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Ivo (2024): Kritik

Minna Wündrich trägt ein eindringliches Drama über Palliativpflege, Freundschaft und moralische Verantwortung.

Ivo 🚗 Wie viel Verantwortung kann eine Pflegerin tragen?
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Eva Trobischs Drama „Ivo“ widmet sich mutig und ohne Sensationalismus dem komplexen Thema der Sterbehilfe. Der Film wurde mit dem Heiner-Carow-Preis der DEFA-Stiftung und als bester Film des 37. Bolzano Film Festivals ausgezeichnet.

Handlung und moralische Fragen

"Ivo" erzählt die Geschichte von Ivo, einer ambulanten Palliativpflegerin, die tagtäglich in verschiedene Haushalte fährt, um Sterbende zu betreuen. Das Auto ist ihr persönlicher Lebensraum geworden, in dem sie arbeitet, isst und träumt. Zu Hause hat sich ihre pubertierende Tochter bereits selbstständig gemacht. Im Zentrum der Handlung steht die Beziehung zu ihrer todkranken Freundin und Patientin Solveigh und deren Ehemann Franz. Solveigh bittet Ivo, ihr beim Sterben zu helfen, eine Bitte, die Ivo in ein moralisches Dilemma stürzt.

Minna Wündrich und das Ensemble

Minna Wündrich, die Ivo spielt, ist das Herz des Films. Ihre Darstellung der empathischen und dennoch chaotischen Pflegerin, die zwischen beruflicher Professionalität und persönlichem Chaos balanciert, ist zutiefst bewegend. Wündrich gelingt es, die verschiedenen Facetten ihrer Figur – von der liebevollen Pflegerin bis hin zur Frau, die eine verbotene Beziehung führt – glaubwürdig darzustellen. Pia Hierzegger als Solveigh und Lukas Turtur als Franz ergänzen das Ensemble perfekt. Besonders Hierzeggers Spiel, das von einer scheinbaren Techniklosigkeit und großem Mut geprägt ist, verleiht dem Film eine besondere Würde und Tiefe.

Trobischs Regie

Eva Trobisch zeigt mit "Ivo" erneut ihre Fähigkeit, tiefgründige Geschichten zu erzählen, die komplexe moralische Fragen aufwerfen. Ihr Regiestil ist geprägt von einer ruhigen, aber intensiven Erzählweise, die die Zuschauer in die Welt der Figuren eintauchen lässt. Die Dialoge sind präzise und oft von einer entwaffnenden Wahrhaftigkeit, die den Film trotz seiner schweren Thematik lebendig und nahbar macht.

Campeans Kamera

Adrian Campeans Kameraarbeit ist ein weiteres Highlight des Films. Die visuellen Metaphern und die ruhigen, kraftvollen Bilder unterstreichen die emotionale Gratwanderung der Protagonistin. Die Wahl der Drehorte, von Baustellen über Drive-Ins bis hin zu Flughäfen, trägt zur Stimmung des Films bei und vermittelt die Gleichzeitigkeit von Leben und Tod auf eindrucksvolle Weise. Campeans Einsatz alter 16mm-Objektive an einer Digitalkamera verleiht dem Film eine lebendige und unberechenbare Textur, die perfekt zu der erzählten Geschichte passt.

Recherche und Produktion

Der Film entstand in Zusammenarbeit von Studio Zentral und Network Movie, in Koproduktion mit Trimafilm und ZDF/DAS KLEINE FERNSEHSPIEL. Gefördert wurde das Projekt von der Film- und Medienstiftung NRW und im Verleih von Piffl Medien. Die Entstehung des Films war geprägt von intensiver Recherche und enger Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der Palliativpflege, was der Authentizität und Tiefe der Erzählung zugutekommt.

Fazit

"Ivo" ist ein herausragender Film, der sich auf eindrucksvolle Weise mit den Themen Sterbehilfe, Freundschaft und moralischer Verantwortung auseinandersetzt. Eva Trobisch hat mit ihrem zweiten Spielfilm ein Werk geschaffen, das durch seine ehrliche und respektvolle Annäherung an das Thema des Todes berührt und zum Nachdenken anregt. Die brillanten Schauspielleistungen, insbesondere von Minna Wündrich, sowie die eindrucksvolle Kameraführung von Adrian Campean machen "Ivo" zu einem Film, der lange im Gedächtnis bleibt.

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