Das verlinkte THR-Interview bespricht die Enden der Pumpkinhead-Filme.
Eine Stadt für Monster, ein anderes Zimmer für Spannung
Im Interview mit The Hollywood Reporter vom 18. Oktober erläutern Filmemacher Jem Garrard und Tubi-Manager Josh Van Houdt ihre verbundenen R.-L.-Stine-Filme. Redhaven verbindet Monstergeschichten wie Afraid of Clowns; The Babysitter führt stärker in den Jugendthriller.
Interessant ist daran vor allem die unterschiedliche Dramaturgie. Eine Stadt, in der verschiedene Monster auftauchen können, schafft eine bestimmte Form von Zusammenhang. Ein Teenager, der plötzlich Verantwortung für ein fremdes Haus trägt, erzeugt eine ganz andere Angst. Beide Ansätze bloß als immer mehr Horror zu verkaufen, würde ihre jeweiligen Stärken verdecken. Der Monsterfilm lädt zum Entdecken ein. Der Babysitter-Thriller lässt eine gewöhnliche Aufgabe unheimlich groß und kaum noch beherrschbar werden.
Was die Kürbisinnereien verraten
Im Interview geht es auch um erlaubte Gewaltbilder: Kürbisinnereien dürfen gezeigt werden, menschliches Blut gehört nicht zu diesem Ansatz. Hinter der zunächst komisch klingenden Grenze steckt eine ernsthafte gestalterische Frage. Was muss ein jüngeres Publikum tatsächlich sehen? Die Einschränkung kann dazu führen, stärker mit Oberflächen, Rhythmus und Andeutungen zu arbeiten. Ein zerplatzender Kürbis kann gleichzeitig lustig und unangenehm wirken. Das Bild bietet mehr als die bloße Messung körperlicher Verletzungen.
Gremlins ist dafür ein brauchbarer Vergleich, weil seine Kreaturen Bedrohungen und schlecht erzogene Komiker zugleich sind. Ihre Zerstörungswut erzeugt einen Wechsel aus Erwartung und Entladung. Coraline arbeitet anders: Eine einladende Ersatzwelt wird durch die Bedingungen unheimlich, die an ihre Gastfreundschaft geknüpft sind. Beide Modelle kommen ohne ständige Blutbilder aus. Sie lassen Kinder spüren, dass eine scheinbar verständliche Situation plötzlich eigene, gefährliche Regeln entwickelt.
Darin liegt die eigentliche Chance dieser Stine-Filme. Ein Kind möchte selbstständig sein, von Erwachsenen ernst genommen werden oder ein Problem lösen, bevor es dessen Ausmaß eingestehen muss. Solche Wünsche tragen eine Geschichte. Ein bekannter Buchtitel schafft das allein nicht. Werden die jungen Figuren nur zu Trägern von Anspielungen, an die sich ihre Eltern erinnern, bleibt die Verpackung erhalten. Das Publikum gerät dabei aus dem Blick.
Eine gemeinsame Welt darf keine Hausaufgabe werden
Garrard möchte die einzelnen Geschichten verständlich halten und zugleich Platz für wiederkehrende Figuren lassen. Das ist wichtiger als das modische Versprechen eines Filmuniversums. Gerade beim ersten Kontakt mit Horror hilft erzählerische Klarheit. Man sollte begreifen können, wer in Gefahr ist, was diese Person erreichen will und welche Entscheidungen ihr bleiben. Dafür muss niemand wissen, welcher verfluchte Gegenstand zwei Filme zuvor durchs Bild getragen wurde.
Redhaven kann durch Orte, kleine Gewohnheiten und das Gefühl zusammenhalten, dass der Alltag immer wieder an etwas Merkwürdiges grenzt. Das wäre einladender als eine endlose Kette von Erklärungen. Die Stadt wird vertraut, während die konkrete Gefahr wechselt. Ein kurzer Wiederauftritt belohnt dann Aufmerksamkeit. Er verlangt keinen Eintrittspreis in Form von Vorwissen, den neue Zuschauer erst mühsam nachzahlen müssen.
The Babysitter prüft die entgegengesetzte Fähigkeit: Wie lange trägt eine einzige Situation? Der Anfang von When a Stranger Calls liefert einen hilfreichen Vergleich. Der Vergleich überzeugt durch die begrenzten Informationen. Eine junge Person hört etwas, deutet es, versucht Normalität herzustellen und merkt, dass der vertraute Raum inzwischen eine andere Bedeutung hat. Spannung entsteht aus der Kontrolle dieser Veränderungen. Zusätzliche laute Unterbrechungen ersetzen diese Arbeit nicht. Ein Anruf kann den Raum ungeschützt wirken lassen, ohne einen einzigen Gegenstand darin zu verändern.
Jedes Alter hat andere wunde Punkte
Ein Monsterabenteuer kann Freunde gemeinsam nach einer Lösung suchen lassen. Eine Babysitter-Geschichte isoliert ihre Hauptfigur gerade deshalb, weil sie eigentlich schon zuverlässig und erwachsen genug sein soll. Zwischen diesen Formen zu wechseln, gibt den Verfilmungen einen Grund, der über weitere Fortsetzungen hinausgeht. Zugleich entsteht ein brauchbarer Maßstab: Versteht jeder Film die konkrete Unsicherheit, die seine Ausgangslage so beängstigend macht?
Tubis Vorhaben klingt dort am stärksten, wo Stine unterschiedliche Motoren für Geschichten liefert. Eine gemeinsame Stadt, eine Kreatur und ein unbeantwortetes Telefon sind keine austauschbaren Attraktionen. Jeder Film braucht seinen eigenen Druck und Figuren, deren Entscheidungen etwas verändern. Dann können die Verbindungen Spaß machen. Das Universum wird auch ohne eine weitere Einführung in seine Zuständigkeiten auskommen.