Mehr Menschen um das Paar
Netflix startet My Crazy Feminist Girlfriend weltweit am 3. Dezember und nennt sechs neue Darsteller. Mei Nagano und Taisei Kido spielen in dem japanischen Film frühere Partner, die sich Jahre nach ihrer Trennung wiedersehen. Die Besetzung erweitert ihre Beziehung um eine soziale Welt. Ein Freund kann sich an einen anderen Haruki erinnern; eine Kollegin erlebt die Frau auch ohne ihn. Solche Perspektiven könnten verhindern, dass aus der Romanze bloß eine Debatte wird, in der eine Figur nur dazu dient, die Fehler der anderen vorzuführen.
Das ist wichtig, weil die beiden darüber streiten, was Menschen für normal halten. Haruki könnte noch an einer alten Vorstellung von ihr hängen. Sie hat sich verändert; seine Vorstellung von ihr nicht. Würde der Film nur ihre Gespräche zeigen, könnte daraus eine Folge immer gleicher Reden werden. Freunde, Kollegen und Verwandte bringen dieselben Erwartungen in Alltagssituationen: Wer soll heiraten? Wessen Beruf gilt als Übergang? Wessen Ärger wird als übertrieben abgetan? Die neuen Rollen können solchen Druck sichtbar machen, ohne dass die Hauptfiguren alles aussprechen müssen.
Eine Liebeskomödie über Veränderungen
Die Ausgangslage besteht nicht bloß darin, dass Haruki seine frühere Freundin verändert vorfindet. Sieben Jahre sind für beide vergangen. Ihre getrennten Arbeitswelten können zeigen, wie beide alltägliche Pflichten aushandeln. Diese Berufe sagen nichts Endgültiges über die Figuren aus, geben der Geschichte aber Schauplätze jenseits des Wiedersehens. Am Arbeitsplatz zeigt sich, wie jemand mit Macht, Höflichkeit und Kompromissen umgeht, wenn gerade keine Romanze verhandelt wird. Treten Harukis Annahmen nur in Gesprächen mit ihr auf, wirken sie leicht wie ein Drehbuchtrick. Prägen sie auch seinen Alltag, entsteht eine vollständigere Figur.
Die Begegnung beginnt öffentlich, bevor sie wieder persönlich werden kann. Haruki sieht die Frau seiner Erinnerung gemeinsam mit Menschen, denen sie ihre heutigen Überzeugungen zeigt. Der Film muss diesen Moment sorgfältig gestalten. Eine Menge sollte nicht bloß beweisen, dass eine Person gut und die andere lächerlich ist. Sie kann zeigen, warum eine alte Liebe schwierig wird, wenn ein Partner in eine Vergangenheit zurückwill, die es nicht mehr gibt. Komik trägt stärker, wenn Zuneigung und Reibung gleichermaßen glaubwürdig bleiben.
Was die neuen Rollen verändern können
Zur neuen Besetzung gehören Familienangehörige und Menschen aus dem Berufsleben der Hauptfiguren. Harukis Mutter wünscht sich laut Netflix, dass er bald heiratet. Dieser eine Wunsch kann bloß ein bekannter komischer Druck sein. Er könnte aber auch erklären, weshalb Haruki die alte Beziehung als unvollendeten Weg zu einem Leben betrachtet, das andere von ihm erwarten. Die Chefredakteurin und der Autor geben der Frau einen eigenen Raum, in dem ihre Entscheidungen auf die Probe gestellt werden. Eine Geschichte über Feminismus wird dünn, wenn sie nur Haruki belehren soll. Arbeit, Bindungen und Widersprüche würden aus zwei Leben eine Romanze machen, nicht aus einer einzigen Debatte.
Der feste Start und die neuen Nebenrollen geben dem Paar eine vollständigere soziale Welt. Mit der japanischen Verfilmung eines koreanischen Romans erreicht die Geschichte im Dezember ein weltweites Publikum. Gerade deshalb ist interessant, welche Beobachtungen über Beziehungen über Grenzen hinweg verständlich sind und welche Besonderheiten erhalten bleiben. Im besten Fall besteht der Witz nicht allein im provokanten Titel. Der Film könnte die kleinen Erwartungen zeigen, die eine Beziehung formen, lange bevor beide Partner sie beim Namen nennen.
Die namenlose Hauptfigur
Der Blick auf Haruki stellt die Frau im Zentrum vor eine erzählerische Herausforderung. Das mag die Perspektive des Romans spiegeln. Im Film entsteht daraus eine deutliche Herausforderung: Eine Frau, die ihr Leben selbst bestimmen will, darf nicht nur als verlorenes Ideal des Mannes oder als seine Lehrerin existieren. Ihr Leben jenseits der Romanze verdient eigene Wünsche, glaubwürdige eigenständige Entscheidungen und spürbare Widersprüche. Sie können zeigen, was sie will, wenn Haruki gar nicht im Raum ist. Erst dann wäre eine neue Beziehung die Entscheidung zweier erwachsener Menschen.