DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNALHorrOctober2026
← Zurück zu BUZZBUZZ / HorrOctober

Cuckoo lässt Trauer zur Falle werden – und verliert dann den Faden

Tilman Singers Horrorfilm findet für Gretchens Trauer und Isolation einen beklemmenden Schauplatz. Doch die holprige Auflösung schwächt die Verbindung zum Thema körperlicher Selbstbestimmung.

Cuckoo 🐦 Hunter Schafer im Alpenhorror – wie verrückt ist das?
Thumbnail unseres zugehörigen YouTube-Videos.

Ein Ort, der immer enger wird

Cuckoo muss sein Rätsel nicht lösen, damit Gretchens Lage unangenehm wird. Nach dem Tod ihrer Mutter kommt sie in ein abgelegenes Resort in den Alpen und fühlt sich in ihrer veränderten Familie schon fehl am Platz. Die Berge sehen wunderschön aus; das Resort wirkt wie ein Gefängnis. Noch bevor die Geschichte erklärt, was dort nicht stimmt, macht der Schauplatz spürbar, wie schwer Gretchen ihrer Isolation entkommt.

Dieser Gegensatz gehört zu den stärksten Ideen des Films. Paul Faltz fotografiert die Berge zugleich schön und bedrohlich; der körnige 35-mm-Look verleiht ihnen beinahe etwas Nostalgisches. Das vertraute Versprechen eines idyllischen Rückzugsorts kippt ins Beklemmende. So bekommt Gretchens Trauer eine greifbare Umgebung, ohne dass die Landschaft allein sie erklären müsste.

Das Rätsel braucht einen emotionalen Anker

Gretchens Verbindung zu Alma gibt dem Film mehr als eine Folge verstörender Eindrücke. Während Gretchens Misstrauen gegenüber dem Resort wächst, entwickelt sich auch ihre Beziehung zu Alma – ein emotionaler Faden inmitten des Unbehagens. Herr Königs kontrollierende Präsenz lässt den Ort derweil weniger wie einen Zufluchtsort wirken als wie einen Platz, an dem die Gäste kaum zur Ruhe kommen können.

Hier kann das Thema der Selbstbestimmung über den eigenen Körper seine Wirkung entfalten. Die bedrückende Atmosphäre des Resorts und Gretchens Gefühl, fehl am Platz zu sein, rücken es nah an ihre Erfahrung. Doch eine Atmosphäre kann eine Verbindung leichter andeuten, als eine Geschichte sie entwickeln kann. Cuckoo muss Trauer, körperliche Verunsicherung und Rätsel miteinander verzahnen – nicht bloß am selben unheimlichen Ort versammeln.

Wenn die Erklärung das Bild trübt

Schwierig wird es, als der Film sein Rätsel auflösen will. Übernatürliche Elemente und psychologisches Drama finden im dritten Akt keinen überzeugenden Rhythmus; die Enthüllungen über das Resort wirken zugleich übererklärt und nicht klar genug. Für einen Film, dessen Bilder zuvor so viel sorgfältige Arbeit geleistet haben, ist das besonders frustrierend.

Das Problem ist nicht, dass jede Frage eine saubere Antwort braucht. Die Verwirrung erschwert vielmehr den Rückweg zu den interessantesten Themen des Films. Trauer und körperliche Selbstbestimmung bleiben präsent, ebenso die Andeutung eines feministischen Subtexts. Doch je chaotischer die Handlung wird, desto schwerer sind diese Themen zu verfolgen. Das Rätsel weitet sich aus, gerade als die Themen eine festere Verbindung zu Gretchens Erfahrung bräuchten.

Die Bilder und Darstellungen verleihen den Ideen von Cuckoo echte Kraft, besonders Hunter Schafers zentrale Performance. Die Auflösung hält diese Kraft nicht aufrecht. Als Ort der Gefangenschaft bleibt das Resort im Gedächtnis; was der Film letztlich aus dieser Enge macht, überzeugt weniger.

Werbung · Amazon-Partnerlinks

Den Film zu Hause ansehen

Prime Video

Die aktuellen Angebote und Konditionen findest du bei Prime Video.

Für deine Filmsammlung

Format, Tonspuren und aktuelle Verfügbarkeit findest du auf der Produktseite bei Amazon.

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Durch die Nutzung dieser Links entstehen dir keine zusätzlichen Kosten.

Filmhintergrund