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Untamed: In der Wildnis werden die Wunden sichtbar

Eric Bana und die Yosemite-Kulisse geben der ersten Staffel emotionale Wucht. Die Krimilogik bleibt stellenweise weniger überzeugend.

UNTAMED Review 🌲 Mord, Wildnis oder Bluff? (2025)
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Die erste Staffel von Untamed ist eine sechsteilige Serie, die auf den ersten Blick wie ein klassischer Krimi im Nationalpark-Gewand wirkt – doch hinter der rauen Naturkulisse versteckt sich mehr: eine emotionale Reise durch Schuld, Verdrängung und familiäre Abgründe. Sechs Folgen lang begleiten wir Special Agent Kyle Turner, gespielt von Eric Bana, der in Yosemite einem rätselhaften Todesfall nachgeht. Eine junge Frau stürzt vom ikonischen El Capitan – war es ein Unfall, Selbstmord oder Mord? Die Serie macht ziemlich schnell klar: Hier steckt viel mehr dahinter.

Was Untamed von Anfang an stark macht, ist die Atmosphäre. Die Kameraarbeit ist atemberaubend. Man spürt die Kälte der Höhenzüge, hört das Knacken im Wald, riecht förmlich das Harz. Die Natur ist hier kein Postkartenhintergrund, sondern fast schon ein eigener Charakter – wild, unbarmherzig, ehrlich. Diese Umgebung bietet nicht nur spektakuläre Bilder, sondern auch den perfekten Spiegel für das, was in den Figuren passiert: Menschen, die mit ihren inneren Dämonen ringen, mit Verlusten, Lügen und verdrängter Vergangenheit.

Eric Bana trägt die Serie fast im Alleingang. Sein Turner ist ein Mann, der auf Autopilot funktioniert. Innerlich von Verlust geprägt, aber äußerlich stoisch, zieht er durch diesen Fall wie durch einen Nebel. Bana spielt das großartig – zurückgenommen, aber mit einer permanenten Spannung im Blick. Ihm zur Seite steht Lily Santiago als Rangerin Naya Vasquez. Sie bringt Energie rein, aber bleibt trotzdem glaubwürdig als junge Mutter mit Biss. Die Dynamik zwischen den beiden entwickelt sich ruhig, aber mit Substanz. Keine plumpe Buddy-Komödie, sondern eine vorsichtige Annäherung zwischen zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Inhaltlich punktet Untamed besonders in der letzten Hälfte. Die Story zieht an, je tiefer sie in die dunkle Vergangenheit der vermeintlich unschuldigen Parkgemeinschaft eintaucht. Hinter dem Mord steckt eine generationsübergreifende Tragödie, in der Schuld, Missbrauch und Schweigen eine zentrale Rolle spielen. Die Auflösung ist kein klassisches Whodunit mit einem plötzlichen Aha-Moment, sondern ein emotionaler Abstieg in verdrängte Wahrheiten. Das funktioniert, weil sich die Serie dafür Zeit nimmt – vielleicht manchmal etwas zu viel. Der Mittelteil zieht sich stellenweise, Szenen wiederholen sich in Ton und Inhalt, und einige Ermittlungsentscheidungen wirken arg unlogisch. Dass Turner und Vasquez mehrfach ohne Backup oder Beweissicherung agieren, reißt einen gelegentlich aus der Immersion.

Spoiler: Das Ende erklärtNur öffnen, wenn du die Auflösung erfahren möchtest.

Trotz dieser Schwächen überzeugt das Finale. Die Enthüllung, dass die Tote in Wahrheit Lucy ist – Tochter des Parkleiters Paul Souter – und dieser nicht nur Täter, sondern auch tragische Figur ist, verleiht der Serie emotionale Tiefe. Sam Neill, der Souter spielt, liefert in den letzten Minuten eine starke Performance: gebrochen, aber nicht entschuldbar. Der Moment, in dem er sich das Leben nimmt, ist hart – aber dramaturgisch stimmig. Auch Turners emotionaler Zusammenbruch am Ende wirkt verdient. Er wird nicht als Held gefeiert, sondern als Mensch, der mit der Wahrheit weiterleben muss.

Das Drehbuch lässt zwar nicht alles glänzen. Manche Dialoge sind etwas zu formelhaft, ein paar Nebenfiguren verschenkt. Aber insgesamt trifft Untamed einen ehrlichen Ton. Die Serie macht keinen Hehl daraus, dass Schmerz nicht sauber aufgearbeitet werden kann. Sie ist kein klassischer Thriller mit Knall und Fall, sondern ein ruhiger, bildgewaltiger Seelenscan – manchmal klischeehaft, ja, aber immer mit ehrlicher Intention.

Ich gebe Untamed siebeneinhalb von zehn Punkten. Keine Revolution des Genres, aber ein sehenswerter Beitrag, der weniger durch seine Krimilogik als durch Stimmung, Schauspiel und emotionale Wucht überzeugt. Wer Natur liebt, emotionale Abgründe nicht scheut und gerne Serien schaut, bei denen nicht jedes Ende in Hochglanz verpackt wird, ist hier genau richtig.

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