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Die Unerwünschten – Les Indésirables (2023): Kritik

Ladj Ly verbindet Wohnungsnot, Politik und Widerstand zu einem eindringlichen Sozialdrama.

Die Unerwünschten – Les Indésirables 🏙️ Wie politisch kann ein Vorstadtdrama sein?
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Der französische Regisseur Ladj Ly, bekannt durch „Die Wütenden – Les Misérables“, präsentiert mit „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ ein weiteres kraftvolles Drama, das die sozialen Spannungen in den Pariser Vororten beleuchtet.

Ein neuer Bürgermeister

Die Geschichte beginnt mit einem tragischen Ereignis: Der amtierende Bürgermeister erleidet während der Sprengung eines Wohnblocks einen tödlichen Herzinfarkt. In der Folge wird der idealistische Kinderarzt Pierre, gespielt von Alexis Manenti, als sein Nachfolger ernannt. Pierre, der bisher wenig Berührungspunkte mit der lokalen Bevölkerung hatte, übernimmt die Aufgabe, das heruntergekommene Arbeiterviertel zu sanieren. Seine Vision von Modernisierung und Ordnung steht jedoch im Widerspruch zu den Bedürfnissen und Wünschen der Bewohner.

Habys Widerstand

Im Zentrum des Widerstands steht Haby, verkörpert von Anta Diaw. Als junge Französin mit malischen Wurzeln arbeitet sie in der Stadtverwaltung und engagiert sich leidenschaftlich für ihre Gemeinschaft. Sie leitet eine Organisation, die Mieter bei der Wohnungssuche und anderen Problemen unterstützt. Als Pierre beginnt, restriktive Maßnahmen wie Ausgangssperren und Versammlungsverbote für Jugendliche zu verhängen, eskaliert die Situation. Haby entschließt sich, bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl gegen Pierre anzutreten, um die Vertreibung ihrer Familie und Nachbarn zu verhindern.

Wohnen und Politik

Ladj Ly zeichnet in diesem Film ein eindringliches Bild der Entfremdung zwischen der politischen Elite und den Bürgern. Die geplanten Neubauten bestehen aus kleinen Zwei-Zimmer-Apartments, die nicht den Bedürfnissen der dort lebenden Großfamilien entsprechen. Diese architektonische Diskrepanz symbolisiert die tieferliegenden sozialen Spannungen und das Unverständnis der Obrigkeit gegenüber den Lebensrealitäten der Bewohner.

Das Ensemble

Die schauspielerischen Leistungen sind bemerkenswert. Alexis Manenti verkörpert Pierre als einen Mann, der zwischen Idealismus und der harten Realität seines Amtes hin- und hergerissen ist. Anta Diaw bringt als Haby eine beeindruckende Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit auf die Leinwand. Steve Tientcheu in der Rolle des Vizebürgermeisters Roger Roche ergänzt das Ensemble mit einer nuancierten Darstellung eines Politikers, der zwischen Loyalität und persönlichem Ehrgeiz steht.

Bild und Musik

Visuell überzeugt der Film durch die Arbeit des Kameramanns Julien Poupard. Die Enge und Trostlosigkeit der Hochhaussiedlungen werden in bedrückenden Bildern eingefangen, die die klaustrophobische Atmosphäre des Viertels unterstreichen. Die Musik von Pink Noise ergänzt die visuelle Ebene und verstärkt die emotionale Intensität der Handlung.

Fazit

"Die Unerwünschten – Les Indésirables" ist mehr als nur ein Sozialdrama; es ist ein Weckruf. Der Film thematisiert Gentrifizierung, soziale Ungerechtigkeit und den Kampf um Identität und Zugehörigkeit in einer sich ständig verändernden urbanen Landschaft. Ladj Ly gelingt es, komplexe gesellschaftliche Themen in eine packende und bewegende Geschichte zu verweben, die den Zuschauer zum Nachdenken anregt. Für alle, die sich für authentisches und engagiertes Kino interessieren, ist dieser Film ein Muss. Er zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie politische Entscheidungen das Leben einzelner Menschen beeinflussen und welche Kraft im kollektiven Widerstand liegen kann.

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