Regisseurin Alexandra Lacey blickt darin auf eines der zerstörerischsten Naturereignisse zurück, die die USA in den letzten Jahrzehnten erlebt haben – nämlich den verheerenden EF-5-Tornado, der im Mai zweitausendelf Joplin in Missouri praktisch dem Erdboden gleichmachte. Der Film versucht gar nicht erst, den Sturm nüchtern oder wissenschaftlich aufzubereiten, sondern konzentriert sich voll und ganz auf das menschliche Drama, das sich während und nach der Katastrophe abspielte. Genau darin liegen für mich sowohl die Stärken als auch Schwächen dieses Films.
Von Beginn an macht „Twister: Im Sturm gefangen“ klar, dass es hier weniger um Statistiken oder meteorologische Erklärungen geht, sondern um das, was Menschen empfinden, wenn ihre Welt von einer Minute auf die andere auseinandergerissen wird. Lacey lässt Überlebende zu Wort kommen, zeigt Archivmaterial, das unmittelbar während der Katastrophe aufgenommen wurde, und kombiniert diese eindringlichen Aufnahmen geschickt mit emotionalen Interviews. So entsteht eine dichte Atmosphäre, die einen als Zuschauer immer wieder schlucken lässt. Du fühlst mit, wenn Menschen ihre traumatischen Erlebnisse schildern oder davon erzählen, wie sie ihre Liebsten verloren haben.
Allerdings empfinde ich die Machart teilweise als zu dramatisierend. Die musikalische Untermalung ist an manchen Stellen übertrieben eingesetzt, und das nimmt manchen ohnehin starken Szenen ihre natürliche Kraft. Manchmal fühlt sich das dann etwas aufgesetzt an. Die Bilder allein hätten ihre Wirkung vollkommen entfalten können, ohne zusätzliche Verstärkung durch dramatische Effekte.
Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass der Film die Chance verpasst, ein wenig tiefer in die Hintergründe der Naturkatastrophe einzutauchen. Natürlich steht das Menschliche im Fokus, aber hin und wieder hätte ich mir doch eine Einordnung gewünscht – etwa warum dieser Tornado so außergewöhnlich zerstörerisch war oder wie das Wetterphänomen überhaupt zustande kam. Ein paar ergänzende Informationen hätten der Dokumentation nicht geschadet, sondern den Blick aufs Ganze erweitert.
Dennoch gelingt es dem Film trotz seiner kleinen Schwächen, ein starkes emotionales Erlebnis zu schaffen. Man kann nicht anders, als berührt zu sein von dem Mut und der Solidarität der Bewohner, die trotz allem nach vorne blicken und ihr Leben neu aufbauen. Gerade diese Hoffnungsschimmer sind es, die der Dokumentation am Ende eine versöhnliche Note geben.
„Twister: Im Sturm gefangen“ liefert genau das, was er verspricht: eine intensive emotionale Auseinandersetzung mit einer schrecklichen Naturkatastrophe. Wer hier jedoch eine umfassend informative oder wissenschaftliche Aufarbeitung sucht, könnte enttäuscht werden. Für diejenigen aber, die Geschichten von echten Menschen in Extremsituationen erleben möchten, bietet der Film bewegende Einblicke und bleibt nach dem Anschauen definitiv noch lange im Gedächtnis.
