After the Hunt ist ein Film, der einem nach dem Abspann noch im Kopf nachhallt. Luca Guadagnino leitet das Werk, das vielfach als intelligenter und provokativer Campus‑Psychothriller gehandelt wird — und ich habe ihn gesehen.
Julia Roberts übernimmt die Rolle von Alma Olsson, einer hochqualifizierten Philosophieprofessorin. Ihre vielversprechende Karriere ist in Gefahr, als Maggie Price (gespielt von Ayo Edebiri), eine ihrer brillantesten Studentinnen, öffentlich behauptet, ihr Kollege Hank Gibson (Andrew Garfield) habe sie in der Nacht eines Gemeinschaftsabends sexuell übergriffig behandelt. Hank bestreitet alles und behauptet im Gegenzug, Maggie sei unruhig geworden, nachdem er Plagiatsverdacht gegen ihre Dissertation geäußert habe. Alma befindet sich in der Zwickmühle: Sie fühlt sich Maggie gegenüber verpflichtet, aber auch Hank gegenüber verbunden – und als dann ein Geheimnis aus Almas eigener Vergangenheit zu drohen scheint, geraten alle Sicherheiten ins Wanken.
Visuell überzeugt After the Hunt. Guadagnino nutzt ruhige Einstellungen, sorgfältige Bildkompositionen und eine Klangkulisse, die gelegentlich schrill wirkt – etwa durch tickende Geräusche, die Spannung und Unbehagen erzeugen. Der Stil kann stellenweise überdeutlich sein, aber er unterstreicht die Unruhe, die der Film im Inneren der Figuren evoziert. Das Drehbuch von Nora Garrett trägt Mut zur Komplexität: Oft agieren Figuren in langen Dialogen, die eher wie Gedankenstücke wirken als spontane Gespräche. In der zweiten Hälfte, besonders durch einen Zeitsprung, fühlt sich die Struktur gelegentlich überfrachtet an.
Was diesen Film jedoch trägt, sind die Darbietungen: Roberts spielt Alma mit zurückhaltender Stärke, verletzlichen Nuancen und kontrollierter Unsicherheit. Edebiri als Maggie ist kein einfaches Opfer, sondern ambivalent, fordernd, komplex. Garfield hält seinen Hank in der Schwebe zwischen Schuld und Unschuldsvermutung — eine Gratwanderung, die ihn unberechenbar macht. Michael Stuhlbarg als Almas Ehemann Frederik und Chloë Sevigny runden das Ensemble ab, ohne jedoch vollständig in den Mittelpunkt zu treten.
Ich empfinde After the Hunt nicht als fehlerlosen Film, aber als mutiges Werk, das sich traut, unbequeme Fragen über Macht, Wahrheit und Loyalität zu stellen. Einige dramaturgische Einsprengsel wirken konstruiert, und der Schluss-Zeitsprung fühlte sich bei mir mehr wie ein starker Kontrapunkt denn konsistente Fortführung an. Trotzdem: Diese Mischung aus intellektueller Anstrengung und emotionaler Spannung fasziniert. Wenn ich eine Note vergeben müsste: zwei minus bis zwei – nicht perfekt, aber ambitioniert und sehenswert für all jene, die kein Unterhaltungs-Kino wollen, sondern ein Kino, das nachhängt.
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