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Mantis: Präzise Action in einer instabilen Unterwelt

Das Kill-Boksoon-Spin-off inszeniert seine Kämpfe gekonnt. Seine Killer bekommen allerdings weniger Tiefe, als ihre zerbrochene Welt verdient.

Mantis 🔥 Ein ASSASSIN kehrt zurück 💣 Chaos in der Unterwelt
Thumbnail des ursprünglichen filmbuZZer-Videos.

Mantis ist ein Spin-off zum südkoreanischen Actionfilm Kill Boksoon. Die Handlung setzt dort an, wo das Original endete: Die Welt der professionellen Killer ist nach dem Zusammenbruch von MK Entertainment ins Chaos gestürzt. Alte Strukturen existieren nicht mehr, neue Machtverhältnisse müssen erst gefunden werden – und genau in dieses Vakuum kehrt Han-ul, Codename Mantis, zurück.

Han-ul ist kein Neuling im Geschäft, sondern ein überaus effizienter und präzise arbeitender Auftragsmörder, der sich nach einer Auszeit wieder neu orientieren will. Doch statt eines organisierten Systems findet er eine Szene vor, in der jeder nur noch für sich selbst kämpft. Rivalitäten, Machtspiele und persönliche Rechnungen dominieren das Geschehen. Besonders brisant: Seine alte Weggefährtin Jae-yi ist inzwischen eine der einflussreicheren Figuren in diesem neuen Chaos – und zwischen den beiden ist mehr als nur gemeinsame Vergangenheit. Ihre Konfrontationen gehören zu den stärksten Momenten des Films, nicht nur wegen der physischen Spannung, sondern auch wegen der emotionalen Reibung, die da spürbar wird.

Mantis bleibt seinem Genre treu: Die Actionszenen sind dynamisch, hart und stilistisch ausgefeilt. Der Film verlässt sich auf präzise Choreografien, klare Bilder und ein gutes Timing. In diesen Momenten funktioniert er hervorragend. Es gibt Sequenzen, in denen man regelrecht spürt, wie viel handwerkliches Geschick hier im Spiel war – sei es in engen Räumen oder bei größeren Gefechten. Regisseur Lee Tae-sung hat ein gutes Auge für Rhythmus und Spannung, vor allem im physischen Raum.

Etwas schwächer ist der Film dann, wenn es um die Charaktertiefe geht. Obwohl Im Si-wan als Han-ul eine überzeugende Präsenz aufbaut, bleibt seine Figur über weite Strecken eher kühl. Man bekommt zu wenig Einblick in seine inneren Konflikte, was schade ist, weil der Film gerade hier Potenzial hätte. Ähnlich geht es vielen Nebenfiguren: Sie wirken eingeführt, aber nicht auserzählt. Man spürt, dass sie in dieser Welt eine Rolle spielen, aber der Film nimmt sich selten Zeit, ihnen mehr als eine Funktion zu geben.

Das Drehbuch ist grundsätzlich solide, aber nicht immer elegant. Es erklärt oft mehr, als es zeigt, und in manchen Momenten wirken Dialoge eher wie Informationsblöcke als wie natürliche Gespräche. Auch das Tempo ist nicht ganz ausgewogen. Nach spannenden Passagen zieht sich der Film gelegentlich, verliert den Fokus und pendelt zwischen Action und Exposition, ohne beides ganz sauber zu verbinden.

Was Mantis gut macht: Er erweitert die Welt von Kill Boksoon, ohne sich in Fanservice zu verlieren. Die Bezüge sind da, aber der Film funktioniert auch für sich allein – zumindest auf einer narrativen Ebene. Emotional bleibt er zwar flacher als sein Vorgänger, aber wer auf kompromisslose Action mit stilvoller Inszenierung steht, wird hier auf seine Kosten kommen.

Unterm Strich ist Mantis ein handwerklich starker, erzählerisch solider, aber nicht überragender Film. Er liefert genau das, was man sich von einem Netflix-Actiontitel dieser Art erwartet, aber kaum mehr. Für mich sind das drei von fünf Punkten – unterhaltsam, sehenswert, aber mit spürbarem Luft nach oben.

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