Diese Kritik bespricht die vollständige erste Staffel von Solange wir lügen. Was man bekommt, ist ein schick inszeniertes Jugenddrama mit Mystery-Elementen, das visuell einiges hermacht, inhaltlich aber nicht immer überzeugt.
Die Geschichte dreht sich um Cadence, eine junge Tochter aus gutem Hause, die einen Sommer lang auf einer privaten Insel mit ihren Cousins und Freunden verbringt. Doch etwas Schreckliches ist passiert – daran erinnert sie sich allerdings nicht mehr. Später kehrt sie zurück und versucht, mit den Bruchstücken ihrer Erinnerung das Puzzle wieder zusammenzusetzen. Klingt erstmal spannend, oder? Ist es auch – stellenweise. Die Serie spielt geschickt mit Rückblenden, Erinnerungsfetzen und Andeutungen, was zu Beginn für ordentlich Spannung sorgt. Aber je länger das Ganze dauert, desto mehr tritt die Handlung auf der Stelle.
Was das Ganze trotzdem am Laufen hält, ist die Atmosphäre. Die Inselkulisse ist wunderschön gefilmt, fast schon märchenhaft, die Kamera badet in Sonnenuntergängen, Jugendträumen und melancholischen Momenten. Es fühlt sich oft an wie ein Pinterest-Board auf Valium – in positivem wie negativem Sinne. Die Serie will unbedingt bedeutungsschwanger wirken, doch hinter all der stylischen Oberfläche fehlt oft die emotionale Tiefe, die das Ganze tragen könnte.
Emily Alyn Lind als Cadence macht einen guten Job. Sie trägt das meiste auf ihren Schultern und schafft es, diese fragile Mischung aus Schuld, Trauer und Sehnsucht glaubwürdig rüberzubringen. Auch die jungen Darsteller um sie herum – vor allem ihre beiden Cousins und Gat – liefern solide Performances. Was leider gar nicht funktioniert, ist ein Großteil der Erwachsenenrollen. Die Eltern und Großeltern wirken wie Abziehbilder: reich, privilegiert, unsympathisch – aber leider auch eindimensional.
Thematisch kratzt die Serie an vielen interessanten Stellen: Rassismus, Klassismus, Familiengeheimnisse, emotionale Manipulation. Das Problem ist nur, dass sie diese Themen selten auslotet. Vieles wird angerissen, aber nie vertieft. Besonders schade ist das beim Thema Schuld und Trauma – eigentlich das Herzstück der Geschichte – das in zu vielen bedeutungsvollen Blicken und dramatischen Pausen zu verpuffen droht.
Was den Twist angeht – und ja, es gibt einen großen Twist –, möchte ich nichts spoilern. Nur so viel: Wer das Buch kennt, weiß, was kommt. In der Serie ist dieser Moment visuell ziemlich überzogen inszeniert, fast schon wie ein Actionfilm-Moment in einem sonst stillen Kammerspiel. Es fühlt sich nicht ganz organisch an und reißt einen eher raus, als dass er schockt.
Am Ende bleibt „Solange wir lügen“ eine Serie, die viel will, aber nicht alles erreicht. Sie sieht toll aus, sie hat gute Ansätze, aber sie verliert sich zu oft in ihrer eigenen Inszenierung. Statt echtes Drama zu entfalten, dreht sie sich zu lange um sich selbst. Wer auf melancholische Sommerromantik mit düsterem Geheimnis steht, wird sicher ein paar schöne Stunden haben. Wer aber hofft, tief in einen psychologisch packenden Mysterythriller einzutauchen, bleibt eher enttäuscht zurück.
Für mich ist das eine solide Drei von Fünf – hübsch, aber letztlich zu leer.
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