Beating Hearts liefert genau das, was der Titel verspricht: ein emotional aufgeladenes, wild pochendes Filmerlebnis, das aber nicht immer im Takt bleibt.
Regisseur Gilles Lellouche, bekannt für Ein Becken voller Männer, wagt sich hier an einen extrem ambitionierten Genre-Mix: eine Romeo-und-Julia-Geschichte, eingebettet in das Nordfrankreich der Achtziger, erzählt als stilisierter Liebes- und Gangsterfilm – mit Musicaleinlagen. Kein Scherz. Und genau darin liegt die große Stärke, aber auch die Schwäche des Films.
Im Zentrum stehen Clotaire und Jackie. Zwei Teenager aus völlig unterschiedlichen Welten: Er stammt aus einem heruntergekommenen Viertel, sie aus gutbürgerlichem Haus. Zwischen beiden knistert es früh, intensiv, echt. Doch Clotaire gerät in den Strudel der Gewalt, schließt sich einer Gang an und wird schließlich für ein Verbrechen verurteilt, das er nicht begangen hat. Jahre später begegnen sich die beiden wieder. Aber ihre Liebe steht erneut unter Beschuss – diesmal von innen.
Das klingt nach Drama – und das ist es auch. Aber eben nicht nur. Der Film mischt große Gefühle mit stilisiertem Realismus, knalligen Farben, choreografierten Massenszenen, einem treibenden Score von Jon Brion und Momenten, in denen plötzlich getanzt wird. Und genau da beginnt das Problem: Vieles wirkt zu gewollt, zu überinszeniert. Was sich auf dem Papier vielleicht wie ein moderner Klassiker liest, entfaltet sich auf der Leinwand oft wie ein überlanges Musikvideo – mit Herz, aber ohne echten Rhythmus.
Dabei ist die Besetzung durchweg stark. François Civil spielt den gebrochenen, älteren Clotaire mit innerer Wut und tiefer Melancholie. Adèle Exarchopoulos bringt in der erwachsenen Jackie eine stille Kraft und emotionale Komplexität, die den Film zusammenhält. Besonders beeindruckend sind aber die jungen Darsteller: Malik Frikah als jugendlicher Clotaire und Mallory Wanecque als junge Jackie liefern glaubhafte, rohe Performances ab – voller Zärtlichkeit, Trotz und Sehnsucht.
Lellouche hat offensichtlich viel Herzblut in diesen Film gesteckt – er hat siebzehn Jahre an dieser Geschichte gearbeitet. Und das merkt man. Jede Szene ist bis ins Detail durchkomponiert, viele Bilder bleiben hängen. Trotzdem bleibt der Film über weite Strecken unnahbar. Die Emotionen, die er zeigen will, spürt man selten wirklich. Es fehlt der dramaturgische Sog. Stattdessen zerfasert das Ganze in Einzelmomente, die zwar schön anzusehen sind, aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Unterm Strich ist Beating Hearts ein mutiges, überbordendes Projekt mit vielen Ideen – vielleicht zu vielen. Es ist kein schlechter Film, aber einer, der sich selbst im Weg steht. Für mich sind das zweieinhalb von fünf Sternen. Stark gespielt, visuell auffällig, aber inszenatorisch zu überladen und emotional zu unterkühlt.
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