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Wicker: Die Besetzung erklärt die ungewöhnliche Liebesgeschichte

Olivia Colman, Alexander Skarsgård und Elizabeth Debicki sprechen über Figur, Kostüm und Ton des Films.

Ein Ehemann aus Flechtwerk

In Wicker bittet eine ausgegrenzte Fischerin den Korbmacher ihres Dorfes, ihr einen Mann aus Weidengeflecht herzustellen. Olivia Colman spielt die Frau, Alexander Skarsgård den ungewöhnlichen Partner und Peter Dinklage den Handwerker. Laut Black Bear läuft der Film inzwischen im Kino. In einem Interview vom 26. Oktober schildern Colman, Skarsgård und Elizabeth Debicki, wie die zentrale Figur mehr werden sollte als ein bloßer visueller Gag. Ihre Aussagen eröffnen einen neuen Zugang zu einer Geschichte, deren Grundidee wie eine Pointe klingen kann. Bleibt der geflochtene Mann nur ein seltsamer Anblick, ist die Reaktion des Dorfes vorhersehbar. Glaubt man dagegen an die Zuneigung der Fischerin, sagt die Empörung der Nachbarn mehr über diese Menschen aus.

Die Figur musste sich bewegen

Skarsgård beschreibt die Anspannung vor der fertigen Gestaltung. Ein schlecht sitzender Körper hätte nach seiner Einschätzung auf eine Weise grotesk wirken können, die nicht zum gewünschten Ton gepasst hätte. Das fertige Material bewegte sich mit seiner Mimik und half ihm, die Körperlichkeit der Figur zu finden. Debicki erinnert sich an ihre Überraschung bei der ersten Begegnung am Set; Colman an die Freude darüber, eine lange vorbereitete Vorstellung endlich vor sich zu sehen. Das sind Aussagen der Beteiligten, kein Beleg für die Wirkung jeder einzelnen Szene. Sie erklären aber ein handfestes Problem der Inszenierung. Ein starres Kostüm macht aus einem Ehemann leicht einen Gegenstand. Beweglichkeit ermöglicht, dass er die Zuneigung der Fischerin erwidert und das Publikum diese Beziehung ernst nimmt.

Ein Märchen über die Nachbarn

Laut Black Bear spielt die Geschichte in einem konservativen Dorf an der Küste, das die Fischerin schon vor ihrem ungewöhnlichen Auftrag verspottet. Der neue Ehemann löst Neid und Unruhe aus. Wicker feierte Anfang 2026 in Sundance Premiere. Das aktuelle Gespräch verschiebt den Blick vom kuriosen Festivalstoff auf die Gefühle, die in ihm stecken. Ein selbst bestellter Partner kann Fantasie, komische Provokation oder Widerspruch gegen die Dorfregeln sein. Spannender ist die Frage, warum seine Existenz gerade jene stört, die sich vorher bequem über eine alleinstehende Frau lustig machen konnten. Vielleicht verraten die Einwände weniger über einen Mann aus Flechtwerk als über die Macht, anderen ein abweichendes Leben abzusprechen. So bekommt die auffällige Idee einen Sinn jenseits ihres Neuheitswerts. Die Fremdartigkeit des Partners lenkt den Blick damit nicht von der gewöhnlichen sozialen Ordnung ab, sondern zurück auf sie. Wer zuvor über die Einsamkeit der Frau spottete, kann ihr neues Glück nun ebenfalls nicht gelten lassen.

Komik braucht einen Menschen

Im Interview behandeln die Darsteller Wicker nicht als Reihe von Materialwitzen über seine männliche Hauptfigur. Skarsgård betont die Entwicklung über den komischen Ausgangspunkt hinaus, Debicki die ernsteren Fragen unter der spielerischen Oberfläche. Daraus folgt eine Erwartung, noch kein Urteil über den ganzen Film. Eine Erzählung mit absichtlich absurdem Bild darf zum Lachen bringen und anschließend die Grausamkeit sichtbar machen, die im Lachen kurz verborgen lag. Colmans Figur ist bereits Außenseiterin, bevor der Ehemann erscheint. Die fremdartige Beziehung verändert das Verhalten der anderen, erschafft deren Geringschätzung aber nicht erst. Dieser Unterschied könnte verhindern, dass die Komödie ihre Fischerin selbst bloß zur Zielscheibe macht. Entscheidend ist, ob der Film ihr Begehren ebenso ernst nimmt wie die Reaktionen, die es auslöst.

Was das Gespräch eröffnet

Das neue Interview verrät keine Wendung der Handlung und entscheidet nicht, ob Wicker bei jedem Publikum funktioniert. Es liefert aber eine genauere Beschreibung seiner Eigenart. Die Gestaltung sollte Schauspiel ermöglichen, die Beteiligten sahen in der Beziehung mehr als einen Gag, und die Ausgangslage stellt öffentliche Verspottung einem privaten Wunsch nach Nähe gegenüber. Ein Film kann an solchen Spannungen scheitern: Ein aufwendiges Kostüm verdrängt vielleicht die Person darin, oder eine ernste Absicht nimmt dem Märchen seine Leichtigkeit. Die Aussagen zeigen, dass sich die Beteiligten dieser Gefahr bewusst waren. Über Wicker lässt sich deshalb als Liebesgeschichte sprechen, deren unmöglicher Körper eine sehr gewöhnliche Frage aufwirft: Warum glaubt eine Gemeinschaft, über die Liebe eines einsamen Menschen bestimmen zu dürfen? Damit bekommt die praktische Frage nach dem Kostüm eine erzählerische Antwort. Wenn der Mann lebendig und verletzlich wirkt, muss auch das Dorf sein Urteil über ihn begründen, statt ihn einfach als Kuriosität abzutun.

Quellen