Coyote vs. ACME
Der fertiggestellte Film geriet nach der Entscheidung, ihn nicht zu veröffentlichen, beinahe vollständig aus dem Blick. Protest und ein neuer Vertrieb veränderten seinen Weg. Für mich liegt die Ironie in der Geschichte selbst: Ein machtloser Coyote kämpft gegen einen großen Konzern, während sein Film unter Konzernentscheidungen leidet.
The Interview
Nach dem Angriff auf Sony und Drohungen gegen Kinos zerbrach der geplante große Start. Der Film erreichte sein Publikum Ende 2014 dann digital und in einer begrenzten Kinoauswertung. Das Beispiel zeigt, wie schnell ein vertrauter Vertriebsweg ersetzt werden musste.
The Hunt
Politische Kontroversen und die Lage nach Gewalttaten führten zur Verschiebung des geplanten Starts 2019. Als der Film 2020 ins Kino kam, traf ihn die Pandemie. Mich interessiert daran, wie ein Projekt durch mehrere äußere Umstände problematisch werden kann, unabhängig davon, ob es bereits fertig ist.
Snowpiercer
Bong Joon-hos Film geriet im englischsprachigen Vertrieb in einen Konflikt um Kürzungen. Die ungekürzte Fassung erreichte schließlich ihr Publikum, aber auf einem eingeschränkteren Weg. Hier betrifft der Kampf nicht nur die Veröffentlichung, sondern die Frage, welcher Film überhaupt gezeigt werden darf.
The Cabin in the Woods
Die Finanzprobleme von MGM ließen den fertigen Horrorfilm auf einen Start warten. Ein neuer Vertrieb brachte ihn schließlich 2012 ins Kino. Das Beispiel zeigt, wie ein erfinderischer Film ohne eigenes Zutun zum liegengebliebenen Vermögenswert werden kann.
The New Mutants
Der lange Weg zwischen Dreh und Veröffentlichung war von Verschiebungen und veränderten Unternehmensverhältnissen geprägt. Der Start 2020 fiel zusätzlich in die Pandemie. Für mich zeigt dieser Fall besonders deutlich, wie ein neuer Film durch Kalenderentscheidungen schon vor seiner Veröffentlichung alt wirken kann.
The Man Who Killed Don Quixote
Terry Gilliams Film musste jahrzehntelange gescheiterte Anläufe überstehen. Selbst nach seiner Fertigstellung bedrohten Konflikte den Weg zum Publikum. Für mich ist das eine außergewöhnliche Geschichte der Beharrlichkeit: Der Abschluss der Dreharbeiten beendete die Schwierigkeiten noch lange nicht.
The Other Side of the Wind
Orson Welles begann 1970 mit den Dreharbeiten, erlebte die Veröffentlichung aber nicht mehr. Netflix übernahm später Rechte und Finanzierung der Fertigstellung; 2018 wurde der Film veröffentlicht. Aus liegengebliebenem Material entstand nach Jahrzehnten doch noch ein sichtbares Werk.
The Current War
Nach der Festivalfassung 2017 verlor der Film durch den Zusammenbruch seines ursprünglichen Veröffentlichungsumfelds den geplanten Start. Alfonso Gomez-Rejon konnte später eine überarbeitete Fassung herausbringen. Die Rettung bedeutete hier auch eine neue Gelegenheit, die eigene Vorstellung des Films umzusetzen.
Margaret
Kenneth Lonergans Drama wartete nach den Dreharbeiten jahrelang auf seine Veröffentlichung. Konflikte um Schnitt und Kontrolle führten schließlich zu einem sehr kleinen Start. Dass der Film später größere Anerkennung gewann, macht den Abstand zwischen seinem Wert und seiner ursprünglichen Sichtbarkeit für mich besonders auffällig.
