Der Bericht verrät aktuelle Handlungsentwicklungen in NCIS und NCIS: Origins. Die Ankündigung umreißt die Gegenwartsermittlung.
Bishop kommt in die Gegenwartshandlung
Emily Wickersham spielt Ellie Bishop in mehreren Folgen der dritten Staffel von NCIS: Origins, berichtet Deadline. Ihr erster Auftritt ist für die US-Folge Shimmy Shimmy Ya am 27. Oktober angesetzt. Sie trifft damit innerhalb der Gegenwartshandlung der Serie auf Mark Harmons älteren Gibbs.
Das entscheidende Wort ist Beziehung. Einen bekannten Darsteller in ein langlebiges Franchise zurückzubringen ermöglicht sofortiges Wiedererkennen. Allein daraus entsteht aber noch keine Szene. Bishop kann dem älteren Gibbs jemanden mit gemeinsamer Vergangenheit gegenüberstellen, der trotzdem erst herausfinden muss, was er jetzt denkt. Vertrautheit schafft einen Ausgangspunkt. Sie muss nicht schon vor dem ersten Austausch festlegen, wie sich beide Menschen begegnen und welche Antworten sie voneinander erwarten dürfen.
CBS hatte bereits im Juni angekündigt, dass Harmon durch die gesamte dritte Staffel in einer Gegenwartsermittlung zu sehen sein wird, die mit Gibbs' früher Laufbahn verbunden ist. Austin Stowell spielt weiter den jungen Gibbs der frühen Neunziger; Harmon übernimmt außerdem die Erzählstimme. Wickershams Besetzung ergänzt diese bestehende Struktur.
Die beiden Zeitebenen geben der Serie eine produktive Ungleichheit. Der jüngere Mann kennt seine Zukunft nicht. Der ältere besitzt Wissen, das er nicht einfach rückwärts übertragen kann. Eine Folge darf eine frühe Entscheidung neben eine spätere Konsequenz stellen, ohne das eine auf die Erklärung des anderen zu reduzieren. Eine wiederkehrende Kollegin ergänzt einen weiteren Blick auf den Menschen, der aus Gibbs geworden ist. Ihre Erfahrung mit ihm ist eine andere als seine eigene Erinnerung.
Gemeinsame Vergangenheit verändert das Gespräch
Wickersham spielte Bishop acht Staffeln lang in NCIS, bevor sie 2021 ausstieg. Anfang dieses Jahres kehrte sie für einen Gastauftritt zurück. Diese Vorgeschichte gibt einer neuen Begegnung eine bestehende Grundlage. Das Prequel muss dafür nicht jede Station der Beziehung noch einmal ausführlich nacherzählen.
Die nützlichsten Szenen lassen Geschichte im praktischen Verhalten sichtbar werden. Jemand weiß, welche Antwort ausweichend sein wird, erkennt den Versuch eines Themenwechsels oder verweigert eine vertraute Anweisung. So fühlt sich eine Rückkehr gelebt an. Die Darstellerin bekommt etwas zu tun, das über den Nachweis der fortbestehenden größeren Serienwelt hinausgeht. Auch ein kurzer Austausch kann dadurch zeigen, wie viel beide bereits voneinander kennen und was sie diesmal anders behandeln müssen.
Alter verändert ebenfalls das Gleichgewicht einer eingespielten Beziehung. Wer früher Anleitung gab, braucht jetzt womöglich Hilfe, Auskunft oder Geduld. Eine frühere Kollegin kann das Vertraute erkennen und auf die veränderte Situation reagieren. Ein Wiedersehen erhält dadurch Platz für Humor und Unbehagen, ohne dass eine Figur zum sentimentalen Denkmal früherer Folgen werden muss. Gerade kleine Verschiebungen können zeigen, dass die gemeinsame Geschichte weitergeht, statt nur feierlich aufgerufen zu werden.
Die Gefahr liegt darin, dass Zuneigung jede Begegnung zu einvernehmlich macht. Eine zurückkehrende Figur sollte unterbrechen, widersprechen und ein eigenes Ziel verfolgen dürfen. Das beschädigt Vertrautheit nicht, sondern macht sie glaubwürdig. Eine Beziehung wird durch die Anpassungen sichtbar, die Menschen füreinander leisten. Besonders interessant werden diese Anpassungen, wenn sie nicht mehr selbstverständlich gelingen und beide erst herausfinden müssen, welche alten Gewohnheiten unter den neuen Umständen überhaupt noch passen.
Zwei Versionen von Gibbs machen Wandel sichtbar
Auch die jüngere Besetzung des Prequels braucht eine eigene Gegenwart. Eine Szene in den Neunzigern sollte zählen, weil ihre Menschen eine Entscheidung treffen müssen. Es genügt nicht, dass Zuschauer darin einen späteren Bezug erkennen. Die stärkste Verbindung zwischen Zeiträumen entsteht durch eine Handlung, deren Bedeutung sich verändert und die unter ihren ursprünglichen Umständen trotzdem verständlich bleibt. So wird die frühere Welt nicht lediglich zur Illustration dessen, was längst feststeht.
Stowell und Harmon können diesen Wandel durch das Spiel ausdrücken. Kontinuität verlangt nicht die Übereinstimmung jeder Geste. Derselbe Impuls kann bei einem unerfahrenen Ermittler anders aussehen als bei einem älteren Mann mit angesammelten Gewohnheiten. Eine Pause signalisiert einmal Unsicherheit und dient später zur Steuerung eines Gesprächs. Das Publikum erkennt eine Verbindung, ohne bloß eine Nachahmung zu sehen. Die Ähnlichkeit gewinnt ihren Wert dann gerade durch den Unterschied zwischen beiden Lebensphasen.
Bishops Rückkehr gehört auf die spätere Seite dieses Austauschs. Ihre Anwesenheit kann zeigen, wer den älteren Gibbs kennt und was diese Menschen noch von ihm verlangen können. Das ist wichtig, weil eine Gegenwartshandlung Beziehungen mit eigener Bewegung braucht. Sie darf nicht ausschließlich als Rahmen bestehen, der der früheren Geschichte ihre künftige Bedeutung erklärt. Auch jetzt müssen Menschen aufeinander reagieren, etwas wollen und möglicherweise nicht bekommen, was sie von der Begegnung erhofft haben.
Der Oktoberauftritt bietet deshalb mehr als ein Wiedersehen. Er kann NCIS: Origins helfen, seine beiden Zeitebenen durch Menschen aufeinander antworten zu lassen. Bleiben die Entscheidungen der jüngeren Figuren lebendig und dürfen ältere Beziehungen sich verändern, wird das bekannte Gesicht zum Teil der dramatischen Bewegung. Die Serie hält dann nicht kurz an, um die eigene Kontinuität zu feiern. Sie nutzt diese Kontinuität, um eine gegenwärtige Begegnung schwieriger und interessanter zu machen.