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Ballerina: Ana de Armas gibt der Action Gewicht

Die vertraute Rachegeschichte gewinnt durch ihre verletzliche Hauptfigur und harte Action, die mit ihr verbunden bleibt.

From the World of John Wick: Ballerina 🩰 Funktioniert das Spin-off?
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Bei Ballerina ist für mich klar: Das John-Wick-Universum lebt. Nicht durch mehr Kugelhagel oder noch größere Kill-Tabellen, sondern durch eine stilistisch eigenständige Erweiterung mit einer klaren Handschrift. Ana de Armas übernimmt die Hauptrolle und trägt den Film mit erstaunlicher Wucht.

Die Geschichte setzt zwischen Kapitel drei und Kapitel vier der Hauptreihe an. Wir begleiten Eve Macarro, eine ehemalige Ballerina, die zur Killerin ausgebildet wird – nicht als bloße Werkzeugfigur, sondern getrieben von einem tief persönlichen Rachemotiv: der brutale Tod ihrer Familie. Ausgebildet wird sie bei der Ruska Roma, jenem geheimnisvollen Orden, der schon John Wick seine tödlichen Fähigkeiten beigebracht hat. Und ja, die Direktorin ist wieder mit dabei – Anjelica Huston, scharf wie eh und je.

Was mir besonders gut gefällt: Ballerina versucht nicht, John Wick zu kopieren. Es gibt stilistische Parallelen, natürlich – Gun-Fu, Lichtinszenierung, ein paar typische Kopfschuss-gegen-die-Zeitlupe-Momente – aber der Film hat einen ruhigeren, düstereren Ton. Eve ist nicht cool, sie ist zornig, verzweifelt, verletzlich. Und Ana de Armas macht daraus keine Hochglanz-Killerin, sondern eine Figur mit Widersprüchen. Sie weint. Sie zögert. Und sie tötet trotzdem mit Präzision.

Die Action ist, wie man es erwartet, brutal, choreografisch durchgetaktet und zum Glück nicht völlig in der Postproduktion ertrunken. Besonders eine Szene mit einem Flammenwerfer bleibt im Kopf. Nicht, weil es eine spektakuläre Explosion gibt – davon gibt’s natürlich auch genug –, sondern weil sie im Spiel von de Armas eine emotionale Grenze markiert. Genau da wird klar, dass dieser Film keine Nummernrevue ist, sondern versucht, wirklich etwas mit der Figur zu erzählen.

Was die Rückkehrer betrifft: Keanu Reeves ist da, aber in einer sehr begrenzten Rolle – was ich richtig finde. Es ist Eves Geschichte, nicht Johns. Ian McShane, Anjelica Huston und Lance Reddick (in einer seiner letzten Rollen) verleihen dem Film Gravitas, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Norman Reedus bringt eine gewisse schmierige Unberechenbarkeit rein, Gabriel Byrne hat als Gegenspieler genug Präsenz, um glaubwürdig zu wirken.

Die Inszenierung von Len Wiseman ist überraschend zurückhaltend. Er verlässt sich weniger auf Hyperstilistik und mehr auf klare Bilder. Kameramann Romain Lacourbas bringt eine düstere, fast schon europäische Bildsprache ins Spiel, was gut funktioniert. Die Musik ist atmosphärisch dicht, ohne sich aufzudrängen. Es ist alles da, aber nichts schreit nach Aufmerksamkeit.

Natürlich hat der Film auch Schwächen. Die Handlung ist im Kern nichts Neues – Rachegeschichte, Geheimorden, blutige Aufarbeitung. Manche Dialoge wirken etwas holprig, manche Szenen hätte man straffen können. Aber unterm Strich funktioniert das, was Ballerina will: eine emotionale Geschichte erzählen, verpackt in knallharte Action, die auf Charakter statt nur auf Killcount setzt.

Ich gebe dem Film dreieinhalb von fünf Sternen, auch wenn der Filmtitel Schrott ist. Ballerina reicht als Titel. Für Fans des John-Wick-Universums ist er ein Muss. Für alle anderen ein starker Einstieg, um zu sehen, dass es in dieser Welt noch viel mehr zu erzählen gibt – besonders, wenn man jemandem wie Ana de Armas das Steuer überlässt. Keine Kopie, sondern ein Statement.

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