Ein neuer LAIKA-Film im Kino
Wildwood startet am 23. Oktober regulär in US-Kinos. Es ist LAIKAs sechster Stop-Motion-Spielfilm, inszeniert und produziert von Travis Knight nach einem Drehbuch von Chris Butler. Fathom Entertainment übernimmt den amerikanischen Verleih, FilmNation Entertainment den internationalen Verkauf. Vor dem regulären Start gab es frühe Fanvorführungen und eine Festivalpremiere. Einige Zuschauer konnten den Film also bereits sehen; heute beginnt der angekündigte breite US-Kinostart.
Im Mittelpunkt steht Prue McKeel, gesprochen von Peyton Elizabeth Lee. Nachdem ein Krähenschwarm ihren kleinen Bruder in die Impassable Wilderness vor Portland, Oregon, verschleppt, macht sie sich auf die Suche. Ihr Mitschüler Curtis Mehlberg, gesprochen von Jacob Tremblay, begleitet sie. Fathom beschreibt eine verborgene Welt mit sprechenden Tieren, Banditen und Gestalten, deren Entscheidungen von Trauer und Ehrgeiz geprägt sind. Die Rettung gibt dieser großen Fantasywelt eine klare persönliche Richtung.
Mit der Ankündigung im September veröffentlichte Fathom auch den finalen Trailer und startete den US-Ticketverkauf. Einzelne Kinos bieten Vorführungen in Dolby Cinema, 4DX oder DBOX an. Welche Vorstellung tatsächlich verfügbar ist, hängt vom jeweiligen Kino ab. In den vorliegenden Mitteilungen nennen die Unternehmen keinen einheitlichen internationalen Starttermin. FilmNations Verkaufsrolle ist ein weiterer Grund, ein deutsches Datum nicht einfach aus dem amerikanischen Kinostart abzuleiten.
Eine Welt aus greifbaren Dingen
Mit Coraline, ParaNorman, The Boxtrolls, Kubo and the Two Strings und Missing Link hat LAIKA bereits eine erkennbare Reihe von Spielfilmen geschaffen. Wildwood führt von oft begrenzten Räumen eines Hauses oder einer Stadt in einen ausgedehnten Wald mit unterschiedlichen Gruppen. Bei Stop Motion ist dieser Maßstab besonders anspruchsvoll. Jede Kreatur, jedes Kostüm und jede Oberfläche muss der Kamera etwas Körperliches bieten, auch wenn digitale Mittel das fertige Bild unterstützen.
Knight nennt Wildwood LAIKAs größte und zugleich persönlichste Welt. Beides zusammen ist eine spannende Herausforderung. Eine bevölkerte Zauberlandschaft lädt zum Entdecken ein, kann die einfache Rettungsgeschichte aber auch unter Regeln und Erklärungen begraben. Prues Suche muss sichtbar bleiben, während die Welt immer weiter wird. Jede neue Kreatur oder Landschaft sollte verändern, was sie über ihren Bruder versteht, und nicht nur zeigen, wie viele Objekte die Animatoren bauen konnten.
Der Wald liegt unmittelbar vor Portland. Gerade diese Grenze macht das Fantastische interessant: Eine vertraute Stadt befindet sich direkt neben einem unmöglichen Gebiet. Das kann überzeugender wirken als ein weit entferntes erfundenes Königreich. Ein Kind verlässt erkennbare Straßen und betritt einen Ort, den Erwachsene vielleicht gelernt haben zu übersehen. Stop Motion passt dazu, weil gewöhnliche und wundersame Gegenstände im Bild dieselbe greifbare Gegenwart besitzen.
Ein anderer Weg ins Kino
Auch der Verleih ist bemerkenswert. Fathom und LAIKA arbeiteten bereits bei Vorführungen bekannter Filme zusammen. Ihre Mitteilung vom Januar beschreibt Wildwood nun als regulären US-Kinostart eines neuen Spielfilms. Fathom erweitert damit sein Geschäft über Sonderveranstaltungen und Wiederaufführungen hinaus. Für LAIKA zeigt die Partnerschaft, wie eine eigenständige, handgefertigte Fantasyproduktion ohne den üblichen Weg über einen großen Studioverleih ein breites Kinopublikum erreichen soll. Das ist gerade für einen Originalfilm wichtig, der nicht vom Wiedererkennungswert einer Fortsetzung zehren kann. Die Werbung muss eine unbekannte Welt vermitteln und zugleich deutlich machen, weshalb die Suche nach Prues Bruder emotional trägt.
Die Vertriebsfrage sollte den Film selbst nicht überdecken. Eine Rettungsgeschichte lebt von Dringlichkeit und muss nicht mechanisch jede Ecke einer Fantasiekarte vorführen. Hier trifft die Entführung eines kleinen Bruders auf einen möglicherweise schönen und gefährlichen Ort. Am stärksten wird Wildwood sein, wenn jede neue Landschaft verändert, was Prue über den Menschen versteht, den sie retten will, statt nur die nächste optische Attraktion zu liefern.
Ab heute lässt sich dieses Werk in amerikanischen Kinos auf der großen Leinwand beurteilen, für die Knight es nach eigener Aussage konzipiert hat. Der offizielle Trailer ist über Fathoms Filmseite erreichbar. Ob Wildwood zu einem dauerhaften LAIKA-Liebling wird, entscheiden weder die Größe der Modelle noch die Zahl besonderer Vorführformate. Entscheidend ist, ob die aufwendig gebaute Welt eine Geschichte trägt, die über ihr handwerkliches Können hinaus lebendig bleibt.