Nostalgie trifft Coming-of-Age
Jonah Hills Regiedebüt mid90s entführt uns in eine Zeit, die durch Baggy Jeans, VHS-Kassetten und die rohe Energie der Skaterkultur geprägt war. Der Film von 2018 bietet nicht nur eine Zeitreise in die 1990er-Jahre, sondern auch eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Hill gelingt es dabei, einen Film zu schaffen, der gleichermaßen intim und universell ist.
Zwischen Freiheit und Selbstfindung
Die Geschichte folgt dem 13-jährigen Stevie (gespielt von Sunny Suljic), einem Jungen, der in Los Angeles auf der Suche nach seiner Identität ist. In einem zerrütteten Zuhause mit einer überforderten Mutter (gespielt von Katherine Waterston) und einem gewalttätigen älteren Bruder Ian (gespielt von Lucas Hedges) sucht Stevie Zuflucht in einer Gruppe älterer Skater. Die Skaterclique, bestehend aus Ray, „Fuckshit“, Fourth Grade und Ruben, eröffnet ihm eine Welt voller Abenteuer, Kameradschaft, aber auch Gefahren. Zwischen ersten Zigaretten, alkoholischen Eskapaden und riskanten Skate-Tricks entfaltet sich Stevies Reise zur Selbstfindung.
Authentizität in jedem Detail
Jonah Hill zeigt ein beeindruckendes Gespür für Details und Atmosphäre. Hill ließ sich von seiner eigenen Jugend inspirieren und verzichtete bewusst auf klassische Hollywood-Stilisierungen. Gedreht auf 16-Millimeter-Film und im 4:3-Format, fängt die Kamera die Welt durch die Augen eines Kindes der 1990er-Jahre ein. Diese Wahl verleiht dem Film eine intime, fast dokumentarische Qualität, die durch die körnige Textur und das eingeschränkte Bildformat verstärkt wird. Hill schafft es meisterhaft, das Gefühl von Nostalgie zu wecken, ohne sentimental zu wirken.
Die Kameraarbeit von Christopher Blauvelt verdient besondere Anerkennung. Sie vermittelt sowohl die Dynamik der Skaterszenen als auch die stillen, introspektiven Momente. Szenen, in denen Stevie durch die Straßen von Los Angeles skatet, sind so eingefangen, dass man förmlich die Freiheit spüren kann, die er erlebt.
Soundtrack: Ein musikalischer Trip in die 1990er
Ein weiteres Highlight des Films ist der Soundtrack, der mit Tracks von Künstlern wie Nirvana, den Pixies und dem Wu-Tang Clan die Essenz der 1990er-Jahre einfängt. Die Musik fungiert nicht nur als atmosphärischer Begleiter, sondern unterstreicht auch Stevies emotionale Entwicklung. Die klug ausgewählten Songs tragen dazu bei, den Zuschauer vollständig in die Welt dieser Ära einzutauchen.
Natürlich und authentisch
Die Darsteller, größtenteils Laienschauspieler, liefern durchweg authentische Leistungen. Sunny Suljic überzeugt als Stevie mit seiner nuancierten Darstellung eines Jungen, der zwischen Unsicherheit und rebellischem Tatendrang schwankt. Na-Kel Smith beeindruckt als Ray, der als Mentor und Vaterfigur in der Skaterclique fungiert. Die Chemie innerhalb der Gruppe ist so organisch, dass man fast vergisst, dass es sich um Schauspieler handelt. Besonders hervorzuheben ist auch Lucas Hedges, der als Stevies Bruder Ian eine intensive, unbehagliche Präsenz zeigt.
Die harte Realität des Erwachsenwerdens
Inhaltlich ist „mid90s“ mehr als eine Hommage an die 1990er-Jahre. Der Film beleuchtet universelle Themen wie die Suche nach Zugehörigkeit, die Bedeutung von Freundschaft und die oft schmerzhaften Lektionen des Erwachsenwerdens. Hill spart dabei nicht an Härte – Stevies Erlebnisse sind geprägt von Gewalt, Selbstzweifeln und der ständigen Suche nach Anerkennung. Gerade diese schonungslose Darstellung macht den Film so ehrlich und berührend.
Kritikpunkte: Nicht alles glänzt
Trotz der vielen Stärken hat der Film auch Schwächen. Die Handlung bleibt episodisch und verliert gelegentlich den roten Faden. Zudem setzt der Film stark auf Nostalgie, was zwar stimmungsvoll ist, aber manchmal auf Kosten einer tieferen Charakterentwicklung geht. Einige Nebenfiguren, wie die Mutter, hätten mehr Raum für Entfaltung verdient.
Ein emotionales Zeitdokument
Mit „mid90s“ liefert Jonah Hill ein beeindruckendes Regiedebüt, das durch Authentizität und emotionale Tiefe besticht. Der Film ist ein liebevoll gestaltetes Porträt einer Ära und gleichzeitig eine kraftvolle Coming-of-Age-Geschichte. Obwohl nicht perfekt, ist „mid90s“ ein Film, der lange nachhallt – sowohl bei denen, die die 1990er-Jahre erlebt haben, als auch bei jüngeren Generationen.
Für Fans von nostalgischen Filmen und ehrlichen Geschichten über das Erwachsenwerden ist „mid90s“ ein absolutes Muss.
Den Film zu Hause ansehen
Digital ansehen
Leih- und Kaufoptionen für Deutschland. Die aktuellen Konditionen findest du bei Prime Video.
Für deine Filmsammlung
Format, Tonspuren und aktuelle Verfügbarkeit findest du auf der Produktseite bei Amazon.
Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Durch die Nutzung dieser Links entstehen dir keine zusätzlichen Kosten.
