Die ursprüngliche Kritik bezieht sich auf die sieben vorab bereitgestellten Episoden.
Die neue DC-Serie nimmt ausgerechnet eine der kosmischsten Comicideen überhaupt und zieht sie erst einmal auf den Boden: Der erfahrene Green Lantern Hal Jordan soll den neuen Rekruten John Stewart einarbeiten. Gemeinsam geraten sie in Nebraska in eine rätselhafte Ermittlung, die deutlich größer wird, als es zunächst aussieht.
Das klingt weniger nach klassischer Superheldenserie als nach True Detective mit Power-Ringen – und genau dieser Widerspruch macht Lanterns interessant. Kyle Chandler spielt Hal nicht als makellose Legende, sondern als abgekämpften Veteranen, der seinen eigenen Ruhm längst nicht mehr besonders beeindruckend findet. Aaron Pierre setzt dagegen einen kontrollierten, ernsteren John Stewart. Das funktioniert vor allem deshalb, weil beide Figuren aneinanderreiben, ohne dass die Serie daraus ständig künstliche One-Liner machen muss. Ihre Partnerschaft trägt die Geschichte stärker als jede Verbindung zum größeren DC-Universum.
Die größte Stärke ist diese Bodenhaftung gleichzeitig auch das größte Risiko. Green Lantern steht eigentlich für grenzenlose Vorstellungskraft: Ringe, die aus Willenskraft Konstrukte erschaffen, fremde Welten und ein ganzes intergalaktisches Polizeikorps. Lanterns entscheidet sich bewusst dafür, davon zunächst nur dosiert Gebrauch zu machen. Die staubigen Straßen und Kleinstadtorte geben dem Ganzen zwar eine eigene Identität, aber manchmal wirkt es fast so, als würde die Serie vor dem verrücktesten Teil ihrer Vorlage zurückschrecken.
Dafür bekommt das Mystery-Gerüst genügend Raum. Chris Mundy, Damon Lindelof und Tom King bauen weniger auf permanente Action als auf Misstrauen, Vergangenheit und die Frage, was einen guten Beschützer überhaupt ausmacht. Das Tempo ist entsprechend ruhiger. Nicht jede Nebenfigur fügt sich gleich gut ein, und die verschiedenen Tonlagen – Cop-Serie, Prestige-Drama und Comic-Sci-Fi – greifen nicht immer sauber ineinander. Gerade in den Übergängen merkt man, dass Lanterns mehrere Serien gleichzeitig sein möchte.
Visuell ist das trotzdem wohltuend weit von austauschbarem Superhelden-Hochglanz entfernt. James Hawes und die weiteren Regisseure suchen eher Atmosphäre als Effektgewitter. Wenn die Green-Lantern-Kräfte ins Spiel kommen, wirken sie dadurch besonderer, weil die Serie sie nicht alle fünf Minuten herausfeuert. Kelly Macdonald, Garret Dillahunt und Poorna Jagannathan geben dem ländlichen Umfeld zusätzlich Charakter, ohne Chandler und Pierre das Zentrum streitig zu machen. Angenehm ist außerdem, dass die Serie nicht voraussetzt, dass man sich durch eine halbe Bibliothek DC-Lore gearbeitet hat. Die größere Mythologie ist da, aber der Einstieg bleibt verständlich und konzentriert sich zunächst auf diese beiden Männer und ihren Fall.
Lanterns ist damit keine kosmische Dauerparty und wahrscheinlich auch nicht die Serie, die jeder Green-Lantern-Fan erwartet hat. Aber gerade der Versuch, aus Space Cops erst einmal zwei schwierige Männer in einem düsteren Ermittlungsfall zu machen, funktioniert erstaunlich gut. Die Mischung ist nicht immer perfekt, doch die Hauptdarsteller, der Mystery-Sog und der eigenwillige Ton tragen sie. Für einen ungewöhnlichen Start ins nächste DC-Kapitel gibt es 7,5 von 10 Punkten.
Den Film zu Hause ansehen
Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Durch die Nutzung dieser Links entstehen dir keine zusätzlichen Kosten.
