Splinter Cell: Deathwatch ist eine animierte Serienadaption, die versucht, das legendäre Stealth-Game-Universum in Serienform neu zu beleben – mit gemischtem Erfolg.
Sam Fisher ist zurück – nicht mehr der eiskalte, smarte Eliteagent aus den Hochzeiten der Spielereihe, sondern ein älterer, nachdenklicher Kämpfer, der gezwungen wird, erneut in die Schatten abzutauchen. Es ist keine Origin-Story, sondern eher ein Abgesang – ein Blick zurück durch das Nachtsichtgerät eines Mannes, der zu viel gesehen hat. Das funktioniert erstaunlich gut. Die Figur hat Tiefe, wirkt geerdet, verletzlicher als früher. Die Action ist zwar präsent, aber nicht mehr Selbstzweck. Stattdessen schwingt ein leiser Hauch von Melancholie mit – etwas, das ich nicht erwartet habe, aber sehr schätze.
Liev Schreibers Stimme als Sam Fisher bringt genau das mit: Gewicht, Ruhe, diesen abgeklärten Sarkasmus, der nicht auf cool getrimmt ist, sondern von echter Lebenserfahrung zeugt. Die Chemie mit seiner jungen Partnerin, Zinnia McKenna, trägt die Serie über weite Strecken. Ihre Figur ist impulsiv, fordernd, aber nicht nervig – eher das Herz, das Fisher längst verloren hat. Es ist spannend, wie sich die beiden ergänzen. Aber nicht alles funktioniert so rund.
Was der Serie fehlt, ist der Mut zur Stille. Zu oft wird geredet, erklärt, kommentiert – wo früher Schatten, Spannung und Geräusche gereicht haben, wird jetzt Handlung plattgetreten. Es gibt Episoden, in denen der Plot ins Stolpern gerät, wo die Dramaturgie nach dem „wir müssen jetzt die nächste Enthüllung liefern“-Prinzip funktioniert, statt sich natürlich zu entfalten.
Und dann ist da die Animation. Stylisch? Ja, stellenweise. Dunkle Farbpalette, harte Kontraste, saubere Choreos. Aber manchmal wirkt alles glattgebügelt – Gesichter ohne echten Ausdruck, Bewegungen ohne Gewicht. Gerade wenn es um Nahkampf geht, fehlt mir dieses physische „Wumms“, das ein John Wick zum Beispiel so stark macht. Man spürt selten, dass ein Schlag wirklich weh tut.
Dazu kommt der vielleicht größte Kritikpunkt: Der Verlust des Stealth-Gefühls. Splinter Cell war immer Schatten, Geduld, Taktik. In der Serie wird viel zu oft auf schnelle Action gesetzt. Das macht Spaß, keine Frage – aber es ist halt nicht Splinter Cell im eigentlichen Sinne. Fans der Games könnten sich hier verraten fühlen.
Trotzdem: Die Serie macht einiges richtig. Sie ist ambitioniert, ernsthaft, erzählt keine plumpe Superagenten-Geschichte, sondern etwas mit Charakter. Ich würde sagen, sie landet solide bei sechs bis sechseinhalb von zehn Punkten. Kein Pflichtprogramm, aber auch kein Reinfall. Wer mit der richtigen Erwartung reingeht, bekommt einen unterhaltsamen, düsteren Agenten-Trip mit einem Protagonisten, der älter, aber nicht leiser geworden ist.
