Am 28. Februar 2025 ist „Bastion 36“ oder auch "Squad 36" auf Netflix gestartet und verspricht auf den ersten Blick einen intensiven französischen Polizeithriller. Regisseur Olivier Marchal, der sich bereits mit Filmen wie „36 - Tödliche Rivalen“ einen Namen gemacht hat, bleibt seinem Stil treu und präsentiert eine raue, düstere Geschichte über Loyalität, Verrat und moralische Grauzonen im Polizeiapparat.
Eine Ermittlung auf eigene Faust
Im Zentrum steht Antoine Cerda, ein erfahrener Ermittler, der nach einem missglückten Einsatz in eine andere Abteilung versetzt wird. Als plötzlich zwei seiner ehemaligen Kollegen ermordet und ein weiterer vermisst gemeldet werden, kann er nicht tatenlos zusehen. Gegen den Willen seiner Vorgesetzten beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und stößt auf ein Netz aus Korruption, Gewalt und internen Machtkämpfen. Schnell wird klar, dass die Wahrheit gefährlicher ist, als er sich jemals hätte vorstellen können.
Ein uneinheitliches Ensemble
Yvan Attal liefert eine eindrucksvolle Performance ab, auch wenn das Drehbuch ihm nicht immer die besten Dialoge liefert. Tewfik Jallab überzeugt ebenfalls mit einer nuancierten Darstellung und bringt eine gewisse emotionale Tiefe in den Film, die vielen anderen Figuren leider fehlt. Victor Belmondo, Enkel der französischen Filmlegende Jean-Paul Belmondo, macht eine solide Figur, bleibt aber letztlich zu blass, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.
Düstere Bilder und harte Action
Inszenatorisch ist „Bastion 36“ genau das, was man von einem Olivier-Marchal-Film erwartet: düstere Bilder, atmosphärische Beleuchtung und eine Welt, die von Gewalt und Zynismus geprägt ist. Die Actionszenen sind packend und realistisch inszeniert, besonders eine brutale Schießerei in einem Lagerhaus bleibt im Gedächtnis. Allerdings verfällt der Film zu oft in übertrieben machohaftes Gehabe, das anachronistisch wirkt und den Figuren wenig emotionale Tiefe lässt. Das wäre nicht schlimm, wenn die Geschichte genug Überraschungen bieten würde, aber leider folgt sie einem vorhersehbaren Muster, das wenig Raum für echte Spannung lässt.
Vorhersehbare Grauzonen
Das größte Problem ist das Drehbuch, das zwar eine interessante Grundidee hat, aber zu oft in Klischees abdriftet. Die Dialoge sind hart und direkt, wirken aber manchmal unfreiwillig platt. Zudem fehlen echte Wendepunkte, die den Film auf ein höheres Niveau heben könnten. Stattdessen läuft alles genau so ab, wie man es nach den ersten zwanzig Minuten erwartet. Die moralischen Fragen, die der Film aufwirft, sind zwar spannend, werden aber nicht tief genug behandelt, um wirklich nachzuwirken.
Fazit
Trotz dieser Schwächen ist „Bastion 36“ ein solider Polizeithriller, der Fans des Genres durchaus gefallen könnte. Wer Filme mit harter Action und einem rauen Ton mag, wird hier zumindest unterhalten. Wer hingegen auf eine tiefgründige Geschichte oder ausgefeilte Charaktere hofft, wird eher enttäuscht sein.
