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Keanu Reeves verhandelt über James Wans The Gangster, the Cop, the Devil

Deadline bestätigt Gespräche für das Paramount-Remake. Die gegensätzlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit bieten mehr als einen gemeinsamen Feind.

Die Festivalseite enthält die Ausgangslage und Ausschnitte des Originalfilms.

Ein möglicher neuer Partner für Don Lee

Keanu Reeves verhandelt über eine Hauptrolle in James Wans Paramount-Version von The Gangster, the Cop, the Devil, berichtet Deadline. Don Lee kehrt als Gangsterboss Jang Dong-su zurück. Reeves' Rolle ist noch nicht bekannt. Die jüngste Drehbuchfassung stammt von Eric Pearson.

Diese mögliche Besetzung besitzt einen unmittelbaren Reiz. Die stärkste Grundlage des Projekts liegt aber in seiner Anordnung unvereinbarer Interessen. Zwei fähige Menschen können denselben Mann verfolgen und trotzdem verschiedene Vorstellungen von Erfolg haben. Das gibt einem Actionfilm einen Konflikt innerhalb seiner zentralen Partnerschaft. Er muss nicht jedes Mal ein neues äußeres Hindernis erfinden, sobald die Zusammenarbeit anfängt zu funktionieren und beide Figuren ihre jeweiligen Fähigkeiten erfolgreich einsetzen.

Das Original von Lee Won-tae lief 2019 im Mitternachtsprogramm von Cannes. Die offizielle Inhaltsangabe beschreibt einen Gangster, der einen Anschlag überlebt und sich mit einem Ermittler zusammentut, um den verantwortlichen Serienmörder zu jagen. Der Polizist will den Täter im Gefängnis sehen; der Gangster will seinen Tod.

Dieser letzte Unterschied trägt die Anlage. Die Jagd kann beide auf der Ebene des unmittelbaren Handelns vereinen und auf der Ebene des Zwecks trennen. Eine brauchbare Spur hilft beiden. Eine Festnahme stellt möglicherweise nur einen zufrieden. Je näher sie dem gemeinsamen Ziel kommen, desto schwieriger lässt sich die Frage verschieben, wessen gewünschtes Ende sich durchsetzen wird. Die Zusammenarbeit erzeugt dadurch ihre eigene Bedrohung und nicht nur die Mittel gegen eine Gefahr von außen.

Zusammenarbeit erzeugt eigene Spannung

Ein Remake kann diesen Konflikt konkret körperlich machen. Wer eine Tür kontrolliert, den Autoschlüssel hat oder einen Zeugen zuerst befragen darf, verändert das Verhältnis zwischen den Verbündeten. Solche Entscheidungen drücken Misstrauen durch Handlung aus. Das Publikum braucht dann nicht bei jeder Richtungsänderung einen neuen Vortrag über unvereinbare moralische Vorstellungen. Es kann an einer sichtbaren Entscheidung erkennen, welche Möglichkeit gerade gewonnen wurde und welche dem anderen nun entzogen ist.

Das Bedürfnis des Gangsters nach wiederhergestelltem Ansehen unterscheidet sich zudem vom Bedürfnis des Ermittlers nach einem verwertbaren Fall. Das eine hängt davon ab, was andere Verbrecher über ihn glauben. Das andere verlangt, Wissen so zu formen, dass eine Institution darauf handeln kann. Dieselbe öffentliche Konfrontation könnte dem einen Ziel dienen und dem anderen schaden. Ihre Methoden haben damit Folgen, die über das Entkommen eines Verdächtigen deutlich hinausreichen und die nächste Begegnung mitbestimmen.

Das trägt länger, als offizielle Verfahren lediglich zum lästigen Aufschub vor dem angeblich wirksamen Eingreifen eines Kriminellen zu erklären. Interessanter wird eine Ermittlung, wenn Regeln einen Zweck und einen Preis besitzen, während kriminelle Autorität neben ihrer Macht auch Grenzen hat. Jeder Partner sollte über Zugänge verfügen, die dem anderen fehlen. Sonst ist ihre Verbindung nur eine vorübergehende Unbequemlichkeit für den fähigeren Protagonisten, der die Geschichte letztlich auch allein erledigen könnte.

Wans Aufgabe wäre, diesen Austausch verständlich zu halten und zugleich voranzutreiben. Spannung verlangt, dass wir erkennen, was in einem bestimmten Augenblick verloren gehen kann. Eine Verfolgung wird eigenständiger, wenn ihre möglichen Ausgänge den Beteiligten Unterschiedliches bedeuten. Geschwindigkeit verstärkt dann einen Konflikt, statt ihn bloß zu ersetzen. Auch eine kurze Unterbrechung kann wichtig werden, weil sie einem der beiden plötzlich eine andere Position im gemeinsamen Vorgehen verschafft.

Ein wiederkehrender Darsteller gibt Halt

Lees Rückkehr setzt für eine englischsprachige Neubearbeitung einen ungewöhnlichen Verbindungspunkt. Der Gangster muss nicht vollständig durch die Interpretation eines anderen Schauspielers neu entstehen. Daraus ergibt sich eine Möglichkeit: ein wiedererkennbares Zentrum bewahren und die Beziehungen sowie die Umgebung verändern, die darauf einwirken. Vertrautheit kann Unterschiede messbar machen, statt die Wiederholung jedes bekannten Effekts zu versprechen. Auch derselbe Mensch reagiert anders, wenn sein Gegenüber nicht dieselben Erwartungen an ihn mitbringt.

Reeves würde eine weitere starke Leinwandpräsenz ergänzen. Über seine Figur zu raten ginge jedoch an der interessanteren Besetzungsfrage vorbei. Wie verteilen zwei Darsteller Ruhe, Ungeduld und Autorität innerhalb einer Szene? Eine Partnerschaft kann schon konkurrenzbetont wirken, bevor jemand ausdrücklich droht. Eine Pause lässt offen, ob eine Anweisung angenommen, ignoriert oder leise in einen anderen Plan umgewandelt wird. Dieses Verhältnis kann mehr Spannung liefern als ein zusätzlich erklärter persönlicher Groll.

Der Titel verweigert schon eine saubere Teilung zwischen rechtmäßigem Helden und allen übrigen Figuren. Er ordnet drei Positionen um eine einzige Verfolgung. Diese Positionen dürfen instabil werden, ohne jeden Beteiligten moralisch gleichzusetzen. Ein nachvollziehbarer Grund zur Zusammenarbeit beseitigt nicht die Verantwortung dafür, was jemand tut, sobald diese Zusammenarbeit möglich wird. Gerade wenn der gemeinsame Gegner besonders bedrohlich ist, lohnt es sich, die unterschiedlichen Ziele der Verfolger weiterhin ernst zu nehmen.

Deshalb bietet das Projekt mehr als die Aussicht auf berühmte Schauspieler gegen einen gefährlichen Mörder. Sein zentraler Handel kann unsicherer werden, je besser er funktioniert. Bleibt dieser Widerspruch erhalten, besitzt das Remake einen klaren dramatischen Existenzgrund: Die Action führt Menschen zusammen und rückt gleichzeitig ihre unvereinbaren gewünschten Enden näher. Der Erfolg der Jagd wäre dann nicht bloß die Lösung der Geschichte, sondern auch der Punkt ihres schärfsten inneren Konflikts.

Quellen