DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNAL · SEIT 2019HorrOctober2026
filmbuZZer
← Zurück zu den NewsNEWS

Ron Koslow, Schöpfer von Die Schöne und das Biest, stirbt mit 81

Seine Familie hat den Tod des Autors und Produzenten bekannt gegeben. Sein modernes Märchen machte eine verborgene Stadt und eine ungewöhnliche Beziehung zur Grundlage einer Fernsehserie.

Der Serienhintergrund enthält eine wichtige Entwicklung aus Staffel drei.

Ein Märchen mit einer zweiten Stadt darunter

Ron Koslow, Autor und Produzent der CBS-Fantasyserie Die Schöne und das Biest, ist mit 81 Jahren gestorben. Seine Familie gab den Tod in einer am 18. Oktober veröffentlichten Traueranzeige bekannt. The Hollywood Reporter berichtete anschließend, Koslow sei am 7. Oktober in seinem Haus in Brentwood gestorben. Auch die Television Academy verzeichnet dieses Datum.

Koslows bekannteste Serie verband Linda Hamiltons New Yorker Staatsanwältin Catherine mit Ron Perlmans Vincent, einem edlen Mensch-Biest, das in einer verborgenen Welt unter der Stadt lebt. Die Serie lief von 1987 bis 1990. Zum kreativen Team gehörten George R.R. Martin, Howard Gordon und Alex Gansa.

Diese Verbindung gab der Serie eine starke dramatische Architektur. New York war kein bloß wiedererkennbarer Schauplatz, dem man etwas Fantasy hinzufügte. Die Trennung zwischen Oberfläche und Unterwelt übersetzte die Frage nach Zugehörigkeit in Räume. Ein Weg durch die Stadt konnte zum Wechsel zwischen unterschiedlichen Regeln werden: Wer verdient Schutz, und wer darf überhaupt sichtbar sein?

Die verborgene Gemeinschaft sorgte außerdem dafür, dass die zentrale Liebesgeschichte außerhalb einer privaten Begegnung existieren konnte. Eine Beziehung wird reichhaltiger, wenn sie Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen und einem Ort mit eigenen Bedürfnissen hat. Die Liebenden verbindet dann mehr als gegenseitige Faszination. Ihre Entscheidungen betreffen eine Gemeinschaft, deren Gegenwart der Fantasie eine soziale Form gibt.

Die ungewöhnliche Belohnung im Kern der Geschichte

Die Programmbeschreibung der Television Academy benennt einen weiteren wesentlichen Punkt: Vincent muss sich nicht in einen konventionell schönen Mann verwandeln, damit die Beziehung einen Wert bekommt. Seine inneren Eigenschaften bleiben zentral. Damit verändert die Serie die erwartete Belohnung des bekannten Märchens, ohne dessen romantische Grundlage aufzugeben.

Dieser Unterschied zählt, weil eine Verwandlung die vermeintliche Lehre einer Geschichte leise umkehren kann. Beweist sich Liebe darin, Schönheit unter einem erschreckenden Äußeren zu erkennen, lässt dessen Beseitigung am Ende die Akzeptanz vorläufig erscheinen. Bleibt der Unterschied sichtbar, muss die Beziehung diese Akzeptanz weiter leisten. Das ist eine anspruchsvollere Grundlage für eine fortlaufende Serie.

Fernsehen eignet sich besonders für diese Aufgabe. Ein Film kann auf eine entscheidende Erkenntnis zulaufen. Eine Serie kehrt nach dieser Erkenntnis zu den Menschen zurück und fragt, welches alltägliche Verhalten daraus folgt. Vertrauen muss Unterbrechungen, widersprüchliche Verpflichtungen und die praktische Schwierigkeit verschiedener Lebenswelten überstehen. Ein Konzept trägt dann lange, wenn es neben spektakulären Rettungen auch solche kleineren Aushandlungen hervorbringen kann.

Die Academy verzeichnet für Koslow drei Emmy-Nominierungen zu Die Schöne und das Biest: 1988 für das Drehbuch sowie 1988 und 1989 in der Kategorie Dramaserie. Die Kategorien spiegeln sowohl die individuelle Konstruktion einer Geschichte als auch die fortlaufende gemeinsame Aufgabe, eine Serie zu tragen.

Gerade bei einer solchen Mischung darf die Wiederholung produktiv werden. Ein bekannter Rückzugsort kann in einer Folge Schutz bedeuten und in der nächsten eine Grenze, die niemand freiwillig überschreitet. Die Umgebung muss nicht ständig erweitert werden, um eine andere emotionale Funktion zu übernehmen.

Ein Autor in unterschiedlichen Erzählformen

Zu Koslows Kinodrehbüchern gehörten Lifeguard, Firstborn und Into the Night. Fürs Fernsehen entwickelte er außerdem Roar und Moonlight mit. Die Traueranzeige seiner Familie stellt seine Filmarbeit neben Die Schöne und das Biest, statt die Serie als seine einzige Leistung zu behandeln.

Der Wechsel zwischen Kino und Fernsehen verlangt unterschiedliche Formen dramatischer Ökonomie. Ein Spielfilm kann seine gesamte Gestaltung darauf richten, das Leben eines Menschen zu verändern. Eine fortlaufende Serie muss dieser Veränderung eine Umgebung geben, aus der eine weitere Geschichte entstehen kann. Die zwei Welten von Die Schöne und das Biest liefern dafür ein klares Beispiel: Der Schauplatz enthält einen dauerhaften Unterschied, dem sich die nächste Folge aus einer anderen Richtung nähern darf.

Darin liegt auch eine Erinnerung an die Möglichkeiten der Fantasy. Eine verborgene Siedlung, ein fremdartiges Gesicht oder eine unmögliche Verbindung können mehr sein als schmückende Mythologie. Sie machen gewöhnliche emotionale Probleme schwerer vermeidbar. Wo darf ich leben? Wer erkennt mich an? Was kostet es, jemanden zu schützen, wenn meine Gegenwart nicht offen eingestanden werden kann?

Koslows bleibende Fernsehidee gab solchen Fragen einen Ort und eine Beziehung. Ihr Reiz hängt nicht davon ab, Fantasy als Ersatz für menschliche Schwierigkeiten zu behandeln. Sie nutzt das Unmögliche, um diese Schwierigkeiten sichtbar zu machen, und gibt ihren Figuren anschließend genug Zeit, mit ihnen zu leben.

Quellen