Fünf Minuten als Falle fürs Publikum
Toronto After Dark meldete am 30. Oktober, dass Javier Ruiz Calderas 5 More Minutes den Adam-Lopez-Publikumspreis und einen eigenen Spielfilmpreis der Festivalhelfer gewann. Filmax beschreibt ein Paar am Rand der Trennung, dessen Wochenende in einer abgelegenen Gegend von einer sich wiederholenden Fünfminutenphase erfasst wird. Der Titel klingt wie die Bitte um etwas zusätzliche Zeit. Die Anlage macht daraus eine Falle: Zeit kommt zurück, aber nicht unbedingt eine bessere Gelegenheit, einander zu verstehen.
Ein Streit zwischen Liebenden schreitet gewöhnlich durch das voran, was beide sagen, verschweigen oder endlich eingestehen. Eine Schleife kann diese Entscheidungen sichtbar machen, indem sie einen neuen Versuch erlaubt, ohne das zuvor Gelernte zu löschen. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wie die Figuren der Uhr entkommen. Können sie aufhören, innerhalb der Wiederholung die perfekte Antwort zu suchen, und sich stattdessen dem Grund ihres Streits stellen? Die Abgeschiedenheit schärft das Problem. Es gibt keine bequeme Gesellschaftsszene, auf die der Film ausweichen könnte, und keine große Gruppe, auf die sich Verantwortung verteilt. Der beschriebene Ausgangspunkt führt immer wieder zu zwei Menschen, die nach jeder Runde mehr wissen könnten und einander dennoch schwer erreichen.
Wie dieselbe Zeit auch gleich aussieht
In einem Gespräch beim Festival von San Sebastián erklärten die Filmschaffenden, sie hätten genau fünfminütige Plansequenzen gebaut und die Aufnahmen auf etwa 18.30 Uhr gelegt. So sollte die Sonne bei den Wiederholungen ungefähr gleich hoch stehen. Ensemble und Kamerateam probten gemeinsam. Für einen Film über eine Zeitschleife sind das konkrete Entscheidungen: Anderes Licht könnte dem Publikum ungewollt signalisieren, dass Zeit vergangen ist, obwohl die Geschichte gerade zum Anfang zurückkehrt.
Die Methode verändert auch die Aufgabe der Schauspieler. In einer gewöhnlichen Montage kann ein Schnitt ein Zögern verkürzen oder die Aufmerksamkeit zwischen den Partnern verschieben. In einer Plansequenz gehört die Dauer einer Antwort zur Szene. Fünf Minuten müssen lang genug sein, damit ein Fehler Gewicht bekommt, und kurz genug, damit die nächste Runde drängt. Gemeinsame Proben mit der Kamera deuten auf eine Choreografie hin, in der Wege, Sprache und Blickwinkel zusammenpassen müssen. Vor einem stabilen Bildmuster werden Unterschiede im Verhalten erkennbar. Eine neue Pause oder ein anderer Weg durch denselben Raum kann dann mehr erzählen als eine weitere Erklärung der Schleifenregeln. Darin liegt ein handwerklicher Grund, dem Publikumssieger Aufmerksamkeit zu schenken. Gerade die gleichbleibende Sonnenhöhe ist aufschlussreich: Das Team musste die Zeitregel der Handlung gegen den wirklichen Verlauf der Drehtage schützen. Vielleicht nimmt man diese Disziplin beim Sehen gar nicht bewusst wahr. Sie schafft aber eine verlässliche Grundlage, vor der veränderte Entscheidungen des Paars auffallen. Das Handwerk macht das unmögliche Zeitintervall überschaubar. So können die Handlungen der Figuren die Aufmerksamkeit binden, statt dass Lichtfehler die Wiederholung verraten. Zugleich wird jede Abweichung von der vorherigen Runde bedeutsamer, weil die Umgebung weniger Ausreden für sie bietet.
Folgen geben der Wiederholung Gewicht
Laut der früheren Inhaltsangabe von Toronto After Dark haben die Handlungen des Paars weiterhin Folgen, obwohl sich die fünf Minuten wiederholen. In der Abstimmung der Festivalpassinhaber wurden auch Drehbuch und Schnitt ausgezeichnet. Beide Gewerke sind bei einer Geschichte gefragt, deren scheinbarer Neustart verständlich bleiben muss, ohne jedes Mal gleich zu wirken.
Eine Zeitschleife kann zum Spiel ohne Risiko werden, wenn jeder Fehlschlag sauber verschwindet. Bleiben Folgen bestehen, fehlt dem Paar dieser Komfort. Es kann lernen, einer unmittelbaren Gefahr zu entgehen, und zugleich neue Probleme selbst erzeugen. Der Schnitt muss zeigen, was wiederkehrt, was anders ist und welche Last die Figuren weiterhin tragen. Das Drehbuch muss diesen Unterschieden eine emotionale Bedeutung geben; sonst bleibt die Schleife ein kluges Diagramm. Der Publikumspreis hält eine Reaktion in Toronto fest. Die beschriebene Prämisse und die erläuterte Arbeitsweise geben einen konkreten Grund, den Film weiterzuverfolgen. Er fragt, ob die Wiederholung eines Augenblicks eine Beziehung retten kann, wenn beide Menschen ihre ungeklärte Vorgeschichte jedes Mal mitbringen.