Unter der Regie von Anne Fontaine entführt er in das Paris der späten zwanziger Jahre und beleuchtet die Entstehungsgeschichte von Maurice Ravels weltberühmtem Musikstück "Boléro".
Die Handlung dreht sich um den renommierten Komponisten Maurice Ravel, dargestellt von Raphaël Personnaz. Im Jahr neunzehnhundertachtundzwanzig erhält er von der russischen Tänzerin und Choreografin Ida Rubinstein, gespielt von Jeanne Balibar, den Auftrag, ein neues Ballettstück zu komponieren. Sie wünscht sich ein Werk, das eine gewisse Sinnlichkeit und Verführung ausstrahlt. Ravel, bekannt für seine Präzision und Perfektion, sieht sich einer ungewohnten Herausforderung gegenüber, die ihn nicht nur künstlerisch, sondern auch persönlich fordert.
Der Film taucht tief in Ravels kreativen Prozess ein und gibt einen faszinierenden Einblick in die Entstehung eines Meisterwerks. Gleichzeitig wirft er ein Licht auf die inneren Konflikte des Komponisten, seine Zweifel, seine Obsession mit Perfektion und die Einsamkeit, die ihn umgibt. Fontaine inszeniert das mit viel Fingerspitzengefühl, ohne dabei in Klischees oder übertriebene Dramatisierung zu verfallen. Stattdessen ist "Boléro" eine fein abgestimmte Charakterstudie, die zeigt, wie sich Genialität und Zerbrechlichkeit oft die Hand reichen.
Raphaël Personnaz gibt Ravel eine beeindruckende Tiefe. Sein Blick, seine körperliche Zurückhaltung, aber auch die plötzlichen Ausbrüche von Leidenschaft lassen den Zuschauer tief in seine innere Welt eintauchen. Jeanne Balibar als Ida Rubinstein bringt genau die richtige Mischung aus kühler Eleganz und künstlerischer Rastlosigkeit mit. Die Dynamik zwischen diesen beiden Figuren ist elektrisierend, weil sie ständig zwischen Faszination, gegenseitigem Verständnis und latenter Spannung pendelt.
Die Nebenrollen sind ebenso stark besetzt. Doria Tillier als Misia Sert, eine enge Freundin Ravels, bringt viel Charisma mit, während Vincent Perez als Cipa Godebski und Emmanuelle Devos als Pianistin Marguerite Long das Ensemble abrunden. Besonders die Interaktionen mit Long zeigen Ravels akribisches Arbeiten und seine manchmal schwierige Persönlichkeit, wenn es um seine Musik geht.
Visuell ist "Boléro" eine wahre Augenweide. Die prächtigen Kostüme, die detailgetreuen Kulissen und die sanfte Lichtsetzung versetzen den Zuschauer direkt in das Paris der zwanziger Jahre. Fontaine nimmt sich die Zeit, Szenen atmen zu lassen, was dem Film eine fast meditative Qualität gibt. Die Kamera fängt jede Nuance ein, von den feinen Bewegungen Ravels an seinem Klavier bis hin zu den opulenten Tanzproben von Rubinstein.
Die Musik ist natürlich das Herzstück des Films. Ravels Werke sind meisterhaft in die Handlung integriert, nicht als bloßes Beiwerk, sondern als treibende Kraft der Geschichte. Die Interpretation von Alexandre Tharaud gibt den Kompositionen eine unverwechselbare Tiefe. Vor allem das titelgebende "Boléro" entfaltet auf der großen Leinwand eine hypnotische Wirkung, die Ravels Genie eindrucksvoll unterstreicht.
"Boléro" ist weit mehr als ein reines Biopic. Es ist eine Hommage an die Kraft der Musik, an den künstlerischen Schaffensprozess und an die tiefen inneren Konflikte eines Genies. Ein Film, der nicht nur für Musikliebhaber, sondern für alle, die sich für faszinierende Charaktere und intensive Atmosphären begeistern, ein unvergessliches Kinoerlebnis bietet.
