Was nach einem dreckigen, coolen Heist-Film mit Kanten klingt, entpuppt sich als ein überladenes, nicht ganz überzeugendes Action-Vehikel mit ein paar Highlights, aber ohne echten Nachhall. Shane Black führt Regie, Mark Wahlberg spielt die Hauptrolle, und das Ganze basiert auf den Parker-Romanen von Donald E. Westlake. Klingt erstmal vielversprechend – doch der Funke springt selten über.
Die Story dreht sich um Parker, einen kriminellen Profi, der bei einem geplanten Coup verraten wird und daraufhin seinen ganz eigenen Racheplan schmiedet. Er stellt ein neues Team zusammen, macht sich auf die Jagd nach den Verantwortlichen und stolpert dabei in ein Netz aus Korruption, doppelten Spielen und internationalen Machenschaften. Eigentlich alles Zutaten für einen stylischen Actionthriller mit Drive. Aber genau da liegt das Problem: Play Dirty will zu viel und verliert sich darin.
Wahlberg gibt sich Mühe, aber wirkt oft so, als wüsste er selbst nicht genau, ob er den eiskalten Profi, den moralisch zweifelnden Einzelgänger oder den zynischen Kommentator seiner eigenen Geschichte spielen soll. Er bleibt seltsam farblos, gerade in ruhigeren Szenen. Die Rolle verlangt mehr als bloß stoisches Blicken und raue Stimmenlage. Wenn’s zur Sache geht – Schießereien, Verfolgungen, Faustkämpfe – funktioniert er besser. Aber im Kern fehlt ihm die Tiefe, um Parker als Figur wirklich tragen zu können.
Die Nebenfiguren sind deutlich lebendiger. Besonders LaKeith Stanfield als Grofield bringt eine angenehme Unberechenbarkeit mit, Rosa Salazar als Zen sorgt für Charisma und Schlagfertigkeit. Leider bekommen beide zu wenig Screentime. Es gibt Ansätze von Chemie im Team, aber der Film nimmt sich kaum Zeit, sie auszubauen. Stattdessen hetzt er von Plotpunkt zu Plotpunkt, schichtet Storyebenen aufeinander – Geheimdienste, korrupte Geschäftsmänner, ein verschwundenes Vermögen – ohne wirklich Raum für Spannung zu lassen.
Was gut funktioniert, sind einzelne Setpieces. Eine Zugsequenz, ein nächtlicher Überfall, ein improvisierter Fluchtplan – das ist solide inszeniert, temporeich, mit guter Kameraarbeit. Auch der trockene Humor, den man von Shane Black kennt, blitzt ab und zu durch. Nur leider viel zu selten. Stattdessen ist der Ton oft inkonsistent: mal cool, mal ernst, mal albern. Der Film weiß nicht genau, ob er gritty Crime oder stylische Heist-Comedy sein will, und landet irgendwo dazwischen – ohne Biss.
Visuell ist das Ganze durchaus ansprechend. Die Locations sind abwechslungsreich, das Color Grading passt zum Genre, und die Action ist handwerklich sauber. Nur nutzt der Film sein Potenzial nicht voll aus. Viele Szenen wirken wie aus besseren Filmen zusammengeschnitten, ohne eigene Identität. Und wenn emotionale Momente kommen sollen – etwa Verrat im Team oder ein dramatischer Tod – bleiben sie erstaunlich wirkungslos.
Was Play Dirty retten könnte, wäre ein klarerer Fokus. Weniger Nebenhandlungen, mehr Charakterarbeit. Weniger Hin und Her, mehr Konsequenz. Denn der Stoff hätte das hergegeben. Aber so bleibt ein Film, der zwar unterhalten kann, aber nach dem Abspann direkt aus dem Gedächtnis rutscht.
Ich geb dem Ganzen fünfeinhalb von zehn Punkten. Nicht schlecht, nicht gut, einfach okay. Für einen lockeren Streamingabend reicht es – aber vom Comeback des Shane Black-Feelings ist das hier doch ziemlich weit entfernt.
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