15 Jahre von Chris Kraus ist ein radikales Musikdrama, das seine handwerkliche Brillanz mit einer Geschichte über Wut, Schuld und Rache verbindet. Der deutsche Kinostart war am 11. Januar 2024.
Eine Pianistin zwischen Wut und Musik
Der Film erzählt die Geschichte von Jenny, einer ehemaligen Pianistin, die nach 15 Jahren Haft für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hat, entlassen wird. Mit nichts als Wut und Erinnerung ausgestattet, sieht sie ihre Welt in einem neuen Licht. Als sie herausfindet, dass ihre Jugendliebe, die für ihr Martyrium verantwortlich war, zu einem international gefeierten Star unter dem Künstlernamen Gimmiemore geworden ist, wird ihr Bedürfnis nach Rache überwältigend.
Rache auf der Castingbühne
Die künstlerische Leitung und die musikalische Untermalung des Films sind beispiellos. "15 Jahre" schafft es, einen Spagat zwischen Optimismus und tiefgründiger Rache zu vollziehen, verpackt in einer skurrilen Castingshow, bei der Gut und Böse nicht mehr greifbar erscheinen. Die Hauptfigur schießt durch die Handlung wie ein aufgeklapptes Rasiermesser, was sowohl hohen Unterhaltungswert als auch eine enorme Radikalität mit sich bringt, die den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle eintauchen lässt.
Die Kraft der Musik
Chris Kraus, Autor, Regisseur und Produzent, schafft es, das Psychogramm einer hochsensiblen und furiosen Nemesis-Figur mit einem atemberaubenden Musikfilm zu verbinden, dessen Score aus der Feder der vielfach preisgekrönten Komponistin Annette Focks stammt. Dieser Film ist nicht nur ein spannendes Drama, sondern auch eine Auseinandersetzung mit den Werten, die im Konflikt mit der Welt auch im 21. Jahrhundert existentielle Bedeutung haben. Es geht um die Fragen: Wie weit darf ein Mensch in seinem Drang nach Vergeltung gehen, wenn ihm Unrecht widerfahren ist? Und was passiert, wenn dieser Mensch eine affektgesteuerte Musikerin ist?
Hannah Herzsprung trägt den Konflikt
Die Besetzung ist hervorragend, mit Hannah Herzsprung, die die Rolle der Jenny von Loeben übernimmt und in ihrer schauspielerischen Tour-de-Force sich selbst übertrifft. An ihrer Seite spielen Hassan Akkouch, Albrecht Schuch und ein herausragendes Ensemble, das jede Szene mit Authentizität und Intensität füllt.
Fazit
"15 Jahre" ist ein Film, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Es ist ein Film, der zeigt, wie kraftvoll und bewegend das Kino sein kann, und erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Augen nicht vor der Realität zu verschließen.
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