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Netflix dreht Mar Colls zeitgenössische Verfilmung von La Regenta

Ester Expósito spielt Ana Ozores in der neuen Verfilmung von Claríns Roman. Mar Coll führt Regie und schreibt am Drehbuch mit; María Zamora produziert für Elastica Films.

Drehstart für einen Klassiker

Netflix hat den Drehbeginn von La Regenta bekannt gegeben, einer zeitgenössischen Verfilmung des Romans von Leopoldo Alas unter der Regie von Mar Coll. Ester Expósito spielt Ana Ozores, die im Mittelpunkt der Beobachtung durch ihre Umgebung steht. Coll schreibt das Drehbuch gemeinsam mit Anna R. Costa und Diego Vega; María Zamora produziert für Elastica Films. Die Meldung vom 23. Oktober nennt damit einen konkreten Produktionsschritt und ein festes Kreativteam. Einen Starttermin gibt es noch nicht. Derzeit ist deshalb die spannendere Frage, wie dieses Team den gesellschaftlichen Druck des Romans in die Gegenwart überträgt, und nicht, wann der fertige Film abrufbar sein wird.

Ana unter Beobachtung

Netflix beschreibt Ana als Frau in einer bequemen, aber leeren Ehe mit Víctor Quintanar, den Vito Sanz spielt. In Vetusta wird ihre Suche nach einem erfüllteren Leben zum Gegenstand zweier männlicher Obsessionen und eines Kampfes um Begehren, Religion und Einfluss. Oriol Pla übernimmt die Rolle des Geistlichen Fermín de Pas, Borja Luna spielt Álvaro Mesía. Zum angekündigten Ensemble gehören außerdem Clara Ingold, Carlos González, Ana Torrent, Itsaso Arana und Gonzalo de Castro. Diese Figuren bilden das Geflecht, in dem andere Anas Entscheidungen ständig für ihre eigenen Zwecke deuten. Ein heutiger Film kann dieses Geflecht in Begegnungen, vertraulichen Gesprächen und öffentlichen Bildern zeigen, ohne Ana selbst zum Rätsel zu machen, über das alle anderen verfügen dürfen.

Die Handschrift des Teams

Coll hat unter anderem mit Salve Maria Filme gedreht, die genau auf den Druck achten, der Frauen auferlegt wird. Auch dort arbeitete sie mit Produzentin Zamora zusammen. Laut Netflix ist La Regenta die erste Zusammenarbeit von Elastica Films mit dem Streamingdienst. Zamoras Firma war an Filmen wie Alcarràs, Creatura und Romería beteiligt, in denen Orte und Körper ebenso viel Gewicht haben wie der äußere Handlungsverlauf. Diese Referenzen verraten noch nicht, wie La Regenta aussehen wird. Sie machen aber die Wahl des Teams konkreter als die bloße Kombination aus bekanntem Roman und populärer Hauptdarstellerin. Coll hebt in ihrer Stellungnahme Anas Einsamkeit und ihre beharrliche Suche nach Sinn hervor. Entscheidend wird sein, ob die Kamera ihr ein Innenleben gibt, während die Stadt sie zum öffentlichen Schauspiel machen will.

Was ein heutiges Vetusta zeigen kann

Die gesellschaftliche Ordnung des Romans hängt nicht an historischen Kostümen oder alten Häusern. Es geht darum, wer Begehren äußern darf, wer moralische Autorität beansprucht und wie eine Gemeinschaft Klatsch in Kontrolle verwandelt. Eine Verlegung in die Gegenwart könnte diese Vorgänge unangenehm nah wirken lassen. Ein heutiges Vetusta könnte Ana durch Ruf, soziale Kreise und öffentliche Bilder beobachten, die anders funktionieren als im neunzehnten Jahrhundert und mächtigen Menschen dennoch erlauben, sie festzulegen. Dieser Druck könnte sich in gesellschaftlichen Ritualen ebenso zeigen wie in öffentlichen Bildern. Wenn der Film nur alte Kleidung gegen neue tauscht, bleibt die Änderung äußerlich. Wenn er dieselben ungleichen Maßstäbe in erkennbarem Verhalten aufdeckt, hat die Aktualisierung einen dramatischen Sinn.

Die Aufgabe der Adaption

Viele kennen Expósito aus Elite, doch Ana verlangt vermutlich mehr als unmittelbare Ausstrahlung. Andere Menschen richten ihre Erwartungen schon auf sie, bevor sie die eigenen Wünsche überhaupt aussprechen kann. Dramatisch interessant ist die Lücke zwischen dem, was Ana fühlt, und dem, was ihre Beobachter daraus machen. Fermín und Álvaro können leicht zu vertrauten Gegensätzen werden: hier geistliche Autorität, dort romantische Verlockung. Mehr Spannung entsteht, wenn der Film zeigt, wie die Rivalität der Männer Anas Möglichkeiten einschränkt, obwohl sich beide vielleicht als Ausweg verstehen. Auch das Ensemble ist deshalb wichtig. Eine Stadt übt ihren Druck durch viele alltägliche Reaktionen aus, nicht allein durch einen eindeutig bösen Gegenspieler.

Woran sich der Film messen lassen muss

Der Drehstart bringt eine klare Absicht mit sich: Diese La Regenta soll eine zeitgenössische Auslegung aus Colls Perspektive werden. Der Roman ist vielschichtig; ein Spielfilm muss Entscheidungen über Zeit, Nebenfiguren und den moralischen Blickwinkel treffen. Dabei sollte Ana nicht unter den Anforderungen der Verdichtung verschwinden. Eine überzeugende Adaption würde die Verlockung der Freiheit und den Preis ihrer Suche spürbar machen und zugleich das Urteil der Umgebung als Teil der Handlung begreifen. Jetzt beginnt die praktische Arbeit an Bildern und Leistungen, die diese Frage genauer beantworten werden als jede Liste mit Namen. Bis dahin ist der angekündigte Ansatz ein guter Grund, die Verfilmung im Blick zu behalten.

Quellen