Die französische Serie spielt im Jahr fünfzehnhundertvier, in einem düsteren, von Dürre und Machtkämpfen gezeichneten Frankreich. Sie umfasst acht Episoden und wurde von Jean‑Patrick Benes, Allan Mauduit, Martin Douaire und Nicolas Digard entwickelt. Gedreht wurde unter anderem in Südfrankreich, Italien und Spanien.
Im Zentrum steht Néro, gespielt von Pio Marmaï, ein Auftragsmörder mit blutiger Vergangenheit. Er flieht mit seiner entfremdeten Tochter vor tödlichen Feinden und dunklen Mächten. Die Tochter heißt Perla und wird von Lili‑Rose Carlier Taboury gespielt. Wie die beiden zueinanderfinden und welche Rolle Perla in dieser von Aberglaube, Gewalt und politischem Chaos geprägten Welt spielt, bildet den emotionalen Kern der Serie.
Zum Cast gehören außerdem Alice Isaaz als Hortense, Olivier Gourmet als Horace, Louis‑Do de Lencquesaing als Rochemort und Camille Razat, deren Figur im Verlauf der Serie eine geheimnisvolle Rolle spielt. Die Figuren sind eingebettet in ein Netz aus religiösen Strömungen, sozialen Spannungen und persönlichen Loyalitäten, das sich im Laufe der Episoden entfaltet.
Was mir an der Serie besonders gefallen hat: die Atmosphäre. Die Bilder wirken roh, die Welt schmutzig, kaputt, echt. Vieles erinnert eher an ein überlebensgroßes Kammerspiel als an großes Schlachtenepos. Die Düsternis ist nicht nur visuell, sondern auch emotional spürbar. Zwischen Néro und Perla entwickeln sich Spannungen, die glaubhaft wirken – keine platte Versöhnungsgeschichte, sondern ein vorsichtiges Annähern zweier Fremder, die durch Blut verbunden sind.
Auch das Sounddesign trägt viel zur Wirkung bei – es ist zurückhaltend, aber effektiv. Manche Momente wirken dadurch intensiver als die eigentlichen Actionszenen. Die Inszenierung hält sich oft zurück, lässt Szenen wirken, statt sie zu erklären. Das passt zum Ton der Serie.
Nicht alles hat mich überzeugt. Einige mystische Elemente bleiben vage, Andeutungen werden nicht immer aufgelöst. Wer klare Fantasyregeln erwartet, wird hier nicht glücklich. Auch das Erzähltempo schwankt – manche Episoden sind dicht und spannend, andere wirken etwas zerfasert. Aber ich finde: Diese Unebenheiten passen zur Welt, die hier gezeigt wird. Sie ist nicht rund, nicht sauber, nicht vorhersehbar.
Schauspielerisch ist die Serie stark aufgestellt. Marmaï bringt die richtige Mischung aus innerer Härte und müder Verzweiflung mit. Taboury überzeugt mit klarer Präsenz. Isaaz, Gourmet, Lencquesaing – alle liefern solide bis starke Leistungen ab. Auch Razat bleibt im Gedächtnis, gerade weil ihre Figur lange undurchsichtig bleibt.
Für mich ist Néro the Assassin eine Serie mit Ecken und Kanten, aber genau das macht sie interessant. Sie versucht nicht, allen zu gefallen – sie erzählt ihre Geschichte so, wie sie sich anfühlt: schwer, düster, aber nicht hoffnungslos. Ich gebe vier von fünf Punkten. Wer historische Stoffe mit düsterem Einschlag mag, findet hier ein ungewöhnliches, kompromissloses Stück Serienkunst.
