Der Witz darf die Perspektive nicht verschlucken
Taika Waititi wollte die zurückgenommenen Eigenschaften von Kazuo Ishiguros Klara and the Sun bewahren und zugleich Platz für seinen eigenen Humor finden. Im neuen, am 20. Oktober veröffentlichten Interview mit Variety Australia beschreibt der Regisseur eine Geschichte, in der viel unter der Oberfläche geschieht. Die naheliegende Alternative, die künstliche Hauptfigur zur wütenden Bedrohung zu machen, lehnt er ab.
Damit wird die zentrale Schwierigkeit der Adaption deutlicher als durch ein allgemeines Versprechen, ein beliebtes Buch respektvoll zu behandeln. Humor verändert unsere Beziehung zu einer Figur. Wir können mit jemandem lachen, der eine Situation unvollständig versteht. Oder wir lachen über diese Person, weil wir unsere eigene Sicht für überlegen halten. Ein Film über eine künstliche Beobachterin muss diesen Unterschied genau steuern. Unschuld kann menschliche Widersprüche offenlegen. Sie kann aber auch zum bequemen Dauerwitz werden.
Sony beschreibt Jenna Ortegas Klara als künstliche Freundin auf der Suche nach einem Zuhause. Sie verbindet sich mit der von Mia Tharia gespielten Josie, deren Verhältnis zu ihrer Mutter, Amy Adams, durch einen Verlust belastet ist. Das Drehbuch wird Waititi und Dahvi Waller zugeschrieben. Auf der US-Filmseite nennt Sony den 23. Oktober als Kinostart.
Diese Beziehungen geben der Science-Fiction-Idee einen häuslichen Maßstab. Interessant ist der Abstand zwischen dem, was eine Familie von einer Begleiterin verlangt, und dem, was diese Begleiterin darunter versteht. In einem Zuhause gelten viele unausgesprochene Regeln. Zuneigung, Verpflichtung und Beruhigung werden oft nur indirekt vermittelt. Eine Außenstehende kann solche Gewohnheiten sichtbar machen, indem sie Menschen wörtlicher nimmt, als diese es erwarten.
Eine Erzählerin bestimmt auch den Blick
Fabers Beschreibung von Ishiguros Roman beginnt bei Klara im Geschäft. Sie beobachtet die Kundschaft und hofft, ausgewählt zu werden. Der Verlag stellt ihre Aufmerksamkeit für menschliches Verhalten heraus und verweist zugleich auf die Unzuverlässigkeit menschlicher Versprechen. Die Frage nach Liebe entsteht damit aus dem Blick einer Erzählerin, die Menschen genau studiert, ihre Absichten aber nicht vollständig kennt.
Das Kino hat hier einen Vorteil, der zugleich etwas kostet. Die Kamera kann einen Ausdruck zeigen, den eine Erzählerin nicht entschlüsselt. Sie kann nach einem Gespräch an einer Tür verweilen oder zwei Menschen im selben Zimmer unterschiedlich weit voneinander entfernt anordnen. So spüren wir eine Spannung, bevor die Hauptfigur sie benennen kann. Eine sichtbare Welt kann allerdings auch zu eindeutig werden. Dann verschwindet die Unsicherheit, die das Beobachten erst interessant gemacht hat.
Eine passende filmische Entsprechung würde Klaras Aufmerksamkeit zum Gestaltungsprinzip machen, ohne jedes Bild wortwörtlich aus ihren Augen zeigen zu müssen. Was auffällt, wie lange der Film wartet und was außerhalb des Bildes bleibt: All das erzeugt eine subjektive Perspektive. Eine zu früh eingesetzte Gegenaufnahme kann eine Mehrdeutigkeit bereits auflösen. Ein Musikeinsatz erklärt womöglich das Gefühl, bevor das Schauspiel den Moment komplizierter machen darf.
Deshalb ist das Verhältnis zwischen Wärme und Unbehagen so entscheidend. Eine Geschichte darf ihr Publikum einladen, ohne es bei jeder menschlichen Entscheidung zu beruhigen. Wird jede unangenehme Pause sofort von einem Witz abgefedert, droht die künstliche Freundin bloß noch eine schwierige Familie sympathisch zu machen. Entsteht der Humor hingegen aus verschiedenen Deutungen derselben Situation, kann er diese Familie zugleich aufschlussreicher und schwerer entschuldbar machen.
Die Menschen dürfen fremd bleiben
Der vertraute Konflikt zwischen Maschine und Mensch ist nur eine Möglichkeit dieses Stoffes. Verstörender wäre eine Welt, in der der Zweck der Maschine eindeutig erscheint, während die Menschen nicht erklären können, was sie voneinander wollen. Eine Begleiterin lässt sich gegen Einsamkeit kaufen. Doch Gesellschaft beantwortet noch nicht das Verlangen nach Kontrolle, Vergebung oder bedingungsloser Loyalität. Der häusliche Rahmen kann diese Fragen tragen, ohne zu einer größeren technischen Krise ausgebaut zu werden.
Ortegas Rolle hängt nach dieser Ausgangslage ebenso sehr von Aufmerksamkeit ab wie vom sichtbaren Gefühlsausdruck. Ein Blick, der einen Moment zu lange bleibt, kann Fürsorge, Unsicherheit oder einen falschen Schluss andeuten. Die anderen Darsteller müssen dieser Aufmerksamkeit etwas entgegensetzen. Es braucht ein Wechselspiel zwischen Menschen, keine bloße Vorführung darin, wie überzeugend eine Schauspielerin künstlich wirken kann.
Waititis Äußerungen benennen das richtige kreative Problem. Entscheidend wird sein, ob der Film Zärtlichkeit neben etwas bestehen lässt, das sie nicht lösen kann. Klaras begrenztes Verständnis sollte uns auch über die Grenzen der Menschen um sie herum nachdenken lassen. Darin läge ein eigenständiger Grund für die Leinwandadaption: Bilder, Pausen und widersprüchliche Gesichtsausdrücke könnten den beunruhigenden Abstand zwischen Geliebtwerden und Nützlichsein erfahrbar machen.