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Neon steigt beim US-Start der Gaza-Doku Naza ein

Der Verleih unterstützt einen Film, der in den USA bereits angelaufen ist. Die neue Vereinbarung könnte die Aussagen der Doku über die erste Kinowelle hinaus sichtbarer machen.

Ein Verleih kommt nach dem Kinostart dazu

Neon steigt beim US-Start von Naza ein. Das berichtet Screen International am 21. Oktober. Die Dokumentation stammt von Yuval Abraham und Rachel Szor. Naza lief in den USA bereits am 30. September unabhängig an. Neon arbeitet nun mit The Guardian, MK2 sowie den Produzenten James Wilson und Jonathan Glazer an der nächsten amerikanischen Phase. Ein etablierter Verleih übernimmt damit einen Film, der sein Publikum schon im Kino erreicht.

Der Zeitpunkt prägt diese Vereinbarung. Ein Verleih kann auf das Interesse an den ersten Aufführungen aufbauen und Kontakte zu weiteren Kinos einbringen, die einer eigenständig organisierten Auswertung fehlen können. Screen nennt für den bisherigen US-Lauf 85 Kinos in 30 Städten und Einnahmen von knapp 886.000 Dollar. Neon steigt also in eine bereits laufende Auseinandersetzung zwischen Film und Publikum ein.

The Guardian hatte schon im September einen internationalen Kinoplan vorgestellt, darunter den US-Start am 30. September und Aufführungen in zahlreichen Ländern. Auf der eigenen Filmseite ist derzeit von mehr als 50 Ländern die Rede. Dort steht auch, dass Naza ab Ende November kostenlos auf der Website des Guardian verfügbar sein soll. Neon verändert damit einen bestimmten Teil einer bereits laufenden Veröffentlichung: die Verbreitung in US-Kinos.

Die Filmseite des Guardian führt aktuelle Vorführungen auf und zeigt den Trailer. Dort lässt sich verfolgen, wo die Dokumentation zu sehen ist, während Neon den amerikanischen Kinolauf ausbaut. Bei einem Film, dessen Thema längere Auseinandersetzung verlangt, kann eine Vorführung mit Raum für Gespräche vor Ort ebenso wichtig sein wie die Zahl der Spielstätten.

Womit sich der Film befasst

Naza enthält laut Screen International Interviews mit 24 israelischen Geheimdienstangehörigen und Soldaten über die Tötung von Zivilisten in Gaza. Ihre Aussagen bilden das zentrale Material der Dokumentation. Das Publikum hört damit Menschen aus dem Umfeld jener Institutionen, die der Film untersucht. Die schweren Behauptungen zu einzelnen Vorfällen verlangen zugleich einen genauen Blick auf die Belege, die er vorlegt.

Die Wahl dieser Gesprächspartner gibt dem Film eine andere Form als einer Arbeit, die nur offizielle Erklärungen oder Kommentare aus der Ferne sammelt. Für einen größeren Verleih entsteht daraus eine anspruchsvolle Aufgabe. Er muss erklären, was untersucht wird, ohne die betroffenen Menschen zu einem Werbemotiv zu verkürzen. Mit zusätzlichen Kinoeinsätzen wird diese Verantwortung noch sichtbarer.

The Guardian ist an der Veröffentlichung beteiligt; Screen berichtet über die Neon-Vereinbarung und die Zahlen des bisherigen US-Laufs. Zusammen zeigen diese Angaben, wie die Dokumentation ihr Publikum erreicht: über internationale Kinopartner, einen verstärkten amerikanischen Verleih und ein geplantes kostenloses Onlinefenster. Jeder dieser Wege schafft eine andere Situation für die Begegnung mit dem Film.

Eine Kinovorführung kann Raum für eine gemeinsame Auseinandersetzung schaffen, besonders wenn danach ein Gespräch stattfindet. Die angekündigte kostenlose Online-Veröffentlichung erreicht Menschen ohne erreichbares Kino oder solche, die das Material in ihrem eigenen Tempo betrachten wollen. Beide Wege erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Gerade deshalb ist der geplante Termin Ende November für diese Verleihgeschichte mehr als eine Randnotiz.

Woran sich der nächste Schritt zeigt

Mit Neon tritt ein bekannter US-Verleih an die Seite der internationalen Partner. Wichtig sind seine Kontakte zu Kinos und die Möglichkeit, das Interesse über die ersten Aufführungen hinaus zu tragen. Für die Wirkung zählen nicht allein zusätzliche Leinwände. Auch die Dauer des Kinolaufs, Gespräche vor Ort und der Übergang zur angekündigten Online-Verfügbarkeit bestimmen, wie viele Menschen sich mit den Aussagen beschäftigen können.

Erst in einer Reihe einzelner Kinos zu starten und danach einen größeren Verleih einzubinden, ist ein anderer Weg als ein sofortiger breiter Start. Erste Publikumsreaktionen gehen dabei einer größeren Verpflichtung voraus. Bei einem politisch aufgeladenen Thema ist diese Abfolge besonders bedeutsam; die öffentliche Wirkung des Films endet zudem nicht an der Kinokasse.

Kino und offenes Netz geben Naza zwei unterschiedliche öffentliche Räume. Neon kann den Film in weitere US-Gemeinden bringen, solange eine gemeinsame Vorführung möglich ist. Die für Ende November geplante kostenlose Veröffentlichung beim Guardian würde danach ermöglichen, Aussagen erneut anzusehen oder den Film ohne Kino in der Nähe zu entdecken. Gerade bei einem umstrittenen Thema reicht diese Wirkung über den Kinolauf hinaus.

Naza ist deshalb ebenso eine Nachricht über Zugang wie über einen Verleihvertrag. Der erste amerikanische Lauf erreichte bereits Dutzende Städte; Neon soll diesen Weg fortsetzen. Die geplante Online-Veröffentlichung eröffnet zusätzlich Menschen ohne erreichbares Kino einen Zugang. Wie diese Wege zusammenwirken, wird die Reichweite des Films deutlicher prägen als der Name des Verleihs allein.

Quellen