Der Film pausiert, die Zusammenarbeit geht weiter
Taika Waititi legt seinen Star-Wars-Film auf Eis und arbeitet mit Drehbuchautor Tony McNamara stattdessen an einem anderen Projekt. Das sagte der Regisseur Inverse während der Pressearbeit zu Klara and the Sun; Variety griff seine Aussagen am 19. Oktober auf. Eine spätere Rückkehr zu Star Wars schloss er nicht aus. Zum anderen gemeinsamen Vorhaben nannte er keine Einzelheiten.
Die kreative Partnerschaft verdient weiterhin Aufmerksamkeit. Waititi und McNamara arbeiten beide mit komischer Störung. Ihr stärkstes Material fügt ernsten Situationen nicht einfach Witze hinzu. Es verändert die Bedingungen, unter denen Autorität überhaupt ernst und selbstverständlich erscheinen darf.
Was Respektlosigkeit im Franchise leisten kann
Thor: Ragnarok zeigt am deutlichsten, wie Waititi in einer etablierten Filmwelt arbeitet. Ein großer Teil der komischen Energie entsteht daraus, die feierliche Würde des Helden abzubauen. Thors Rang sichert ihm wiederholt nicht die erwartete Reaktion. Den Raum, der durch diese Demütigung entsteht, kann der Film anschließend nutzen, um Beziehungen neu zu ordnen und die Handlung in eine andere Richtung zu treiben.
Das ist etwas anderes, als jeden dramatischen Moment mit einem Spruch zu versehen. Ein Witz, der die Position einer Figur verändert, hat Folgen. Ein Witz, der einem Gefühl bloß hinterhergeschickt wird, kann dieses Gefühl entwerten. Gerade bei Star Wars ist der Unterschied wesentlich. Rituale, Herkunft und übernommene Verantwortung liefern dort einen beträchtlichen Teil des dramatischen Gewichts und prägen, was Figuren voneinander erwarten.
Ein Regisseur muss nicht jede würdevolle Geste erhalten, um dieser Welt gerecht zu werden. Schon die ursprünglichen Filme enthalten Streit, Ungeduld und reichlich unwürdiges Verhalten. Das komische Entlüften wird allerdings weniger interessant, wenn anschließend gar nichts mehr Bestand haben muss. Ein Franchisefilm muss entscheiden, an welche Beziehungen man noch glauben soll, nachdem die große Zeremonie ihre ersten Löcher bekommen hat.
McNamaras Figuren stecken in den Regeln fest
McNamaras Drehbuch zu The Favourite bietet eine schärfere Form von Komik. Zugang zur Macht verändert die Bedeutung von Nähe, Freundlichkeit und Gehorsam. Das komische Verhalten lässt sich nicht von dem System trennen, das es belohnt. Poor Things baut eine andere Welt und einen anderen Ton. Aber auch dort werden gesellschaftliche Regeln fremd, sobald eine Figur sie nicht länger als naturgegeben akzeptiert.
Daraus könnte eine ergiebige Verbindung mit Waititis Interesse an Außenseitern und gewählten Familien entstehen. Der eine Ansatz verunsichert die Regeln. Der andere findet häufig Gefühle bei Menschen, die in diese Regeln nicht bequem hineinpassen. Gemeinsam ließe sich durch Komik eine gesellschaftliche Ordnung freilegen, während die Menschen darin mehr bleiben als bloße Funktionen des jeweiligen Witzes.
Jojo Rabbit zeigt, warum dieses Gleichgewicht schwierig und produktiv sein kann. Das kindliche Verständnis einer politischen Welt erzeugt komische Verzerrung und zugleich eine Grenze, mit der sich die Geschichte auseinandersetzen muss. Für ein neues Projekt von Waititi und McNamara wäre deshalb entscheidend, wessen Perspektive die Absurdität ordnet. Ohne diesen Anker kann Eigenwilligkeit zu einer Sammlung unterhaltsamer Oberflächen werden.
Eine eigene Welt kann genauer werden
Außerhalb von Star Wars könnten beide freier festlegen, was ihre Welt bedeutet. Sie müssten nicht zuerst den Platz innerhalb einer bestehenden Mythologie und die Verpflichtungen vertrauter Institutionen verhandeln. Das ist eine Möglichkeit, keine Vorhersage über den noch nicht vorgestellten Film. Auch eine neue Welt braucht ausreichend belastbare Regeln, damit deren Verletzung überhaupt etwas auslöst und nicht bloß beliebig wirkt.
Der Vorteil läge in der Genauigkeit. Ein Hof, ein Haushalt oder ein Arbeitsplatz kann um genau den Widerspruch gebaut werden, den eine Geschichte untersuchen möchte. Ein Witz zeigt dann, wie das System funktioniert. Er unterbricht nicht bloß die Handlung, um dem Publikum zu signalisieren, dass alle seine Konventionen kennen. Welt und Komik können miteinander entstehen.
Ein Franchise verhindert eigenständige Arbeit auch nicht automatisch. Entscheidend ist, ob die Methode des Regisseurs zu den Ansprüchen des Materials passt. Manchmal geben übernommene Bilder einen nützlichen Widerstand. Manchmal verbrauchen sie die Aufmerksamkeit, die neue Figuren brauchen. Waititis Aussage liefert keinen Beleg dafür, weshalb gerade dieses Projekt pausiert. Eine Diagnose seiner Produktionsgeschichte lässt sich daraus nicht ableiten.
Übrig bleibt eine konkrete kreative Verbindung, die auch für sich Aufmerksamkeit verdient. Reizvoll ist nicht allein die Vorstellung bekannter komischer Stimmen zwischen Lichtschwertern. Interessanter wäre, ob zwei Autoren unbequemer Machtverhältnisse eine Geschichte bauen, deren Witze etwas freilegen und deren emotionale Bindungen diese Witze überstehen. Ein solcher Ehrgeiz kommt auch ohne berechnete Hyperraumroute ziemlich weit.