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Squid Game Staffel 3: Berührend, aber weniger überraschend

Starke Darsteller und schmerzhafte Entscheidungen geben der letzten Staffel Kraft. Die Gesellschaftskritik verliert allerdings an Biss.

Squid Game Staffel 3 🔥 Gi‑hun kämpft bis zum Ende
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Diese Kritik bespricht die dritte Staffel von Squid Game. Die Erwartungen waren natürlich riesig. Schließlich hatte Staffel eins ein globales Phänomen ausgelöst, Staffel zwei hat mit Rebellion und moralischer Zerrüttung nachgelegt – und jetzt also das große Ende. Ich habe mir die sechs neuen Folgen am Stück reingezogen und sag’s mal so: Das Finale ist intensiv, emotional, gut gespielt – aber auch überraschend berechenbar.

Die Story knüpft direkt an das Ende von Staffel zwei an. Gi-hun, wieder gespielt von Lee Jung-jae, ist ein anderer Mensch. Kein Spielball mehr, sondern ein Mann mit einer Mission. Er kehrt in die Spiele zurück, diesmal nicht nur um zu überleben, sondern um das System zu Fall zu bringen. Die Spiele sind wie immer tödlich, aber das Besondere in dieser Staffel ist: Es geht nicht mehr nur um Geld. Es geht um Schuld, Erlösung und darum, etwas Größeres zu opfern – das wird besonders im letzten Drittel sehr deutlich, wo Gi-hun eine Entscheidung trifft, die wirklich wehtut. Emotional hat mich das definitiv gepackt.

Spoiler: Das Ende erklärtNur öffnen, wenn du die Auflösung erfahren möchtest.

Was die neuen Spiele angeht: Die sind stark inszeniert, visuell opulent, aber sie bleiben im Rahmen dessen, was man mittlerweile von Squid Game erwartet. Besonders hängen geblieben ist mir ein nächtliches Versteckspiel auf einer riesigen, labyrinthartigen Fläche, wo die Spieler gegenseitig Geiseln nehmen – das war spannend und brutal, aber auch ein bisschen zu kalkuliert. Das große Finale, ein Spiel über dem Nichts in schwindelerregender Höhe, liefert visuell ab – klar. Aber so richtig unvorhersehbar war das alles nicht mehr. Ich wusste oft, wer als Nächstes stirbt, wer überlebt, wie die Dynamik kippt. Der Überraschungseffekt der ersten Staffel ist weg.

Was dagegen gut funktioniert, sind die emotionalen Konflikte. Besonders berührt hat mich die Geschichte einer schwangeren Spielerin – gespielt von Jo Yu-ri – die trotz aller Gewalt immer wieder Momente der Wärme durchblicken lässt. Ihre Figur bringt das Herz zurück in eine Serie, die schnell zur reinen Zirkusnummer hätte verkommen können. Auch Park Sung-hoon überzeugt als trans Frau mit militärischer Vergangenheit – seine Figur trägt viel inneren Druck, kämpft um Anerkennung, und bringt eine spannende neue Ebene rein. Leider werden nicht alle Nebenfiguren so sorgfältig behandelt. Ein paar von ihnen dienen nur dem Zweck, schnell spektakulär zu sterben – das ist schade.

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Gi-hun selbst ist glaubwürdig gebrochen, aber ich hätte mir gewünscht, dass er mehr Raum bekommt. In manchen Folgen gerät er fast in den Hintergrund, was seiner Bedeutung für die Serie nicht gerecht wird. Seine letzte Szene hat mich trotzdem getroffen – keine große Explosion, kein epischer Showdown, sondern ein ruhiger, verzweifelter Akt. Sehr menschlich.

Ein bisschen Bauchschmerzen hatte ich mit der Rolle des Front Man. Lee Byung-hun kehrt zurück, aber die Figur wirkt blasser als zuvor. Seine düstere Aura ist noch da, aber seine Motivation bleibt diffus, seine Entwicklung stagniert. Ich hätte mir da mehr Tiefe gewünscht. Zumal die Gegenspieler der ersten Staffeln oft gerade durch ihre Ambivalenz überzeugt haben.

Ein Thema, das viele Fans bewegt: Wo ist die Gesellschaftskritik hin? In Staffel eins war das Spiel eine bitterböse Abrechnung mit Kapitalismus, Macht und Entmenschlichung. Staffel drei streift das nur noch. Klar, es geht um Opfer und Kontrolle, aber es fehlt der Biss, der Blick auf die Welt da draußen. Die VIPs sind bloß noch Karikaturen, die Symbolik verkommt zum Spektakel. Die Serie wirkt dadurch glatter, mainstreamiger – nicht unbedingt schlechter, aber sicher weniger subversiv.

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Die Regie von Hwang Dong-hyuk bleibt stark. Er hat ein Gefühl für Timing, weiß, wann Stille mehr sagt als Explosionen. Aber ich hatte das Gefühl, dass er sich diesmal auf Nummer sicher bewegt hat. Die Serie endet rund, fast schon zu rund. Auf mich wirkt das stärker auf ein globales Publikum zugeschnitten. Es gibt keine großen Brüche mehr, keine unbequemen Entscheidungen. Alles läuft auf ein Finale hinaus, das zwar emotional aufgeladen ist, aber auch den Spin-off-Teppich schon ausrollt. Ja, der letzte Auftritt einer internationalen Figur deutet deutlich auf eine neue Richtung hin – das wirkt mehr wie eine Einladung zum Franchise als ein Abschluss.

Trotz allem: Squid Game Staffel drei ist gutes Fernsehen. Nicht so mutig wie die erste Staffel, nicht ganz so zerrüttet wie die zweite, aber emotional packend, sauber produziert und mit einigen Szenen, die sich festsetzen. Ich war nicht überwältigt, aber berührt. Ich war nicht schockiert, aber gefesselt. Für ein Finale reicht das. Auch wenn ein kleiner Teil in mir gehofft hatte, dass diese Serie mit einem Knall endet – sie verabschiedet sich eher mit einem leisen, aber ehrlichen Seufzer.

Von mir gibt’s solide dreieinhalb von fünf Sternen. Ein würdiger, aber nicht sensationeller Abschluss.

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