Und ja, der Name passt: Chaos, Gewalt und Zerstörung – alles da. In der Hauptrolle: Tom Hardy als abgewrackter Detective Walker, der sich durch ein Labyrinth aus Drogen, Korruption und Gewalt prügelt, um den verschwundenen Sohn eines mächtigen Politikers zu retten. Klingt erstmal wie ein klassischer Cop-Thriller – ist es auch, nur mit deutlich mehr Blut, Knochenbrüchen und Kamera-Drive.
Der Einstieg ist schnell, dreckig und direkt. Ein Drogendeal geht schief, Kugeln fliegen, Walker wird reingezogen und kämpft sich anschließend durch das kriminelle Unterholz einer Stadt, die fast schon postapokalyptisch wirkt. Gareth Evans – bekannt für The Raid – setzt wieder auf kompromisslose Action, lange Takes und ultraharte Fights. Und da liegt die größte Stärke von Havoc: Die Action ist ein Ereignis. Die Choreos sind nicht überinszeniert, sondern wirken roh, unmittelbar und schmerzhaft. Eine Szene, in der Walker mit einer Harpune (!) einen Attentäter ausschaltet, ist so bizarr wie genial und bleibt definitiv im Kopf.
Tom Hardy liefert das, was man von ihm erwartet. Er knurrt, schwitzt, blutet – und bleibt dabei erstaunlich still. Viel Mimik, wenig Dialog. Emotionaler Tiefgang? Eher rudimentär. Seine Figur funktioniert über Präsenz, nicht über Entwicklung. Unterstützt wird er von Jessie Mei Li als junge Polizistin Ellie, die dem Film zumindest stellenweise so etwas wie Herz verleiht. Ihre Rolle ist zwar vorhersehbar geschrieben, aber sie schafft es, im richtigen Moment Haltung zu zeigen. Timothy Olyphant als zwielichtiger Cop Vincent bleibt dagegen etwas blass, obwohl sein Spiel solide ist. Gleiches gilt für Forest Whitaker, der als Politiker kaum etwas zu tun bekommt, und Luis Guzmán, dessen Gangsterrolle leider zu klischeehaft bleibt.
Was mich stört, ist das Drehbuch. Die Geschichte ist dünn. Es gibt keine echte emotionale Bindung zu den Figuren, die Dialoge wirken teils austauschbar, und einige Plotpoints scheinen einfach nur Mittel zum Zweck, um von einer Prügelei zur nächsten zu kommen. Das funktioniert für einen Abend voller Adrenalin, aber nicht für bleibenden Eindruck.
Havoc sieht gut aus, keine Frage. Die Kamera ist agil, die Lichtsetzung verstärkt die Düsternis, der Score passt – aber das alles täuscht nicht darüber hinweg, dass hier mehr Schauwert als Substanz geliefert wird. Für Hardcore-Actionfans ein Fest. Für alle anderen: eher Lärm als Wirkung.
