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Mohabat gewinnt Hauptpreis beim Dokumentarfilmfestival Ji.hlava

James Longleys Porträt einer afghanischen Familie führt die Preise der 30. Ausgabe an; After the Rehearsal gewinnt bei den Debüts.

Der Hauptpreis bleibt nah bei einer Familie

Das 30. Internationale Dokumentarfilmfestival Ji.hlava hat am 31. Oktober seine Preise bekanntgegeben. James Longleys Mohabat gewann den Opus-Bonum-Preis als bester internationaler Dokumentarfilm. Der 89-minütige Film feierte beim Festival Weltpremiere und begleitet einen zwölfjährigen Jungen in Afghanistan, nachdem sein Vater bei einem Drohnenangriff getötet wurde. Der Festivaleintrag beschreibt seine Brüder, einen Aufenthalt im Waisenhaus und die Rückkehr ins Bergdorf. Die Jury hob die geduldige Beobachtung des Jungen und seiner Gemeinschaft hervor.

Schon diese Anlage zeigt, warum Mohabat mehr ist als ein Film über einen einzelnen Gewalttag. Der Tod verändert, wo der Junge lebt, welche Erwachsenen für ihn sorgen können und welche Verantwortung seine älteren Brüder tragen. Wer bei den Folgen bleibt, kann die lange, ungleichmäßige Zeit nach einer längst verschwundenen Schlagzeile sichtbar machen. Weil ein Kind im Zentrum steht, ist die Form besonders entscheidend: Eine Kamera kann ihn zum Sinnbild des Leids verkleinern oder seinen Alltag und seine Beziehungen kompliziert sein lassen. Longleys beobachtender Ansatz, wie ihn das Festival beschreibt, zielt offenbar auf den zweiten Weg. Der Preis würdigt die Arbeit als Film ebenso wie als Zeugnis. Ihre Stärke liegt darin, Mohabat als Menschen mit einem eigenen Tagesablauf zu zeigen und nicht als Zahl in einem Bericht über Krieg.

Ein Debüt stellt die Aufführung selbst infrage

Der First-Lights-Preis für ein Debüt ging an Philipp Fröhlichs After the Rehearsal. Laut Festivalsynopse proben fünf Schauspieler im Garten einer kolonialen Villa in Burundi ein Stück über ein Ostafrika ohne internationale Organisationen und Hilfsinitiativen. Der Regisseur des Stücks taucht nicht auf. Ji.hlava beschreibt den Film als ironische, essayistische Arbeit, in der Spiel, Abwesenheit und Kommentar ineinandergreifen.

Diese Ausgangslage verweigert eine bequeme Erklärung. Der fehlende Regisseur lässt die Darsteller in einem Projekt zurück, dessen Autorität plötzlich fraglich wird: Wer hat das Szenario geschrieben, wer bestimmt seine Bedeutung, und wessen Stimme soll das Publikum führen? Die alternative Welt des Stücks kann Annahmen über Hilfe und äußere Macht freilegen. Das funktioniert aber nur, wenn die Darsteller solche Annahmen prüfen dürfen und nicht bloß zu ihren Illustrationen werden. Für ein Dokumentarfilmdebüt ist das eine scharfe Entscheidung, weil die Darstellung selbst zum Gegenstand wird. Das Publikum soll den Rahmen um eine Szene bemerken, statt eine darin vorgetragene Behauptung einfach zu übernehmen. Der Preis steht damit neben Mohabat, ohne beide Werke auf dieselbe Form zu verpflichten. Der eine Film beobachtet ein junges Leben über längere Zeit; der andere inszeniert eine Frage danach, wie über einen Ort gesprochen wird.

Zwei tschechische Sieger weiten den Blick

Den Preis für den besten tschechischen Dokumentarfilm teilen sich Martin Pávs Glowing und Nikola Klingers Land of Fire. Glowing verbindet Menschen in Seoul, Neu-Delhi und Nairobi über den Druck rund um Aussehen und gesellschaftlichen Erfolg. Land of Fire folgt Bewohnern einer Region in British Columbia, die von Waldbränden, Verlusten und gemeinschaftlichen Ritualen geprägt ist. Der Publikumspreis ging an Aleš Pojars Mushroom Seconds, ein Porträt des Dichters Petr Hruška. Das Onlineprogramm von Ji.hlava läuft bis zum 22. November.

Die beiden Jurygewinner führen einen tschechischen Wettbewerb weit über einen einzigen nationalen Schauplatz hinaus. Glowing kann prüfen, wie ein Schönheitsideal zwischen Städten wandert und doch einzelne Körper und Beziehungen trifft. Land of Fire beginnt in einer Landschaft mit wiederkehrender Gefahr und fragt dann, wie Menschen inmitten von Abwesenheiten zusammenbleiben, die sich nicht allein durch Feuer erklären lassen. Keine der beiden Prämissen ist mit einer einfachen These erledigt. Der geteilte Preis lädt dazu ein, eine Arbeit über grenzüberschreitende Verbindungen mit einer anderen zu vergleichen, die lange genug an einem Ort bleibt, um seine Schichten zu erfassen. Mushroom Seconds setzt mit einem Dichter, dessen Texte und Gewohnheiten zum Porträt gehören, einen leiseren Gegenpunkt. Zusammen zeigen die Ergebnisse ein dokumentarisches Feld mit verschiedenen Formen und Größen. Das Onlinefenster verlängert die Gelegenheit, diese Vielfalt auch nach dem Festival vor Ort zu entdecken.

Quellen