DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNAL · SEIT 2019HorrOctober2026
filmbuZZer
← Zurück zu den NewsNEWS

Rode to Ruin besetzt Richard Gadd, Bill Camp und Ray McKinnon

Drei Darsteller verstärken Michael Keatons Western über eine jahrzehntelange Rache.

Neue Gesichter in einer langen Jagd

Richard Gadd, Bill Camp und Ray McKinnon gehören neu zur Besetzung von Rode to Ruin, dem Westernthriller, bei dem Michael Keaton Regie führt und mitspielt. Gedreht wird derzeit in New Mexico. Die Neuzugänge können die lange Verfolgung um weitere Menschen erweitern. Eine Jagd über Jahrzehnte wird erst interessant, wenn der Marshal Personen begegnet, deren Leben trotz seiner Besessenheit weiterging. Ein jüngerer Verfolger könnte dem Marshal die eigene Verbissenheit aus einer anderen Generation vor Augen führen. Erst wenn ihre Ziele auseinandergehen dürfen, bekommt eine Begegnung Gewicht. Das Ensemble sollte mehr als eine Sicht auf diese Verfolgung zulassen. Die Besetzung gibt der ungewöhnlichen Geschichte mehr mögliche Blickwinkel. Wer in der zentralen Fehde auf welcher Seite steht, lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Die Geschichte folgt einem pensionierten Marshal nach vierzig Jahren Suche nach dem Mörder seiner Frau. Er findet einen alternden Gesetzlosen mit schwindender Erinnerung und eine Wahrheit, die beide gefährdet. In einem gewöhnlichen Rachewestern erinnert sich der Gesuchte an die Tat, und der Verfolger verlangt eine Antwort. Hier könnte das Gedächtnis versagen, bevor es zur Abrechnung kommt. Der alte Konflikt verliert damit seine vermeintliche Gewissheit. Der Marshal kennt seinen Schmerz vielleicht genau. Der Mann vor ihm ist womöglich nicht mehr in der Lage, seine Geschichte auf eine befriedigende Weise zu bestätigen oder zurückzuweisen.

Was die Schauspieler einbringen können

Die jüngere Figur könnte eine zweite Rachegeschichte eröffnen. Vielleicht verlangt sie eine eigene Antwort, während der ältere Mann eine Suche beenden möchte, die sein Leben aufgebraucht hat. Der Film könnte die beiden Wege nebeneinanderstellen und fragen, ob der Jüngere das Leben des Älteren wiederholt oder ihm widerspricht. Ihre unterschiedlichen Motive könnten ein späteres Aufeinandertreffen vielschichtiger machen. Camp und McKinnon könnten sehr unterschiedliche Gegengewichte schaffen, aber ihre Rollen sind nicht bekannt. Interessant an den neuen Namen ist deshalb vor allem, dass die Welt um die beiden Suchenden größer wird.

Die Regie muss die lange Verfolgung wie ein gelebtes Leben zeigen, statt sie bloß immer weiter auszudehnen. Ein Western unter Regie seines Stars kann leicht zur Schau vertrauter Staublandschaften und Duelle werden. Diese Ausgangslage verlangt auch leisere Entscheidungen: Was tut jemand, wenn die Aussage, die eine lebenslange Suche beenden könnte, nicht verlässlich ist? Eine Verfolgung lässt sich spannend inszenieren. Doch vierzig Jahre bekommen erst Gewicht, wenn die Begegnungen mit anderen Menschen zeigen, wie diese Suche das Leben des Marshals geformt hat. Der Schmerz begann lange vor der ersten Szene und wirkte in jedem Jahr weiter.

Ein Western über Gewissheit

Die Geschichte braucht ein klares Gefühl für vergangene Zeit. Eine lebenslange Verfolgung klingt in einer Inhaltsangabe groß. Im Film müssen sich veränderte Loyalitäten, ältere Körper und verpasste Pflichten bemerkbar machen. So bekäme die Frage nach dem Ende der Jagd Gewicht. Ein Weg ins Kino ist wichtig. Seine Dringlichkeit muss der fertige Film jedoch durch die Entscheidungen seiner Figuren gewinnen. Gesichert sind bisher die Ausgangslage und die größere Besetzung. Entscheidend wird sein, ob der Gedächtnisverlust als menschliches Problem behandelt wird und nicht nur als bequeme Wendung, die eine Antwort hinauszögert.

Ein Western eignet sich für Menschen, die alte Vorstellungen von Gerechtigkeit mit sich tragen. Seine Landschaften können eine einsame Mission heldenhaft aussehen lassen, selbst wenn sie jemandem die Chance auf ein anderes Leben genommen hat. Rode to Ruin könnte diese Bildsprache gegen seine Figuren wenden. Die Gewissheit des Marshals hält ihn vielleicht in Bewegung; womöglich hindert sie ihn zugleich daran, die Menschen an seiner Seite zu sehen. Eine zweite Verfolgung könnte die Sicht des Marshals aus einer Perspektive prüfen, die er bisher überhört hat. Treffen ihre Geschichten wirklich aufeinander, ist die Besetzung mehr als ein Staraufgebot. Dann fragt der Film auf verschiedenen Wegen, was nach der Rache überhaupt übrig bleibt.

Die Suche verändert alle

Eine lange Verfolgung fragt auch, was der Marshal übersehen hat, während er nur in eine Richtung blickte. Freunde altern, Orte verändern sich, Jüngere übernehmen Streitigkeiten, die sie nicht begonnen haben. Gadds Bandenführer könnte diese zweite Generation verkörpern, ohne bloß ein Spiegelbild des Helden zu sein. Bekommt er einen eigenen Wunsch und eine andere Erzählung der Vergangenheit, erschwert das beide Jagden. Dieser Western braucht kein übernatürliches Mittel, um seine Figuren von Geschichte verfolgen zu lassen. Erinnerungen und ihre Lücken reichen aus.

Quellen