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Jesse Eisenberg verrät A24-Serienprojekt über eine 18-Jährige im Jahr 2002

Der Autor und Regisseur stellte das Vorhaben beim London Film Festival vor. Interessanter als nostalgische Musik ist die Frage, wie politische Konflikte im Alltag einer jungen Frau sichtbar werden.

Eine neue Serie blickt auf den Herbst 2002

Jesse Eisenberg hat nach eigener Aussage ein Fernsehprojekt für A24 und Peter Rice geschrieben, das eine 18-jährige Frau im Herbst 2002 begleitet. Im Gespräch mit The Hollywood Reporter beim London Film Festival am 18. Oktober beschrieb er es als Geschichte über die Anfänge heutiger Kulturkämpfe. Titel und Besetzung wurden noch nicht genannt.

Das aufschlussreichste Detail ist der Zeitpunkt. Mit achtzehn können sich Ansichten erstmals selbst gewählt anfühlen, obwohl Familie, Schule und Freunde weiterhin einen großen Teil der Wörter dafür liefern. In einer konkreten jüngeren Vergangenheit entstehen zwei Perspektiven: Die Figur glaubt, die Welt gerade zu entdecken. Das Publikum weiß bereits, was danach kommt. Die Kunst besteht darin, dass die zweite Perspektive die erste nicht einfach erdrückt.

Für die Figuren muss 2002 Gegenwart bleiben

Eine Geschichte über die jüngere Vergangenheit kann ihre Figuren unheimlich zukunftskundig wirken lassen. Jede beiläufige Bemerkung wird zum Wegweiser. Jeder Streit kündigt eine Debatte an, die das Publikum längst kennt. Das befriedigt den Wunsch nach Wiedererkennung, lässt aber wenig Raum für tatsächliche Entdeckung. Menschen werden zu Vorabversionen von Positionen, bei denen sie selbst noch gar nicht angekommen sind.

Eisenbergs Idee wäre interessanter, wenn seine junge Hauptfigur zunächst falsch einschätzen dürfte, worauf es ankommt. Ein Konflikt könnte wie eine Freundschaftsprobe wirken, wie eine peinliche Familienangelegenheit oder wie die Gelegenheit, jemanden zu beeindrucken. Seine politische Bedeutung muss nicht fertig beschriftet auftreten. So wird ein historischer Schauplatz zum dramatischen Raum, statt nur eine bebilderte Zeitleiste abzugeben.

Gerade weil noch keine ausgearbeitete Handlung öffentlich vorliegt, hilft auch hier Genauigkeit. Eine 18-Jährige im Jahr 2002 bedeutet nicht automatisch eine bestimmte Schule, soziale Herkunft oder politische Entwicklung. Die Ankündigung legt eine Perspektive und einen Zeitraum fest. Ihr Reiz steckt darin, jemanden zu begleiten, dessen Umfeld sich verändert, bevor sie eine verlässliche Sprache dafür entwickelt hat.

Der Streit unter dem unbequemen Gespräch

Eisenbergs bisherige Arbeit liefert einen konkreten Grund, diese Möglichkeit ernst zu nehmen. A Real Pain schickt die Cousins David und Benji zum Andenken an ihre Großmutter auf eine Reise durch Polen. Ihre familiäre Verbindung schafft einen Maßstab, an dem größere Fragen über Geschichte, Leid und emotionale Verpflichtung unmittelbar werden. Die Figuren müssen diese Fragen nicht lösen, bevor das nächste unangenehme Gespräch beginnt.

Der Abstand zwischen erklärten Werten und tatsächlichem Verhalten wäre auch für eine Geschichte über politische Identität ergiebig. Jemand kann wortgewandt und unsensibel sein, rücksichtsvoll und ausweichend oder ernsthaft überzeugt und zugleich von sozialer Zustimmung abhängig. Komik kann solche Widersprüche sichtbar machen. Dafür muss nicht jede Szene in einem Wettkampf mit einem vorher festgelegten Sieger enden.

When You Finish Saving the World bietet einen weiteren Vergleich: Menschen besitzen ein menschenfreundliches Selbstbild und verstehen trotzdem ihre nächsten Angehörigen kaum. Die Verbindung besteht nicht darin, dass Eisenberg immer dieselben Figuren schreibt. Interessant ist, wie politische Gewissheit an gewöhnlichen Fehlern der Aufmerksamkeit geprüft wird. Eine Jugendliche bringt dabei eine andere Gewichtung mit. Sie baut die Persönlichkeit, die sie später womöglich verteidigen wird, überhaupt erst auf.

Fernsehen kann den Widersprüchen Zeit geben

Eine Serie kann verfolgen, wie eine Überzeugung durch mehrere Situationen wandert. Was unter Freunden mutig klingt, kann zu Hause grausam wirken. Eine früh abgetane Person lässt sich nach einer unerwartet großzügigen Handlung vielleicht nicht mehr so bequem abtun. Diese Ansammlung wäre aufschlussreicher als eine einzelne Rede, in der das Werk erklärt, was es selbst für richtig hält.

Darin steckt allerdings ein Risiko. Wiederholung kann Vielschichtigkeit zum Stillstand machen. Jede Folge beweist dann erneut, dass eben alle kompliziert sind. Die Zeit und der Ort brauchen Ereignisse mit Folgen, nicht nur eine wechselnde Runde von Diskussionen. Eine Haltung sollte irgendwann eine Beziehung verändern oder eine Entscheidung verlangen. Andernfalls bleibt der Kulturkampf etwas, das auf einem anderen Bildschirm stattfindet.

Eisenberg sprach über das Projekt, als The Debut das Londoner Festival beendete. Dessen Amateurtheater verweist auf ein weiteres wiederkehrendes Interesse: Menschen suchen eine Bühne, auf der andere sie endlich wahrnehmen könnten. Eine junge Frau im Jahr 2002 könnte eine völlig andere Bühne finden. Die stärkste Fassung der geplanten Serie würde ihr erlauben, sie zunächst als Mensch zu betreten: mit gemischten Motiven, unvollständigen Gedanken und Widersprüchen, bevor die Geschichte aus ihr ein Beweisstück macht.

Quellen