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Matthew-Perry-Doku startet am 27. Oktober bei Netflix

Die dreiteilige Serie stützt sich auf Erinnerungen der Familie und enger Freunde jenseits einer berühmten Fernsehrolle.

Ein Blick aus der Familie

Netflix veröffentlicht am 27. Oktober die dreiteilige Dokumentarserie The One About Matthew Perry. Regisseurin Mary Robertson baut sie um Menschen auf, die Perry nahe standen, darunter seine Schwester Mia Perry Bowick und langjährige Freunde. Laut Netflix verwendet die Produktion bislang unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Familienbesitz sowie neue Aussagen. Auch frühere Kollegen und Menschen aus Perrys Einsatz für Betroffene von Suchterkrankungen kommen zu Wort.

Diese Mischung bietet eine Chance und verlangt Sorgfalt. Bekannte Szenen mit Chandler Bing können zeigen, weshalb Perry für die Fernsehkomödie wichtig war. Sie ersetzen aber nicht den Menschen, den seine Familie kannte. Umgekehrt darf schmerzhaftes privates Material nicht zur bequemen Dramaturgie werden, in der jede Erinnerung nur noch auf seinen Tod vorausdeutet. Ein guter Dokumentarfilm muss Widersprüche stehen lassen: Ein Mensch kann witzig, großzügig, schwierig, krank und geliebt zugleich sein, ohne dass eine Eigenschaft die anderen auslöscht.

Das bekannte Gesicht und der private Mensch

Perry spielte Chandler über viele Jahre in Friends. Robertsons Projekt stellt nun Menschen in den Vordergrund, deren Beziehung zu ihm weit über das Set hinausreichte. Perry Bowick spricht erstmals vor der Kamera über ihren Bruder; unter den angekündigten Interviewten sind auch Jugendfreund Roger Castillo und Schauspieler David Pressman.

Diese Stimmen sind wertvoll, weil sie nicht alle dasselbe endgültige Urteil über ein berühmtes Leben liefern müssen. Jeder kannte einen bestimmten Perry in einer bestimmten Zeit. Erinnerungen können sich decken, widersprechen oder sich der glatten Chronologie einer Filmbiografie entziehen. Diese Unschärfe sollte der Film bewahren. Nutzt er jedes Interview nur als Beleg für eine einzige These, verschwinden die lebendigen Beziehungen. Lassen die Gesprächspartner dagegen erkennen, was sie damals sahen und was ihnen verborgen blieb, könnte die Distanz zwischen öffentlicher Bekanntheit und privater Nähe ehrlicher sichtbar werden.

Wie die Sucht erzählt wird

Zu den angekündigten Gesprächspartnern zählen Tim Harrington, der Perry bei einem Treffen im Rahmen der Suchtrehabilitation kennenlernte, und West Huddleston, der mit ihm bei Kampagnen für Drogen-Gerichtshöfe arbeitete. Netflix nennt außerdem den früheren US-Staatsanwalt E. Martin Estrada. Der Film bewegt sich damit offenbar zwischen persönlicher Erinnerung, öffentlichem Engagement und den Umständen von Perrys Tod.

Diese Ebenen brauchen ein gutes Maß. Perrys Suchterkrankung gehört zu seiner Geschichte, und er sprach selbst offen darüber. Sie darf sein kreatives Leben aber nicht verschlucken oder seine Freunde zu Erzählern eines medizinischen Falls machen. Sein Engagement zeigt eigenes Handeln, nicht nur Leid. Ein Staatsanwalt kann nötigen Kontext liefern. Juristische Fakten sollten jedoch präzise bleiben und von persönlichen Erinnerungen getrennt werden. Zuschauer sollten Ereignisse verstehen können, ohne dass jede Freundschaft rückwirkend allein vom letzten Kapitel her gedeutet wird.

Was ein Porträt leisten kann

Netflix beschreibt die Serie als persönlichen Bericht und nicht bloß als Rückblick auf Fernseh-Höhepunkte. Robertson und Maxine Productions haben drei Folgen dafür vorgesehen. Das lässt Raum für unterschiedliche Lebensphasen und Beziehungen. Die dreiteilige Form gibt Robertson Raum, verschiedene Erinnerungen nebeneinanderstehen zu lassen, ohne sie zu einem einzigen Urteil zu zwingen.

Über einen Sitcomstar, dessen Sprüche Teil der Popkultur wurden, mangelt es nicht an Material. Die besondere Möglichkeit dieser Doku liegt woanders: Sie kann zeigen, wie jemand mit ständiger Wiedererkennung lebt und zugleich mehr sein will als die Rolle, mit der Fremde ihn begrüßen. Familienbilder und alte Freunde können diesen Gegensatz sichtbar machen. Private Zugänge erzeugen aber nicht automatisch Nähe. Die entsteht, wenn ein Mensch komplizierter bleiben darf als sein am leichtesten teilbarer Moment. Gelingt das, kann die Serie sowohl Fans jeder Friends-Folge als auch Menschen erreichen, die Perry vor allem durch seine Offenheit über seine Krankheit kennen.

Die Verantwortung der Nähe

Die Serie verfügt über Menschen und Material, die einem gewöhnlichen Starporträt nicht offenstehen. Diese Nähe sollte Verständnis vertiefen und Trauer nicht als Versprechen exklusiver Enthüllungen verkaufen. Ein Foto kann Zuneigung zeigen, aber nicht alles erklären, was jemand empfand. Ein Interview kann offen sein und dennoch Privatheit achten. Solche Grenzen sind keine Schwäche des Dokumentarfilms; sie können gerade Ausdruck von Respekt sein. Vielleicht ist das bewegendste Porträt eines, das seinen Zuschauern unvollständiges Wissen zumutet und trotzdem einen ganzen Menschen erkennen lässt. Nähe entsteht nicht erst dort, wo jedes letzte Detail öffentlich wird.

Quellen