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Gregg Araki dreht The Decline of F*cking Western Civilization mit großem Komikensemble ab

Deadline meldet neue Ensemblemitglieder, darunter Judy Greer, Kal Penn und Michael Chiklis. Reizvoll ist die Begegnung von Arakis Außenseiterblick mit einer vertrauten Form der Gesellschaftssatire.

Der Dreh ist beendet, das Ensemble wächst auf dem Papier

Gregg Araki hat die Dreharbeiten zur schwarzen Komödie The Decline of F*cking Western Civilization abgeschlossen, berichtet Deadline. Zu den neu gemeldeten Ensemblemitgliedern gehören Judy Greer, Kal Penn, Michael Chiklis, Giovanni Ribisi und Margaret Cho. Bereits bekannt waren Ashton Kutcher, Alison Brie und Jesse Williams. Araki überarbeitete Kevin W. Koehlers Drehbuch; Einzelheiten zu den Figuren bleiben unter Verschluss.

Die Besetzung stellt eine interessante Frage nach dem Ton. Diese Schauspieler bringen Erfahrung zwischen breiter Komik und streng kontrollierter dramatischer Bedrohung mit. Dadurch könnte eine Ensemblesatire mehrere konkurrierende Arten gewinnen, dieselbe Welt zu verstehen. Der Film könnte allerdings auch in verschiedene Richtungen auseinanderziehen. Eine lange Namensliste lädt dazu ein, diese Möglichkeiten zu betrachten. Sie beweist noch nicht, dass ihr Zusammenspiel bereits gelungen ist.

Satire braucht Menschen, die ihre eigene Geschichte glauben

Deadline beschreibt das Projekt durch einen Vergleich mit Election und American Beauty. Damit ist ein vertrautes Gebiet umrissen: Menschen halten an respektablen Erklärungen für sich selbst fest, während Wünsche und Kränkungen diese Erklärungen zunehmend unhaltbar machen. Nützlich ist der Vergleich vor allem für den Aufbau. Er lenkt den Blick auf konkurrierende Selbstbilder, ohne damit schon eine bestimmte Handlung zu verraten.

Election ist aufschlussreich, weil seine komischen Konflikte aus unvereinbaren Vorstellungen darüber entstehen, wer etwas verdient. Anstrengung, Beliebtheit, Anstand und institutionelle Zustimmung passen nicht sauber zusammen. Eine Figur kann ihre Entscheidung vernünftig begründen, während die Szene ein anderes Motiv darunter sichtbar macht. Die Satire arbeitet genau mit diesem Abstand. Sie muss die Selbstauskunft der Figur nicht laut widerlegen, um deren Schwäche zu zeigen.

American Beauty bietet ein anderes Modell von Unzufriedenheit. Häusliche und berufliche Oberflächen werden zu Bühnen für Fluchtfantasien. Wer heute auf dieses Gelände zurückkehrt, trifft allerdings auf dessen Vertrautheit. Ein gepflegtes Haus, hinter dem hässliche Gefühle wohnen, ist für sich genommen keine Enthüllung mehr. Ein neuer Film muss genauer werden als die Feststellung, dass auch respektable Menschen sich schlecht benehmen können.

Was Arakis Perspektive durcheinanderbringen könnte

Arakis frühere Arbeiten machen die Verbindung interessant. The Doom Generation und Nowhere geben desillusionierten jungen Menschen instabile, aggressive und offen künstliche Welten. Mysterious Skin wählt einen deutlich anderen Ton für beschädigte Leben und das ungleiche Verständnis der eigenen Vergangenheit. Bei allen Unterschieden sind Außenseiter dort nicht bloß Gäste, die einer ansonsten normalen Gemeinschaft ihre Diagnose mitteilen.

Darin steckt die nützliche Möglichkeit für die neue Komödie. Gesellschaftssatire kann selbstgefällig werden, wenn eine besonders aufmerksame Hauptfigur angeblich alle anderen durchschaut. Arakis Blick verspricht einen unbequemeren Standort: Die Welt selbst ist verzerrt, und die Wünsche des Beobachters gehören zum Problem. Der Witz muss dem Publikum nicht das angenehme Gefühl hinterlassen, nach dem Durchschauen der anderen selbst sauber dazustehen.

Das Ensemble könnte diese Unsicherheit verteilen. Ein Darsteller mit Erfahrung in freundlicher Komik lässt eine grausame Annahme vielleicht ganz gewöhnlich klingen. Eine mit Autorität verbundene Schauspielerin kann deren Bedürftigkeit freilegen. Eine präzise gesetzte Reaktion kann die gesamte Selbsterklärung einer Familie oder eines Arbeitsplatzes anstechen. Dafür muss nicht jede Figur noch auffälliger und verrückter werden als die vorherige.

Der Titel kann die Anklage nicht allein erledigen

Der Titel greift bewusst weit aus. Das gibt einer schwarzen Komödie eine wirksame Provokation, lädt ihr aber auch eine große Aufgabe auf. Niedergang lässt sich abstrakt leicht verkünden. Zu zeigen, wie ein bestimmter Mensch einen bequemen Kompromiss eingeht, ist schwieriger und meist aufschlussreicher. Ein Film, der eine Kultur anklagen möchte, braucht trotzdem Szenen, in denen seine Menschen überraschen können.

Außerdem unterscheiden sich Abscheu und Genauigkeit. Ein Ensemble unangenehmer Figuren wird eintönig, wenn alle dieselbe Diagnose ausdrücken. Interessanter ist eine Anordnung, in der jeder etwas anderes schützt: Rang, Zuneigung, Bequemlichkeit, Unschuld oder das Recht auf eine schmeichelhafte Geschichte über sich selbst. Aus ihren Zusammenstößen entsteht dann die Satire. Sie bebildern nicht bloß ein Urteil, das längst fertig im Raum steht.

Darum betrifft der Wert der Castingnachricht vor allem Beziehungen. Greer, Penn, Chiklis und die übrigen Beteiligten müssen nicht dieselbe Sorte Komik liefern. Sie brauchen eine Welt, in der unterschiedliche Rhythmen einander bloßstellen können. Ein Lächeln stört genauso gründlich wie ein Ausbruch, wenn die Szene zuvor deutlich gemacht hat, was dahinter versteckt wird.

Der Produktionsbericht erlaubt noch kein Urteil über dieses Gleichgewicht im fertigen Film. Er zeigt einen Regisseur mit eigenwilliger Vorgeschichte und ein Ensemble, das Reibung ermöglichen kann. Die reizvolle Fassung von The Decline of F*cking Western Civilization würde ihre große Anklage durch kleine, genaue Verrätereien entwickeln. Die Zivilisation kann kurz warten. Erst muss jemand im Zimmer seinen Satz zu Ende bringen.

Quellen