Ein Kinostart nach den Festivals
Der australische psychologische Horrorfilm The Latcher hat einen Kinoverleih gefunden. Wie Variety Australia berichtet, bringt Bonsai Films James Hunters Langfilmdebüt am 1. April 2027 landesweit in die australischen Kinos. Lucy Lovegrove spielt Alice, eine trauernde Hebamme, deren abgelegenes Zuhause von einer Erscheinung aus dem Buschland Victorias bedroht wird. Zuvor lief der Film beim Melbourne International Film Festival und beim Londoner FrightFest.
Damit bekommt ein kleiner Horrorfilm ein konkretes nächstes Ziel. Festivals können einen Regisseur vorstellen. Ein Kinostart muss anschließend ein anderes Publikum für den Film selbst gewinnen. Bei The Latcher steckt die interessanteste Einladung im Widerspruch seiner Hauptfigur: Eine Frau, die andere Menschen durch eine körperlich intensive und verletzliche Erfahrung begleitet, trifft auf eine eigene Angst, die sich nicht einfach mit beruflicher Erfahrung beherrschen lässt.
Der Player verbindet sich erst nach deiner Einwilligung mit YouTube. Google kann deine IP-Adresse, Browserdaten und die Adresse dieser Seite verarbeiten, Cookies oder lokalen Speicher nutzen und Daten außerhalb der EU, auch in den USA, verarbeiten.
Die Einwilligung gilt nur für dieses Video auf dieser Seite. Du kannst den Player jederzeit deaktivieren. DatenschutzEine Hebamme ist mehr als ein Mutterschaftssymbol
Alices Beruf bietet mehr Möglichkeiten als das allgemeine Schlagwort mütterliche Angst. Fürsorge ist Arbeit. Sie verlangt geübtes Beobachten, Entscheidungen unter Druck und die Fähigkeit, hilfreich zu bleiben, während jemand anders Angst hat. Stellt man diese Kompetenz neben persönliche Trauer, entsteht ein konkreter Konflikt. Eine Figur kann genau wissen, was andere brauchen. Das eigene Leben fühlt sich deshalb noch lange nicht sicher an.
The Babadook ist ein hilfreicher Vergleich, weil häusliche Erschöpfung dort zur Dramaturgie gehört. Amelias verbrauchte Geduld verändert die Bedeutung gewöhnlicher Begegnungen mit ihrem Sohn. Der Horror zieht in kein emotional neutrales Haus ein. Relic wiederum verbindet die Unsicherheit einer Familie über eine ältere Angehörige mit ihrem Verhältnis zu einem Zuhause. Beide Filme behandeln Fürsorge als schwierige Tätigkeit. Sie ist kein automatischer Nachweis moralischer Überlegenheit.
Die Ausgangslage von The Latcher eröffnet eine verwandte Möglichkeit. Sie beweist noch nicht, dass Hunters Film sie ebenso überzeugend nutzt. Alices Fähigkeiten könnten die Spannung verschärfen: Was bemerkt sie, welchen Zeichen vertraut sie und wann beruhigt ein eigentlich vertrautes Signal plötzlich nicht mehr? Das sind ergiebigere Fragen als die pauschale Gleichung, das Monster sei in Wahrheit Trauer. Eine Metapher wird interessant, wenn sie die Handlungsmöglichkeiten einer Figur verändert.
Das Buschland muss Druck ausüben
Das Buschland Victorias ist aus einem ähnlichen Grund wichtig. Abgeschiedenheit wird oft als leerer Ort mit schlechtem Empfang verkauft. Spannender wird sie, wenn sie Entscheidungen verändert. Entfernung lässt Hilfe länger brauchen, erschwert die Zuordnung eines Geräuschs und macht Grenzen unsicher. Ein Haus hat Wände. Die Landschaft ringsum ist nicht verpflichtet, deren Bedeutung anzuerkennen.
Das australische Horrorkino nutzt die Distanz zwischen Siedlung und Landschaft immer wieder, um häusliche Kontrolle infrage zu stellen. Dafür muss die Natur nicht pauschal als feindlich gelten. Entscheidend ist, dass vertraute Maßstäbe für Sicherheit versagen. Eine Gestalt hinter dem Fenster nimmt einen anderen dramatischen Raum ein als eine Kreatur, die bereits im Flur steht. Die eine lässt den Blick suchen. Die andere verlangt eine sofortige Reaktion.
Für die Geschichte einer Helferin kann diese Unsicherheit besonders scharf werden. Fürsorge beruht darauf, Veränderungen zu bemerken und angemessen zu reagieren. Eine Umgebung, die keine verlässlichen Signale liefert, greift genau diese nützlichen Gewohnheiten an. Entwickelt der Film diesen Zusammenhang, bietet der Schauplatz mehr als schöne Dunkelheit für die Kamera. Er behindert Alice dabei, überhaupt zu verstehen, was mit ihr und ihrem Zuhause geschieht.
Warum dieser Verleih interessant ist
Bonsai-Gründer Jonathan Page war unter anderem ausführender Produzent von The Babadook, You Won't Be Alone und Monolith. Deren Qualitäten gehen durch diese Verbindung nicht automatisch auf The Latcher über. Die Erfahrung erklärt aber, warum die Partnerschaft Aufmerksamkeit verdient. Es handelt sich um Filme, deren Identität stark an einer besonderen Atmosphäre und Perspektive hängt. Ein vertrauter Markenname erledigt diese Arbeit bei ihnen nicht.
Die praktische Aufgabe besteht darin, diese Eigenart auch dem Publikum zu vermitteln. Trauer, Trauma und Isolation sind brauchbare Begriffe. Inzwischen beschreiben sie allerdings einen beträchtlichen Teil der Horrorwerbung. Eine trauernde Hebamme, die in ihrem abgelegenen Haus einer Bedrohung begegnet, ist wesentlich konkreter. Damit sind eine Person, ein Ort und ein Konflikt vorhanden. Der hier verlinkte offizielle Bonsai-Trailer ergänzt die Nachricht um einen zugänglichen ersten Eindruck.
Interessant wird The Latcher daran, wie eng seine Angst mit Alices Erfahrung von Fürsorge verbunden bleibt. Entsteht die Gefahr aus dem, was sie sieht, weiß und trotzdem nicht kontrollieren kann, hat die Idee eine empfindliche Stelle getroffen. Guter psychologischer Horror macht alltägliche Verantwortung schwerer erträglich. Er muss seine Symbolik nicht jedes Mal neu ansagen, wenn irgendwo das Licht ausgeht.