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Marrakech 2026: 14 Erst- und Zweitfilme im Wettbewerb

Der Wettbewerb rückt junge Regietalente ins Zentrum; ein früheres Atlas-Projekt läuft nun bei den Galas.

Junge Regiehandschriften im Hauptwettbewerb

Das Marrakech International Film Festival hat 76 Filme aus 39 Ländern für seine Ausgabe vom 20. bis 28. November angekündigt. Vierzehn Erst- und Zweitfilme konkurrieren um den Étoile d'Or vor einer Jury unter Marion Cotillard. Zum weiteren Programm gehören Galavorstellungen und eine marokkanische Werkschau.

Diese Entscheidung verändert, was das Publikum entdecken kann. Ein Erstling muss häufig eine eigene Handschrift zeigen und zugleich Besetzung, Ort oder gesellschaftliche Welt erstmals vorstellen. Beim zweiten Film zeigt sich, ob eine frühe Idee zu einer dauerhaften Form wird. Im Preiswettbewerb stehen solche Arbeiten nicht am Rand großer Premieren, sondern werden nach ihren eigenen Möglichkeiten beurteilt. Gerade der Gegensatz innerhalb der Auswahl ist reizvoll: Ein internationales Festival kann berühmte Namen versammeln und seine zentrale Entscheidung dennoch jungen Regietalenten überlassen. Ein Jurypreis sagt noch nicht voraus, welcher Film später die größte Reichweite findet. Aber diese Struktur macht die Entdeckung zu einem Kern des Festivals und nicht zum Nebenprogramm.

Geschichte wird auf sehr verschiedene Weise zum Drama

Marie-Clémentine Dusabejambos Ben'imana, Rafiki Farialas Congo Boy und Rami Kodeihs Furies stehen im Wettbewerb. Ihre Geschichten handeln von Versöhnung nach dem Völkermord an den Tutsi, einem jungen Musiker mit Verantwortung für Geschwister in Bangui und einem Bankraub während der libanesischen Wirtschaftskrise.

Das sind keine austauschbaren Filme über gesellschaftliche Probleme. Eine Geschichte über Verarbeitung, eine über Musik und eine mit der Mechanik eines Heists verlangen unterschiedliche Aufmerksamkeit. Ein Raubüberfall kann wirtschaftlichen Druck durch Tempo und Fristen unmittelbar machen. Musik trägt den Wunsch einer Figur über die Grenzen ihrer Lebensumstände hinaus. Ein Film über Heilung muss für Erinnerungen eine Form finden, die sich nicht mit einem letzten Konflikt erledigen lassen. Die Auswahl stellt diese Möglichkeiten nebeneinander. Das ist genauer und spannender als die pauschale Behauptung, Kino bilde die Welt ab. Hier lässt sich vergleichen, wie Genre, Rhythmus und eine konkrete Sehnsucht historischen Druck in Handlung verwandeln. In Ben'imana hilft eine Frau anderen bei der Versöhnung, während ihre eigenen Überzeugungen privat geprüft werden. Congo Boy verlangt einem Jugendlichen ab, jüngere Geschwister zu versorgen und zugleich an der Musik als Zukunft festzuhalten. Furies macht Geld, an das eine Familie nicht herankommt, zum Antrieb einer Kriminalgeschichte. Die drei Filme führen damit auf verschiedenen Wegen von einer gesellschaftlichen Lage zu einer persönlichen Entscheidung. Genau dort lassen sich ihre Genres und Rhythmen vergleichen, ohne ihnen dieselbe Botschaft zu unterstellen.

Ein Atlas-Projekt kehrt als fertiger Film zurück

Laïla Marrakchis Strawberries läuft in den Galavorstellungen und ist Marokkos Einreichung für den internationalen Oscar. Das Projekt erhielt bei den Atlas Workshops Unterstützung in der Entwicklung und Postproduktion und erreichte später Cannes. Der fertige Film folgt zwei jungen Marokkanerinnen, die bei der Saisonarbeit in Spanien Ausbeutung erleben.

Diese Vorgeschichte gibt der Auswahl eine greifbare Kontinuität. Beim Workshop lag ein Filmvorhaben über Arbeit, Migration und Zusammenhalt vor; bei der Gala kann das Publikum das fertige Werk beurteilen. In Marrakchis Stoff sind Erdbeeren ein alltägliches Produkt, dessen Leichtigkeit für Käufer die Mühe der Menschen verdeckt, die sie pflücken. Der Film kann diese Arbeit durch die beiden Frauen sichtbar machen, statt sie nur als namenloses Beispiel zu benutzen. Neben den jungen Stimmen des Wettbewerbs zeigt Strawberries auch, dass ein Festival ein Projekt über mehrere Schritte begleiten und ihm später eine große Leinwand geben kann. Im November wird sich zeigen, wie dieser lange Weg als Film funktioniert. Die breitere marokkanische Auswahl gibt lokalen Geschichten dabei mehr als einen einzigen Vorzeigeplatz. Entscheidend ist dabei der Abstand zwischen der Hoffnung auf ein besseres Leben und den Bedingungen der Arbeit, die dieses Leben ermöglichen soll. Die Beziehung der beiden Frauen kann diesen Widerspruch in ihren Entscheidungen zeigen, ohne ihn in einer Rede erklären zu müssen. Ihr Weg von Marokko nach Spanien ist keine bloße Ortsveränderung: Mit jedem Schritt hängen Einkommen, Familie und die Möglichkeit, sich gegen Unrecht zu wehren, enger zusammen. Gerade deshalb kann das Publikum ihre Solidarität als Handlung erleben statt als Schlagwort.

Quellen