und privater Überforderung sehr überzeugend. Jona Levin Nicolai gibt Lars genügend Eigenständigkeit, damit er nicht bloß als Problem seiner Mutter erscheint. Zwischen beiden entsteht eine Spannung, die ohne ständig ausgesprochene Erklärungen verständlich bleibt.
Die Inszenierung interessiert sich für Verletzlichkeit ebenso wie für die Grenzen elterlicher Kontrolle. Dadurch bekommt die Frage, was Nina über ihren Sohn eigentlich weiß, mehr Gewicht als ein einfaches Rätsel um den Schulvorfall.
Eine Landschaft, die mitredet
Claire Mathons Kamera nutzt das winterliche Licht und die raue Küste ausgesprochen wirkungsvoll. Die Insel ist kein dekorativer Fluchtort, sondern verstärkt die Isolation der Figuren. Wind, Meer und Vogelstimmen bekommen in der Tongestaltung eine eigene Präsenz.
Die Verbindung mit Mahlers fünfter Sinfonie passt zu einer Geschichte, in der sich innere Bewegung nicht immer in Worte übersetzen lässt. Allerdings hat der ruhige Rhythmus auch Längen; die Konzentration auf Atmosphäre hält die Spannung nicht in jedem Moment gleich stark.
Fazit
Kein Wort überzeugt durch seine Darsteller, die sorgfältige Gestaltung und den ernsthaften Blick auf eine schwierige Beziehung. Die etwas gedehnte Erzählweise schmälert die Wirkung stellenweise, nimmt dem Film aber nicht seine emotionale und inszenatorische Stärke.
