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Rotterdam stellt die ersten zehn Weltpremieren für 2027 vor

Die erste IFFR-Auswahl verteilt sich auf Bright Future und Harbour; Filme aus Nepal, Malaysia und Angola sind dabei.

Die ersten Namen im Programm

Das Internationale Filmfestival Rotterdam hat die ersten zehn Weltpremieren seiner Ausgabe 2027 vorgestellt. Vier Filme laufen nach dem Bericht des Hollywood Reporter in Bright Future, sechs in Harbour. Das Festival nennt den 28. Januar bis 7. Februar als Zeitraum. Unter den ersten Titeln sind eine nach Nepal versetzte Adaption von Schuld und Sühne, eine malaysische Kannibalenkomödie, eine politische Fantasie aus Angola und Dokumentarfilme über Vertreibung und künstlerisches Leben. Diese kurzen Programmbeschreibungen sind noch keine Urteile über Filme, die erst gezeigt werden. Sie machen die erste Bekanntgabe aber interessanter als einen Termin im Kalender. Rotterdam bietet verschiedene Zugänge: neue Filmschaffende, überraschende Schauplätze, Experimente mit der Form und Geschichten über gegenwärtige Spannungen. Eine erste Auswahl kann niemals das gesamte Festival abbilden. Sie zeigt jedoch, welche Gespräche die Veranstalter schon jetzt anstoßen möchten. Die genannten Sektionen helfen außerdem, diese erste Auswahl von der späteren Vorstellung des vollständigen Programms zu unterscheiden.

Geschichten in einem anderen Rahmen

Reizvoll ist, wie bekannte Ausgangslagen durch Ort und Form fremd werden können. Parbat Chapagais Portrait of a Young Criminal verlegt Dostojewskis Kriminalstoff nach Nepal und rückt die Entscheidungen seiner Figuren in einer Kleinstadt in den Mittelpunkt. In Lucila Las Heras' The Muglur schließt eine Schriftstellerin, die mit ihrem alkoholkranken Vater lebt, einen Handel mit einem Wesen. Den möglichen Preis trägt diejenige, die Hilfe sucht. Ob einer der Filme seine Idee überzeugend umsetzt, wissen wir noch nicht. Die Beschreibungen deuten aber auf Verwandlung statt bloßer Neuheit. Adaptionen und Märchen bringen Erwartungen mit. Spannend wird es, wenn Filmschaffende diese Erwartungen nutzen, um einen örtlichen Konflikt, eine eigene Stimme oder eine Bildsprache sichtbar zu machen, die nur zu diesem Film gehört. Ein Festival kann solche Werke nebeneinanderstellen. Dadurch lässt sich beobachten, wie unterschiedlich Kino moralische Entscheidungen ins Bild übersetzt. Ein neuer Schauplatz zählt vor allem dann, wenn er den Druck auf eine Figur verändert, statt bloß ungewöhnliche Bilder zu liefern.

Viele Formen der Gegenwart

Die Harbour-Titel erweitern diesen Blick. Kiluanji Kia Hendas Karl Marx, Luanda entwirft eine satirische Zukunft Angolas. Ali Bakhtiaris Tehran the Obscure Atelier of Desire beobachtet Künstler in ihren Studios. Omer Shamirs Waiting Room folgt einer vertriebenen Familie und bleibt nah bei Menschen, deren Leben durch einen fortdauernden Bruch verändert wird. Rita Hui Nga Shus The Lapse prüft mit Dokumenten und einer KI-geklonten Stimme öffentliche Versprechen am privaten Erleben. Unter demselben Festivalnamen stehen damit nicht austauschbare Themen, sondern verschiedene Formen und Haltungen. Fantasie kann Bilder von einer wörtlichen Behauptung lösen. Dokumentarfilm kann kleine Handlungen mit historischem Gewicht versehen. Die Bekanntgabe lädt dazu ein, diese Entscheidungen zu vergleichen. Sie behauptet nicht, dass ein einziges dringendes Thema alle zehn Filme erklärt. Jeder von ihnen wird die Aufmerksamkeit des Publikums auf eigene Weise verdienen müssen. Der Wert des Festivals könnte gerade darin liegen, diese Unterschiede zu bewahren und dennoch Begegnungen zwischen den Filmen zu ermöglichen.

Was eine erste Auswahl leisten kann

Frühe Festivaltitel begegnen uns meist als kurze Beschreibung plus Herkunftsland. Das weckt Neugier, kann einen Film aber auch auf seine Prämisse verkürzen. Die ersten zehn aus Rotterdam verlangen etwas Geduld. Feisal und Iskander Azizuddins Ali and Ben's Spicy Meats wird etwa über eine abwegige Kannibalenkomödie eingeführt, während die Dokumentarporträts auf genaue Beobachtung zielen. Daraus folgt noch nicht, dass einer dieser Filme nur einen einzigen Ton besitzt. Das vollständige Programm, die Vorführungen und Reaktionen liefern später eine bessere Grundlage für Urteile. Im Moment eröffnet die Auswahl eine Karte möglicher Entdeckungen: Debüts neben Rückkehrern, Fiktion neben Dokumentarfilm, persönliche Geschichten neben politischen Entwürfen. Bis Januar vergeht noch Zeit, doch die frühe Bekanntgabe hat bereits einen konkreten Nutzen. Sie bringt Namen und Werke ins Gespräch, bevor der Blick auf die bekanntesten Titel der Preissaison alles andere überdeckt. Gerade Filme ohne große Werbekampagne können davon profitieren. Frühe Aufmerksamkeit hilft besonders kleineren Produktionen, deren Publikum sich erst durch Entdeckungen und Gespräche bildet.

Quellen